VEGETARISCH LEBEN


Die Notwendigkeit fleischloser Ernährung
(
ausVegetarisch Leben Verlag Govinda Kulturtreff, Zurich 1989, zusammengestellt von Raja Vidya dasa nach einer Vortag von Atma Tattva dasa).

Einleitung und Inhalt
Für viele von uns ist Fleischessen etwas Selbstverständliches, und nur selten fragen wir nach den Konsequenzen, die damit verbunden sind. Wer sich aber einmal etwas mehr Gedanken über unsere Ernährungsgewohnheiten macht, erkennt sehr bald, daß es eigentlich keinen einzigen stichhaltigen Grund für das Fleischessen gibt, sondern daß -- im Gegenteil -- viele Probleme und Nachteile damit verbunden sind.
Tatsächlich beginnen heute viele Menschen die herkömmliche Ernährungsweise anzuzweifeln und entscheiden sich für einen vegetarischen Lebensstil. Was sind ihre Motive, und wie begründen sie ihren Entschluß?
In der vorliegenden Broschüre finden Sie in knappster Form die wichtigsten Argumente für eine lacto-vegetarische Ernährung, d.h. eine Ernährung ohne Fleisch, Fisch und Eier. Die Vielzahl dieser Begründungen läßt sich in folgende sechs Kategorien unterteilen, denen wir jeweils ein Kapitel gewidmet haben:

1. Gesundheit
Herzkrankheiten
Krebs
Ohne Fleisch nicht genügend Proteine?
Warum keine Eier?
Warum Milch?
Der Mensch als Allesesser?
Fleisch macht süchtig
2. «Produktion» des Fleisches
Gepanschtes Fleisch
Vollautomatische Tötungsmaschinen
3. Weltwirtschaft
Auf Kosten der Dritten Welt
Umweltverschmutzung
4. Ethische und moralische Gründe
«Mir schmeckt's trotzdem»
Zitate berühmter Vegetarier
5.Religion
Christentum
Andere Religionen
6. Fleisch essen und Karma

Schlußfolgerung
Nachwort

1. Gesundheit
Fördert Fleischessen gewisse Krankheiten? Kann umgekehrt eine rein vegetarische Ernährung die Gesundheit wiederherstellen oder verbessern? Kann sie bestimmte Krankheiten verhüten?
Verfechter des Vegetarismus haben diese Fragen seit jeher bejaht, wenngleich die moderne Wissenschaft nie klar Stellung bezog -- bis vor kurzem jedenfalls. Denn jüngste medizinische Forschungen erbringen immer mehr Beweise, daß zwischen Fleischessen und verschiedensten, auch tödlichen Krankheiten (wie Koronarsklerose und Krebs) eine direkte Verbindung besteht.

Herzkrankheiten
Seit den sechziger Jahren haben Wissenschaftler den Verdacht geäußert, daß eine fleischzentrierte Ernährung die Entstehung von Arteriosklerose und Herzkrankheiten fördert. Bereits 1961 schrieb das amerikanische Ärztejournal: «90 bis 97 Prozent der Herzkrankheiten könnten durch fleischlose Kost vermieden werden.» (Journal of the American Medical Association, 176/1961, S. 134-35)
Seit jener Zeit haben zahlreiche sorgfältige Studien wissenschaftlich bewiesen, daß der Verzehr von Fleisch in Westeuropa, den Vereinigten Staaten, Australien und anderen Wohlstandsregionen neben Tabak und Alkohol die häufigste Todesursache ist.
Der menschliche Körper kann übermäßige Mengen von tierischen Fetten und Cholesterin nicht verwerten. Eine Umfrage bei 214 Wissenschaftlern aus 23 Ländern, die Untersuchungen über Arteriosklerose angestellt hatten, ergab nahezu einstimmig, daß eine falsche Ernährung ein zu hoher Cholesterinspiegel und somit Herzkrankheiten (wie Koronarsklerose) verursachen kann. (Journal der Norwegischen Medizinischen Gesellschaft, 12.2.1977)
Der geringe tägliche Bedarf an Cholesterin kann leicht mit Milch und Milchprodukten gedeckt werden. Cholesterin ist nur in tierischen Fetten zu find en, und wenn jemand mehr Cholesterin zu sich nimmt, als der Körper braucht -- was bei einer fleischorientierten Ernährung der Fall ist, da Fleisch und Eier einen viel höheren Cholesteringehalt als Milch aufweisen --, wird das überschüssige Cholesterin langsam, aber sicher zum Problem. Es lagert sich an den inneren Arterienwänden ab, behindert den Blutzufluß zum Herzen und kann so zu erhöhtem Blutdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall führen.
Eine andere, in sieben Ländern durchgeführte Studie über den Zusammenhang zwischen Ernährungsweise und Herzkrankheiten ergab, daß in denjenigen Ländern, wo die meisten tierischen Produkte konsumiert werden, die Zahl der Menschen, die an koronaren Herzkrankheiten starben, am höchsten war. In Finnland, dem Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch, wurden prozentual die meisten Todesfälle durch Herzkrankheiten verzeichnet. An zweiter Stelle standen die USA.

In Japan, wo sehr wenig Tierfett konsumiert wird, sterben weniger Menschen an Herzkrankheiten als in irgendeiner anderen Industrienation.
Wissenschaftler der Mailänder Maggiore-Universitätsklinik haben darüber hinaus bewiesen, daß pflanzliches Eiweiß den Cholesterinspiegel sogar senken kann. In einem Artikel des britischen Ärztejournals The Lancet vom 5.2.1977 kam Dr. C.R. Sirtori zu dem Schluß, daß Menschen mit zu hohem Cholesterinspiegel und gleichzeitiger Herzkranzgefäßverengung «von einer Diät, bei der das Eiweiß ausschließlich von pflanzlicher Nahrung kommt, profitieren können.»

Krebs
Die Forschung der letzten zwanzig Jahre weist unverkennbar auf einen direkten Zusammenhang zwischen Fleischessen und Darm-, Brust- sowie Gebärmutterkrebs hin. So hat beispielsweise das Berliner Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie eine fünf Jahre dauernde Vergleichsstudie zwischen einhundert Vegetariern und Fleischessern durchgeführt, deren Ergebnisse viel Aufsehen erregten.
Der in der Neuen Zürcher Zeitung vom 23.7.1986 erschienene Artikel «Vegetarische Ernährung -- pro und contra» stützt sich auf diese Studie und stellt in bezug auf Anfälligkeit für Tumore und Krebskrankheiten fest: «Der zu 80 Prozent durch Fehlernährung bedingte Dickdarmkrebs kommt bei Vegetariern sehr selten vor... Die geringere Inzidenz des Kolonkarzinoms [Darmkrebs] bei Vegetariern steht also sicher mit der andersartigen Ernährung in Zusammenhang... Weitere positive Befunde bei Vegetariern sind niedrigere Werte beim Kreatin und bei der Harnsäure; Gicht kommt bei Vegetariern nachgewiesenermaßen seltener vor als bei Fleischessern. Dasselbe gilt für Erkrankungen der Niere.»
Der Ernährungswissenschaftler Dr. Rollo Russell schreibt in seinem Schlußbericht nach umfassenden Untersuchungen über die Ursachen von Krebs: «Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, daß von 25 Nationen mit großem Fleischkonsum 19 eine hohe und nur eine einzige eine niedrige Krebsrate hatten. Dagegen wiesen von 35 Nationen, die nur wenig oder gar kein Fleisch essen, keine einzige eine hohe Rate auf.» (aus: Cancerand other Diseases from Meat Consumption, 1979, S. 12)
Warum nun sind Fleischesser anfälliger für derartige Krankheiten? Einer der Gründe, den Biologen und Ernährungswissenschaftler immer wieder nennen, ist der menschliche Darm, der für die Verdauung von Fleisch einfach nicht geeignet ist. Fleischfressende Tiere haben einen kurzen Darmtrakt (etwa die dreifache Körperlänge), so daß das rasch faulende, toxische Fleisch den Körper schnell verlassen kann. Da sich pflanzliche Nahrung wesentlich langsamer zersetzt als Fleisch, haben Pflanzenfresser einen Darmtrakt von mindestens sechsfacher Körperlänge; und der Mensch hat den langen Darm eines Pflanzenfressers. Wenn der Mensch also Fleisch ißt, werden die in der Folge entstehenden Toxine (Abfallprodukte der Fäulnisbakterien) die Nieren überlasten und langfristig Krankheiten wie Gicht, Arthritis, Rheuma und Krebs verursachen.
Aufgrund der zahlreichen entsprechenden Forschungsergebnisse erklärte die Amerikanische Nationalakademie der Wissenschaften in Washington im Jahre 1982: «Viele der üblichen Krebsarten könnten verhütet werden, wenn die Verbraucher weniger fettes Fleisch und mehr Gemüse und Getreide essen würden.» (American Academy of Sciences: Diet, Nutrition and Cancer, Washington, Juni 1982)

Ohne Fleisch nicht genügend Proteine?
Muß der Mensch aber nicht Fleisch und Eier essen, um sich mit genügend Protein (Eiweiß) zu versorgen? Auch hier lautet die Antwort:
NEIN.
Die offizielle Empfehlung für den täglichen Eiweißkonsum ist in den letzten zwanzig Jahren von ursprünglich 150 g auf 45 g gesunken. Weshalb? Weil zuverläßige weltweite Forschungen bewiesen haben, daß wir gar nicht so viel Protein brauchen und daß der eigentliche Tagesbedarf bei 30 bis 45 g liegt. Zusätzlich konsumiertes Eiweiß ist nicht nur verschwendet, sondern kann sogar gefährliche Schäden im Körper anrichten. Um die täglich notwendigen 45 g Protein zu sich zu nehmen, braucht man kein Fleisch zu essen; es ist leicht möglich, sie aus rein vegetarischer Nahrung in Form von Getreide, Hülsenfrüchten, Nüssen, Gemüse, Früchten zu beziehen (nach Dr. Paavo Airola: «Health Forum», Vegetation Times, August 1982, S.67).
In ihrer Ausgabe vom 12.2.1987 schreibt Die Weltwoche: «Aus Deutschland kommt für die Vegetarier auch frohe Kunde... Eine fünf Jahre dauernde Studie hat Erfreuliches zu Tage gefördert. Ausgerottet ist der Aberglaube, daß, wer kein Fleisch ißt, an Eisenmangel leidet. Die Studie hat bewiesen, daß Körper, die weniger Eisen bekommen (und Fleisch liefert 30 Prozent unseres Nahrungseisens), einfach mehr Eisen aus der verabreichten Nahrung lösen. Ähnlich ist es mit dem Kalzium.»
Auch Forschungen am Max-Planck-lnstitut haben eindeutig ergeben, daß die meisten Arten von Gemüse, Obst, Getreide, Samenkernen und Nüssen hochklassige Träger vollwertiger Proteine sind. Außerdem werden sie viel leichter vom Körper assimiliert als tierische Proteine und enthalten keinerlei toxische Stoffe. Es ist fast unmöglich, an Protein- und anderem Mangel zu leiden, wenn man eine ausgewogene vegetarische Ernährung pflegt.
Deshalb schreibt die Neue Zürcher Zeitung in ihrem bereits erwähnten Artikel über die Berliner Vegetarier-Studie: «Es wurde oft gesagt und publiziert, daß vegetarische Kost zwangsmäßig eine Mangelernährung verursacht. Diese Behauptung erwies sich nun als unrichtig. Heute sieht man ein, daß die Vegetarier von Naturwissenschaftlern und Medizinern auf Grund bloßer Vorurteile während langer Zeit nicht ernst genommen wurden... Es gibt eine größere Zahl gesundheitlicher Vorteile der vegetarischen Ernährung.»

Warum keine Eier?
Genau wie beim Fleisch ißt man auch mit Eiern alle jene teilweise stark gesundheitsschädigenden chemischen Stoffe mit, die den Hühnern in der Massenhaltung verabreicht werden -- zwecks Mästung, Ertragserhöhung usw. sowie zur Heilung oder Vorbeugung gegen Seuchen.

Hinzu kommt, daß Eier auch an sich nicht gesund für den menschlichen Körper sind, denn als «flüssiges Fleisch» verfaulen sie im langen Darmtrakt des Menschen sogar noch schneller als Fleisch. Zusätzlich zu den so entstehenden Schadstoffen enthält das Ei von Natur aus sehr viel Cholesterin, was für den menschlichen Körper ebenfalls problematisch ist, wie bereits im Abschnitt über Herzkrankheiten besprochen wurde.
Spätestens der Vergleich mit dem Menschen macht außerdem klar, daß ein Ei, ob befruchtet oder unbefruchtet, von der Natur für etwas anderes bestimmt ist als für den menschlichen Verzehr. Und die vielgepriesenen Nährstoffe, die das Hühnerei liefert (vor allem Eiweiß), können, wie oben beschrieben, leicht und auf unschädliche Weise auch aus rein vegetarischer Nahrung bezogen werden.

Warum Milch?
In diesem Zusammenhang wird manchmal gefragt: Wenn keine Eier, warum dann Milch? Ist es nicht dasselbe?
NEIN.
Milch -- im Gegensatz zu Eiern -- ist von Natur aus zur Ernährung des Menschen bestimmt, denn kein Kalb trinkt 20-30 Liter Milch pro Tag, sondern nur wenige Liter für kurze Zeit.
Durch die wunderbare Vorkehrung der Natur frißt die Kuh Gras, das für den menschlichen Körper wertlos ist, und verwandelt es in ein hochwertiges Nahrungsmittel. Milch enthält alle für den Menschen notwendigen Nährstoffe und ist leicht verdaulich. Außerdem hilft sie, feinere Gehirnzellen zu entwickeln, die nötig sind, um philosophische Themen zu verstehen. (Deshalb finden wir viele Beschreibungen, wie die großen Weisen des alten Indien sich praktisch nur von Milch, einem Becher pro Tag, ernährten.)

Der Mensch als Allesesser?
Die nächste Frage lautet: Aber ist der Mensch denn nicht von Natur aus ein Fleischesser oder zumindest ein Allesesser, wie von einigen Historikern und Anthropologen behauptet wird? Auch diese Frage ist:
NEIN.
Obwohl der Mensch zwar vieles essen kann (sich also theoretisch und praktisch sowohl von Tieren als auch von Pflanzen ernähren kann), heißt das noch lange nicht, daß ihm alles, was er ißt, auch wirklich bekommt und nützt. Im Gegenteil, die menschliche Anatomie spricht eindeutig für die Tatsache, daß
der Mensch von Natur aus zur fleischlosen Kost bestimmt ist
- vor allem in bezug auf Zähne, Kiefer und Verdauungssystem.
Wie es der bekannte schwedische Naturwissenschaftler Karl von Linne ausdrückt:
«Ein Vergleich der inneren wie auch der äußeren Struktur des Menschen mit der anderer Lebwesen zeigt deutlich, daß Früchte und saftiges Gemüse seine natürliche Nahrung darstellen.»
Dies wird anhand der folgenden Gegenüberstellung deutlich:
Fleischfresser Pflanzenfresser/Mensch
hat Krallen

scharfe, spitze Vorderzähne, um Fleisch zu reißen
hat keine Krallen

keine scharfen, spitzen Vorderzähne
keine Hautporen; kühlt den Körper durch Verdunstung über die Zunge Hautatmung durch Millionen von Poren
nur kleine Speicheldrüsen im Maul (da wenig Getreide und Früchte vorzuverdauen sind) gut ausgebildete Speicheldrüsen (notwendig, um Getreide und Früchte vorzuverdauen)
saurer Speichel; kern Ptyalin-Enzym zur Vorverdauung von Getreide alkalischer Speichel; viel Ptyalin, um Getreide vorzuverdauen
kleine abgeflachten Backenzähne zum Zermahlen der Nahrung abgeflachte Backenzähne, um pflanzliche Nahrung zu zermahlen
viel starke Salzsäure im Magen, um zähe Tiermuskeln, Knochen etc. zu verdauen 1O mal schwächere Magensäure als Fleischfresser
Verdauungstrakt nur 3mal so lang wie der Körper, damit das schnell verwesende Fleisch rasch aus dem Körper gelangt Verdauungstrakt 6mal so lang wie der Körper; Blätter und Getreide zersetzen sich nicht so schnell und können daher länger im Körper bleiben


Die American Dietetic Association stellt fest: «Der größte Teil der Menschheit hat während des größten Teils der Menschheitsgeschichte von vorwiegend oder rein vegetarischer Nahrung gelebt.» Und der größte Teil der Weltbevölkerung lebt noch heute so.
Auch der Basler Zoologe und Autor Dr. Carl Stemmler bestätigt, daß der Mensch eigentlich als Pflanzenesser geschaffen wurde (siehe Magma: «Sündiges Fleisch», Juni 1986). Fleisch und Fisch muß der Mensch durch Kochen, Würzen und Braten zubereiten (was kein natürlicher Fleischesser zu tun braucht), bevor er überhaupt nur daran denken kann, es zu essen. Daß der Mensch kein Fleischesser ist, leitet Carl Stemmler übrigens auch von den Menschenaffen ab, die er als erster in der Welt gezüchtet hat. Sie alle, wie z.B. Orang-Utans und Gorillas, sind in der Natur Vegetarier.

Fleisch ist einfach nicht die richtige Nahrung für den Menschen. Eskimos zum Beispiel, die praktisch nur von Fleisch und Fisch leben, altern sehr schnell, und nur wenige von ihnen werden älter als 30 oder 40 Jahre! Auch in Europa kommt es immer häufiger vor, daß Menschen kurz vor oder nach der Pensionierung an Krebs oder Herz- und Kreislaufstörungen (über 75% der Todesursachen) sterben. Falsche Ernährung und ein allgemein falscher Lebensstil sind die hauptsächliche Ursache.

Schlußfolgernd können wir festhalten: Vegetarier stehen den Fleischessern in gesundheitlichen Aspekten in nichts nach -- im Gegenteil, Fleisch bringt viele gesundheitliche Nachteile mit sich, mit denen der Vegetarier viel weniger oder überhaupt nicht zu kämpfen hat.
Und was natürliche Stärke und Ausdauer betrifft, so schnitten in allen Studien die Vegetarier besser ab. Viele Spitzensportler, die sich der vegetarischen Ernährungsweise zugewandt haben, ohne dadurch auch nur im geringsten in ihren Leistungen nachzulassen, könnten hier als Beispiel angeführt werden. Selbst im Tierreich findet man dieses Phänomen. Wer es nicht glaubt, soll einmal versuchen, die Arbeit eines Ochsen, Kamels oder Pferdes einem Löwen, Tiger oder Hund aufzubürden. Außerdem zählen zu den größten und stärksten Tieren der Welt reine Pflanzenfresser, wie etwa der Elefant, das Nashorn und der Gorilla.

Fleisch macht süchtig
Neben den Schwierigkeiten, die der Mensch mit dem Töten, Zubereiten und Verdauen von Tieren hat, gibt es noch andere Faktoren, die ebenfalls nicht unterschätzt werden dürfen. Zum Beispiel weist der bereits zitierte namhafte Ernährungswissenschaftler Dr. P. Airola auf die gefährliche Suchtwirkung von Fleisch hin: «Fleisch, vor allem rotes Fleisch, enthält viele Gifte, insbesondere eine große Menge Harnsäure, die eine ähnliche Wirkung hervorrufen wie die allgemein bekannten Suchtmittel Nikotin, Koffein usw., indem sie ein dauerndes Verlangen nach mehr schaffen. Wenn man aufhörte, Fleisch zu essen, würde man anfänglich Entzugserscheinungen und ein starkes Verlangen nach Fleisch verspüren, bis der Körper alle Gifte ausgeschieden hat. Dann erst wird das Verlangen verschwinden.»

Es gibt sogar einen direkten Zusammenhang zwischen dem Konsum von Fleisch und Alkohol, denn Alkohol vermag den schwierigen Verdauungsvorgang von Fleisch zu fördern und wird deshalb oft als hilfreicher Genuß empfunden (wer ißt schon Bockwurst ohne Bier?). Und das Rauchen gehört ebenfalls in diese Kategorie.
Bei Vegetariern dagegen sind dieses Süchte kaum zu finden, wie die Berliner Studie eindeutig feststellte.
Die Probleme, die der Alkohol- und Nikotinkonsum mit sich bringt, sind heute überall bekannt, obwohl es aufgrund des machtvollen Widerstandes von seilen der profitinteressierten Hersteller Jahrzehnte gedauert hat, bis ehrliche Wissenschaftler über die wahren Folgen dieser trügerischen «Genüsse» informieren durften.
Denselben Weg scheint nun auch das Fleisch zu nehmen: Die großen Fleischkonzerne wehren sich gegenwärtig zwar noch mit Händen und Füßen (und fadenscheinigen Argumenten), aber die Beweise für die gefährlichen gesundheitlichen Folgen des Fleischessens werden immer eindeutiger.

2. «Produktion» des Fleisches
Nachdem aus Kapitel l hervorgegangen ist, daß Fleischessen an sich für den Menschen nicht gesund ist, wird dieser Punkt noch klarer und eindeutiger, wenn wir darüber hinaus untersuchen, unter welchen Bedingungen das Fleisch heute «produziert» wird, das heißt, was die Tiere und das Fleisch durchmachen, bevor sie schön verpackt im Kühlschrank des nichtsahnenden Konsumenten landen.
Dieser Aspekt ist für viele Vegetarier einer der entscheidenden Gründe, warum sie kein Fleisch mehr essen, und dieser Aspekt ist es auch, den die eingefleischten Fleischesser am liebsten ganz verdrängen und vergessen würden. Heute herrscht bei vielen Menschen irgendwie die Meinung, Tiere würden «human» geschlachtet. Die anschließenden Beschreibungen des vorliegenden Kapitels jedoch sollen ein wenig Licht auf den wahren Sachverhalt werfen.

Gepanschtes Fleisch
Die Zeitschrift Natur veröffentlichte in ihrer Ausgabe 2/87 einen Artikel mit dem Titel «Tierische Geschäfte», in dem auf mutige Weise Zusammenhänge zwischen profitgierigen Pharmafirmen, skrupellosen Tiermästern und Schlachthöfen aufgedeckt werden.
Die Problematik der modernen Tierhaltung faßt dieser Artikel wie folgt zusammen:
«Der Handelskrieg wird über den Preis geführt. Das scheint zunächst im Sinne der Verbraucher zu sein. Doch in diesem Preiskrieg zu bestehen, ist nur bei massenhafter Serienproduktion möglich. Keine der Handelsketten kauft 50 Hähnchen beim Bauern ein -- sie brauchen 50.000 pro Lieferung. Die Produktion von tierischem Protein in den Massentierhaltungen hat sich darauf eingestellt.
Was der Verbraucher nun zwischen die Zähne bekommt, ist gewürzt mit Wachstumsförderern, Hormonen, Antibiotika und Beruhigungsmitteln. Im besten Falle erhält er billiges, nährstoffarmes, aufgeblasenes Fleisch -- im schlimmsten Falle ist es vergiftet... Was in den Massentierhaltungen und Schlachthöfen geschieht, wird mühelos verdrängt...
Ob dem Massenvertilger der Erzeugnisse aus der Massenproduktion das schnelle Fleisch der muskelkranken Masttiere noch schmecken würde, wenn er mitansehen müßte, unter welchen Umständen es entsteht? Der Tierkörper als Produktionsstätte tierischen Proteins für die menschliche Ernährung gleicht häufig eher einem chemischen Labor als einem natürlichen Lebewesen.»
Man erinnere sich in diesem Zusammenhang nur an den aufsehenerregenden «Hormon-Skandal» in Westfalen im August 1988. Damals schrieb das Magazin Der Spiegel (33/88) in seiner Titelgeschichte «Die Schweinerei mit dem Fleisch»:
«Ein Großmäster in Haft, 4200 Tiere getötet, Zehntausende Kälber von einem riesigen Polizeiaufgebot auf Höfen und in Ställen bewacht. Die bundesdeutsche Landwirtschaft erlebt den größten Hormon-Skandal ihrer Geschichte. Illegale Händlerringe und gewissenlose Veterinäre verdienen an der Tiermast als <Mafia im Fleischgeschäft>.»
Tiere werden heutzutage oft nicht mehr als Lebewesen betrachtet, sondern als Fleischmaschinen. Hierzu schreibt Die Weltwoche am 12.3.1987 in einem Artikel mit dem Titel «Bleich und weich, so rächt sich die Sau»: «Nicht nur der Konsument, auch das Schwein leidet an Zivilisationserkrankungen. Die Diagnose lautet auf Streß-Sau, weil sie in Rekordzeit ein mageres Fleischbündel werden muß. Die Natur rächt sich mit bleichem, weichem und wässerigem Fleisch, oder sie präsentiert die nicht minder unappetitliche Version dunkel, leimig und trocken.»
Der Artikel beschreibt weiter, wie dieses minderwertige Fleisch mit sogenannten Tumblern und Protein-Aktivatoren manipuliert wird. Die Herstellung dieser kostspieligen Fleischbehandlungsmaschinen ist heute ein sehr lukratives Geschäft geworden. Bei dieser Behandlung werden die Fleischstücke nach der Schlachtung in die Trommel der Maschine geworfen und mit einer Salzlake, vorwiegend aus dem übrigens nicht ungiftigen Nitritpökelsalz, übergössen. Während sich die Trommel dreht, arbeitet sich die Flüssigkeit ins Fleisch ein.

Der Zweck dieses sogenannten «Pökelns»: Das Nitrit führt über eine chemische Reaktionskette zur Umrötung des sonst noch unansehnlicheren Fleisches (ohne Pökelung würde sich z.B. ein Cervelat mausgrau präsentieren, denn sobald ein Tier geschlachtet wird, beginnt sich das Fleisch zu zersetzen und nimmt eine widerwärtige Färbung an). Doch Dr. Wiliam Lijinsky, ein namhafter amerikanischer Krebsforscher, warnt: «Ich würde nicht einmal meiner Katze nitrithaltige Nahrung vorsetzen.»
Denn Nitrit wandelt sich unter bestimmten chemischen Voraussetzungen in krebserregende Nitrosamine um, vor allem durch Erhitzung (Braten und Grillieren) «Immer noch wissen viele Leute nicht, daß gepökelte Fleischwaren [Schinken, Zunge, Fleischkäse, Wienerli, Schüblig, Salami, Bündnerfleisch usw.] nicht gebraten oder grilliert werden dürfen», klagt Die Weltwoche weiter.
Wenn dieses gepanschte Fleisch dann in der Pfanne brutzelt, stellen wachsame Hausfrauen bei ihren Plätzilis und Braten regelmäßig einen erstaunlichen Masseverlust fest. Der Weltwoche-Artikel führt als Beispiel den feingeschnittenen Frühstücksspeck an. Dieser Speck, so heißt es, «erweist sich als eigentliche Nitrosamin-Bombe, obschon beim Grillieren 90 Prozent der Krebserzeuger in die Küchenluft abdampfen. Eigentlich sollte man darum der Hausfrau empfehlen, beim Grillieren eine Gasmaske zu tragen>, kommentierte unlängst die NZZ. Bemühungen, Nitrit durch harmlosere Substanzen zu ersetzen, sind bisher fehlgeschlagen.»

Vollautomatische Tötungsmaschine
Das Leben eines gefangengehaltenen Schlachttieres ist von Anfang bis Ende unnatürlich -- angefangen mit der künstlichen Aufzucht, der Kastration und/oder den künstlichen Hormonbehandlungen, über die Verfütterung widernatürlicher Nahrung zu Mästungszwecken, bis hin zu den langen, schmerzvollen Transporten in extremer Angst und schließlich dem grausamen Ende in der Tötungsmaschine im Schlachthof.
Tierschlachtungen sind alles andere als «human». In Wahrheit machen die kommerziellen Schlachthäuser Höllenvisionen Konkurrenz.
Schreiende Tiere werden durch Hammerschläge, Elektroschocks oder Bolzenschußwaffen betäubt. Mit einem Haken werden sie dann an den Hinterbeinen in die Luft gezogen und auf vollautomatischen Fließbandanlagen durch Fabriken des Todes befördert. Die Kehle wird ihnen oft bei lebendigem Leibe aufgeschnitten und ihr Fleisch schon verarbeitet, während sie noch zu Tode bluten. Diese Methode spart Zeit und erhöht die Gewinne.
Genau wie für den Menschen ist aber auch für das Tier das Ermordetwerden eine Erfahrung von Schrecken und Panik. Der international engagierte Schweizer Tierschützer und Ökologe Franz Weber sagte kürzlich in einer Radiosendung: «Nehmen wir das Beispiel von Hamburg, wo Menschen Vergiftungen erlitten, als sie Thon aus der Büchse aßen. Warum? Der Thunfisch, wurde lebendig (!) zersägt, und die gefangenen Fische hatten eine solch unglaubliche Angst, daß sie ein Gift ausschieden, das in das Fleisch einging. Das war schon den alten Römern bekannt. Um ein bestimmtes Gift zu bekommen, haben sie Sklaven zu Tode gefoltert.
mit dem Speichel dieser Toten konnte man andere vergiften...
Die Todesangst geht also ins Gewebe ein und wird vom Menschen mitgegessen.»

Auf diese grausame Weise werden jährlich weltweit über 2 Milliarden (1989) Stalltiere und über 20 Milliarden Stück Geflügel getötet (1989).

Die Zahl der jährlich getöteten Fische geht in die Billionen. (In diesen Zahlen sind die vielen Millionen Opfer der Tierversuche und der Pelzindustrie nicht mitgerechnet.)(1989)

Und warum kann das alles ungehindert weitergehen, ungehinderter noch als die Tierversuche in den Chemielaboren? Die Weltwoche gibt in ihrem oben erwähnten Artikel offen zu: «Die schweizerische Wirtschaft kann sich kein einig Volk von Vegetariern leisten, weil sie schon genug an der Landwirtschaft zu tragen hat. Über 80 Kilo Fleisch verzehrt der statistische Durchschnittsschweizer pro Jahr, was aber eine magere Portion ist gemessen an der Menge, die der Markt anbietet.»
Wenn zu viele Menschen in Zukunft auf Fleisch verzichteten, würde also der Profit gewisser Leute leiden. Welcher Leute? Im bereits zitierten Artikel aus dem Magazin Natur lautet die Antwort: «Die Hormonisierung und Chemisierung der Tiere ist europaweit von den Politikern auf unbestimmte Zeit festgeschrieben -- zum Nutzen der Pharma-Chemie und zu Lasten des Verbrauchers.»

3. Weltwirtschaft
Fleisch ernährt wenige auf Kosten vieler. Für die Massenproduktion von Fleisch wird wertvolles Getreide, das den Menschen direkt ernähren könnte, an Zuchtvieh verfüttert.

Laut amtlicher Angaben des Landwirtschaftsministeriums der Vereinigten Staaten werden über 90 Prozent des in Amerika angebauten Getreides an Tiere verfüttert -- Kühe, Schweine, Lämmer und Geflügel --, welche dann allesamt im Kochtopf enden. In England beträgt der Anteil 85 Prozent. (Frances Moore-Lappe: Die Öko-Diät. Wie man mit wenig Fleisch gut ißt und die Natur schont, S. 21ff.)
Doch dieses Verfahren, Getreide in Fleisch umzuwandeln, ist über die Maßen verschwenderisch. Fleischproduktion ist, energetisch gesehen, die schlechteste Form der Bodenausnützung: Um ein Rind drei Jahre lang zu mästen, benötigen wir ca. 2 ha Land. Nach drei Jahren erhalten wir von diesem Tier ca. 300 kg eßbares Fleisch. Wenn man innerhalb dieser drei Jahre auf den 2 ha Land Gemüse, Getreide und Früchte angepflanzt hätte, könnte man insgesamt 8000-10.000 kg Nahrungsmittel bekommen, also etwa 30 mal mehr! Hinzu kommt, daß die Produktion von vegetarischen Nahrungsmitteln rationeller ist: Man muß z.B. einem Tier 7 Teile pflanzlicher Proteine verfüttern, damit es uns l Teil Protein in Form von fleischlichem Nährstoff abgibt.
Die Notwendigkeit, die verschwenderische Umwandlung von Pflanzennahrung in tierische Produkte zu beenden, wird von führenden Landwirtschaftsexperten betont. So sagte beispielsweise A.H.Boerma, der Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO): «Um die Ernährung der Bedürftigsten real zu verbessern, muß unser Ziel ein verstärkter Konsum von pflanzlichem Eiweiß sein.»

Auf Kosten der Dritten Welt
Wohlstandsländer verschwenden nicht nur ihr eigenes Getreide, indem sie es an ihr Schlachtvieh verfüttern, sondern verwenden für diesen Zweck auch proteinreiche Nährpflanzen aus den Ländern der Dritten Welt. Es wird geschätzt, daß rund ein Drittel der afrikanischen Erdnußernte als Rinder- und Geflügelfutter in Westeuropa verwendet wird.

In Entwicklungsländern liegt der Pro-Kopf-Verbrauch an Getreide bei 180 kg im Jahr, wovon der größte Teil direkt als Getreide verzehrt wird. Demgegenüber kommt der durchschnittliche Europäer oder Amerikaner, so Welternährungsexperte Lester Brown, auf einen Verbrauch von mehr als 900 kg im Jahr, da nahezu 90 Prozent der Ernte als Futtermittel für die Fleischproduktion abgezweigt werden. Der durchschnittliche europäische oder amerikanische Fleischesser konsumiert also fünfmal mehr Nahrungsmittel als der durchschnittliche Kolumbianer, Inder oder Nigerianer, (zitiert in Sussman: The Vegetariern Alternative, 1978, S.234)
Harvard-Ernährungswissenschaftler Dr. Jean Mayer schätzt, daß eine Senkung der Fleischproduktion um nur 10 Prozent genug Getreide freisetzen könnte, um 60 Millionen Menschen zu ernähren, (zitiert vom U.S. Senate Select Committee im Traktat Nutrition and Human Needs, Februar 1977, S.44)
Tatsachen wie diese haben Nahrungsmittelexperten dazu veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß das Welthungerproblem im Grunde illusorisch ist. Wir produzieren bereits jetzt mehr als genug Nahrungsmittel für alle Menschen auf unserem Planeten, doch wir verteilen sie unwirtschaftlich, indem wir sie dem Schlachtvieh der Massentierhaltungen verfüttern (oder tonnenweise ins Meer schütten, um den Preis stabil zu halten).

Zumindest die Erkenntnis dieser grundlegenden Tatsache sollte man vom «modernen» Menschen erwarten dürfen -- war sie doch schon den alten Griechen bekannt.
In Platons Buch «Der Staat» spricht der große Philosoph Sokrates darüber, wie ein Staat seine wirtschaftliche Grundlage gesunderhalten kann, und ein wichtiges Prinzip in diesem Zusammenhang ist laut Sokrates die allgemeine vegetarische Ernährung. Er warnt, daß mehr Weideland benötigt werde, sobald die Menschen begännen, Tiere zu essen: «Und das Land, das ursprünglich groß genug war, um all seine Bewohner zu versorgen, wird auf einmal zu klein sein, und so werden wir in den Krieg ziehen müssen, oder?» -- «Ja, höchstwahrscheinlich», antwortete sein Schüler.


Umweltverschmutzung
Ein weiterer Preis, den wir fürs Fleischessen bezahlen müssen, ist die intensive Umweltverschmutzung.

Die stark verunreinigten Abwässer von Mastbetrieben und Schlachthöfen tragen in hohem Maße zur Verschmutzung der Bäche, Seen, Flüsse und Meere bei.

Es ist bereits heute ersichtlich, daß die Frischwasservorräte unseres Planeten nicht nur immer stärker verschmutzt werden, sondern auch rapide zur Neige gehen, und daran ist in besonderem Maße die Fleischindustrie beteiligt.

Die berüchtigten Algenteppiche an der Adria- und Nordseeküste sind nur eine der sichtbaren (und spürbaren) Folgen. Verantwortlich für diese Algenschwemme sind in erster Linie Phosphate und Nirtrate. Allein in die Nordsee werden jährlich etwa 100.000 Tonnen Phosphate und 1.000.000 Tonnen Nitrate über die Flüsse in die Meere geschwemmt. Diese Salze stammen nicht nur aus der Industrie und den kommunalen Abwassern, sondern zu einem hohen Prozentsatz aus der Viehwirtschaft -- den Schweinemästereien, den Hühnerbatterien und anderen Massentier-betrieben, deren Abfallprodukte (Jauche) zwar auch die Felder (über)düngen, vor allem aber das Grundwasser und die Meere verseuchen.

Ein Beispiel:
Zum Anbau von einem Kilogramm Weizen werden nur rund 60 Liter Wasser benötigt, wohingegen die Produktion von einem Kilogramm Fleisch zwischen 2500 und 6000 Liter Wasser erfordert.
Im Jahre 1973 wurde aufgedeckt, wie ein gigantischer Hühnerfarm-Schlachtbetrieb in den USA täglich 455 Millionen Liter Wasser verbrauchte -- eine Menge, mit der man eine Stadt mit 25.000 Einwohnern versorgen könnte! («Food Price Rises», Washington Post, 27.7.1973)

Und im Falle der italienischen Adria ist inzwischen bereits erwiesen, daß die Schweinemästereien in der Po-Ebene an dieser Verschmutzung des Mittelmeeres die Hauptschuld tragen.

Die massenweise produzierten tierischen Exkremente haben darüber hinaus noch eine weitere Nebenwirkung: sauren Regen. Die holländische Regierung, die diese Zusammenhänge erforschte, kam zu dem Ergebnis, daß die Ammoniak-Emissionen der Güllebehälter von Massentierhaltungen zu saurem Regen führen und damit zu einem Drittel für das Waldsterben verantwortlich sind.

Der Ökologe Dr. Georg Borgström errechnete, daß durch die Fleischproduktion zehnmal mehr Verschmutzungen verursacht werden als durch Privathaushalte und dreimal mehr als durch die Industrie.

Doch nicht nur die Umwelt der Industrienationen ist beängstigend gefährdet.
Der tropische Regenwald -- Hauptgrundlage der Sauerstoffproduktion unseres Planeten -- bedeckte noch im Jahre 1945 die Erde mit einer Ausdehnung von 16 Millionen Quadratkilometern. Grüne Pflanzen sind in der Lage, durch die Photosynthese (Kohlensäureassimilation) Sauerstoff zu erzeugen, und die riesigen Urwälder des Amazonas, Zentralafrikas und Hinterindiens werden aufgrund dieser Fähigkeit auch als die «grüne Lunge» der Erde bezeichnet, ein Ausdruck, der die Wichtigkeit dieser Regenwälder für den «Erdkörper» illustriert.
In den letzten Jahrzehnten jedoch ist diese grüne Lunge auf weniger als die Hälfte zusammengeschrumpft.
Schuld daran ist die extensive Viehwirtschaft, hauptsächlich der amerikanischen Fleischkonzerne.
Die Regenwälderwerden von gigantischen Rodungsmaschinen abgeholzt -- bis zu vier Hektar pro Stunde --, und schon nach wenigen Jahren land- und viehwirtschaftlicher Nutzung hat die Bodenerosion die dünne Humusschicht vollständig abgetragen. Wo vorher die üppige tropische Vegetation vielen Tier- und Pflanzenarten ideale Lebensbedingungen bot, entsteht dann unwiederruflich eine karge Steppenlandschaft.

Die erfinderische Technik hat in jüngster Zeit sogar eine noch rationellere Methode hervorgebracht: die Brandrodung, bei der täglich hunderte von Quadratkilometern Waldes einfach angezündet werden. Die Urwaldbevölkerung wird so aus ihrer natürlichen Umgebung herausgerissen und evakuiert. Wer nicht rechtzeitig flüchtet, brennt mit -- das Schicksal eines Großteils der artenreichen Tierwelt des tropischen Regenwaldes. In Brasilien verschwinden auf diese Art und Weise nach neuesten Schätzungen jährlich Regenwälder mit einer Grundfläche von ca. 250.000 Quadratkilometern, eine Fläche so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, mehr als fünfmal so groß wie die Schweiz und etwa dreimal so groß wie Österreich.
Für einen einzigen Hamburger (!) müssen bis zu fünf Quadratmeter tropischen Regenwaldes in Weide- oder Ackerland umgewandelt werden.
Das dort in riesigen Monokulturen angebaute Getreide ernährt dann indes nicht etwa die hungernden Menschen der Dritten Welt, sondern die Schlachttiere der überfetteten Industrienationen. (Der weltweit größte Hamburgerkonzern eröffnet alle 17 Stunden irgendwo eine neue Filiale und verkauft in jeder Sekunde 140 Hamburger!)

Damit aber nicht genug. Die weitreichenden Schädigungen durch die Fleischindustrie hinterlassen nicht «nur» eine unwiederbringlich zerstörte Umwelt und die gefährdete Sauerstoffversorgung des gesamten Erdplaneten -- auch die langfristigen, jetzt noch nicht vollständig abschätzbaren großklimatischen Veränderungen bergen katastrophale Gefahren in sich. Und zwar auch für die Industrienationen.
Durch eine vernünftige, vegetarische Ernährung könnten also viele Probleme, die die heutige Welt belasten, auf einmal gelöst werden. In Anbetracht all dieser Gründe ist es sehr schwer zu verstehen, wie es sich jemand trotz allem noch leisten kann, nicht Vegetarier zu sein.

«Warum ich Vegetarier geworden bin? Aus vielen Gründen: einmal war ich krank, und die neue Diät hat mich geheilt. Daher behalte ich sie. Zweitens: Die weltweite Getreideernte ist rund 2 Milliarden Tonnen pro Jahr. Über 500.000 Tonnen werden dem Vieh der reichen Nationen verfüttert -- während in den 122 Ländern der Dritten Welt (wo 3,8 der 5 Milliarden Menschen unseres Planeten wohnen) pro Tag nach UNO-Statistik 43.000 Kinder am Hunger sterben. Diesen fürchterlichen Massenmord will ich nicht mehr mitmachen: kein Fleisch zu essen ist ein minimaler Anfang.» -- Prof. Jean Ziegler, Schweizer Nationalrat, Autor und Dritt-Welt-Experte

4. Ethische und moralische Gründe
«Auch wenn wir gar nicht hoffen könnten, daß jemals alle Menschen zur vegetarischen Lebensweise übergehen werden, hätte niemand deswegen das Recht, Fleisch zu essen. Ein Unrecht bleibt auch dann ein Unrecht, wenn alle es verüben.»
-- Magnus Schwantje (1877-1959), der erste große Vorkämpfer für Vegetarismus und Tierschutz im deutschen Sprachraum, der im Jahre 1902 den Begriff "Ehrfurcht vor dem Leben" prägte.

Das Wort «Vegetarier», das im Jahre 1842 von den Gründern der Britischen Vegetarischen Gesellschaft geprägt wurde, hat seine Wurzel im lateinischen Wort vegetus, das «unversehrt, gesund, frisch» oder «kräftig» bedeutet (wie z.B. im Ausdruck Homo vegetus, «ein geistig und körperlich gesunder Mensch»). Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes beinhaltet also eine philosophisch und moralisch ausgeglichene Lebenseinstellung, weitaus mehr als nur die Ernährung von Gemüse und Früchten.

Die meisten Vegetarier sind Menschen, die verstanden haben, daß wir, um zu einer friedlicheren Gesellschaft beitragen zu können, zunächst das Problem der Gewalt in uns selbst lösen müssen.

Sie sind sich bewußt geworden, daß Fleischessen eine Gewaltanwendung gegen andere Lebewesen mit sich bringt, die unverantwortbar ist. Viele Menschen würden zweifellos sogleich zu Vegetariern werden, wenn sie einmal ein Schlachthaus besuchten oder wenn sie die Tiere, die sie essen, selbst töten müßten. Dies sollte eigentlich für jeden Fleischesser obligatorisch sein.

«Mir schmeckt's trotzdem»
Aus den bisherigen Betrachtungen haben wir gesehen, daß das Essen von Fleisch für den Menschen weder notwendig noch gesund, noch wirtschaftlich vertretbar ist. Keiner der in diesen Bereichen angeführten Gründe für den Fleischkonsum hat sich als stichhaltig erwiesen. Fleisch macht krank, abgestumpft, ängstlich und aggressiv, und für unser Steak verhungern Millionen von Menschen. Es bleibt also nur noch das subjektive Argument, das bewußt jegliche gesundheitlichen und ökonomischen Überlegungen über Bord wirft und somit jeglicher Vernunft entbehrt: «Wie dem auch sei, mir schmeckt's trotzdem.»
Woher aber nehmen wir uns das Recht, andere Lebewesen grausam auszubeuten, willentlich zu quälen und ihnen ein schreckerfülltes Ende zu bereiten -- nur mit der Begründung, daß es uns «schmeckt» und daß wir es gerne tun? Könnte man, wenn es so einfach wäre, mit dieser billigen Begründung nicht auch sämtliche anderen Gewaltverbrechen rechtfertigen? Würde aber irgendein Gericht der Welt eine solche Erklärung für einen Mord, eine Vergewaltigung oder eine Folter gutheißen?
Die Frage der Ethik griff auch die Schweizer Illustrierte in ihrer Ausgabe vom 8.6.1987 auf, indem sie den deutschen Erfolgsautor Volker Elis Pilgrim zitierte: <«Das zurechtgemachte Kotelett liegt im Regal wie eine Schachtel, ein Teller oder ein Hosenknopf. Ist es aber nicht. Gestern noch gehörte es zu einem atmenden, fühlenden, pulsierenden Ganzen. Will ich es töten, um so an mein Kotelett zu kommen? Nein, ich will nicht.> Nun -- würden wir alle ernsthaft vor diese Frage gestellt, gäbe es in der Schweiz vermutlich nur noch Vegetarier. Und wir stünden damit in guter Gesellschaft mit Dichtern und Denkern aller Zeiten, die das Töten von Tieren seit jeher für des menschlichen Geistes unwürdig hielten.»

Und solche Persönlichkeiten gibt es viele. Zu den bekanntesten ethisch motivierten Vegetariern gehören Pythagoras, Sokrates, Platon, Ovid, Epikur, Seneca, Plutarch, Buddha, Franz von Assisi, Leonardo da Vinci, Isaak Newton, Voltaire, Jean-Jacques Rousseau, Emanuel Swedenborg, Leo Tolstoi, Wilhelm Busch, Thomas A. Edison, Ralph Waldo Emerson, Henry D. Thoreau, George Bernard Shaw, Rainer Maria Rilke, Franz Kafka, Albert Einstein, Albert Schweitzer, Mahatma Gandhi u.v.a.

Schon immer hat es große Kulturen und Persönlichkeiten gegeben, die den Tieren den Respekt, der ihnen gebührt, zukommen ließen. Während in unseren Breitengraden noch primitivste Lebensumstände herrschten, gab es in Indien bereits blühende Hochkulturen, wie uns die altüberlieferten Sanskritschriften jener Zeiten informieren. Vor allem die Bhagavad-gltä, die wichtigste dieser Schriften, erlangte im Laufe der Jahrhunderte auch im Westen Berühmtheit, und in ihr wird beschrieben, daß Ackerbau, Handel und der lebenslange Schutz der Kühe die wichtigsten wirtschaftlichen Pflichten einer Gesellschaft sind. Außerdem wird eine strikt vegetarische Ernährung empfohlen. (Weitere Details über die Lehren der Bhagavad-gltä werden im Nachwort angeführt.)
Auch in der ältesten europäischen Kultur, im antiken Griechenland, war der Vegetarismus ein hochgehaltenes Ideal. Das Zitat aus Platons Buch «Der Staat» hat dies bereits illustriert. Schon Pythagoras (ca. 500 v.Chr.) sagte: «Wer mit dem Messer des Rindes Kehle durchtrennt und beim Brüllen der Angst taub bleibt, wer kaltblütig das schreiende Böcklein abzuschlachten vermag und den Vogel verspeist, dem er selber das Futter gereicht -- wie weit ist ein solcher noch vom Verbrechen entfernt?» Und Aristoteles führte den Gedanken weiter: «Wie der Mensch in seiner Vollendung das edelste aller Geschöpfe ist, so ist er, losgerissen von Gesetz und Recht, das schlimmste von allen.»
Genau wie bei den alten Griechen waren auch bei den Römern viele große Philosophen Vegetarier. Plutarch (45-120 n.Chr.) schreibt in seiner Abhandlung «Über das Fleischessen»:
«Könnt ihr wirklich die Frage stellen, aus welchem Grunde sich Pythagoras des Fleischessens enthielt? Ich für meinen Teil frage mich, unter welchen Umständen und in welchem Geisteszustand es ein Mensch das erstemal über sich brachte, mit seinem Mund Blut zu berühren, seine Lippen zum Fleisch eines Kadavers zu führen und seinen Tisch mit toten, verwesenden Körpern zu zieren, und es sich dann erlaubt hat, die Teile, die kurz zuvor noch gebrüllt und geschrien, sich bewegt und gelebt haben, Nahrung zu nennen... Es handelt sich gewiß nicht um Löwen und Wölfe, die wir zum Selbstschutz essen -- im Gegenteil, diesen Tieren schenken wir gar keine Beachtung; vielmehr schlachten wir harmlose, zahme Geschöpfe ohne Stacheln und Zähne, die uns ohnehin nichts anhaben könnten. Um des Fleisches willen rauben wir ihnen die Sonne, das Licht und die Lebensdauer, die ihnen von Geburt an zustehen.»
Dann fordert Plutarch die Fleischesser offen heraus: «Wenn ihr nun behaupten wollt, daß die Natur solche Nahrung für euch vorgesehen hätte, dann tötet selbst, was ihr zu essen gedenkt -- jedoch mit euren naturgegebenen Mitteln, nicht mit Hilfe eines Schlachtmessers, einer Keule oder eines Beils.»

Zitate berühmter Vegetarier
So hat es durch alle Zeiten hindurch Stimmen gegeben, die eindringlich auf die Notwendigkeit des Verzichts auf Fleisch hinwiesen. Die folgenden ausgewählten Zitate sprechen für sich:

Leonardo da Vinci (1452-1519, italienisches Universalgenie):
«Wahrlich ist der Mensch der König aller Tiere, denn seine Grausamkeit übertrifft die ihrige. Wir leben vom Tode anderer. Wir sind wandelnde Grabstätten!» «Ich habe schon in jüngsten Jahren dem Essen von Fleisch abgeschworen, und die Zeit wird kommen, da die Menschen wie ich die Tiermörder mit gleichen Augen betrachten werden wie jetzt die Menschenmörder.»

Henry David Thoreau (1817-1862, amerikanischer Philosoph):
«Ich hege keinen Zweifel darüber, daß es ein Teil des Schicksals des Menschengeschlechts ist, im Verlaufe seiner allmählichen Entwicklung das Essen von Tieren hinter sich zu lassen, genauso wie die wilden Naturvölker aufgehört haben, sich gegenseitig aufzuessen, nachdem sie in Kontakt mit zivilisierteren gekommen waren.»

Ralph Waldo Emerson (1803-1882, amerikanischer Schriftsteller und Politiker): «Sie haben soeben zu Mittag gegessen; und wie sorgfältig auch immer das Schlachthaus in einer takvollen Entfernung von einigen oder vielen Kilometern verborgen sein mag -- Sie sind mitschuldig.»
Wilhelm Busch (1832-1908, deutscher Dichter und Zeichner):
«Wahre menschliche Kultur gibt es erst, wenn nicht nur die Menschenfresserei, sondern jeder Fleischgenuß als Kannibalismus gilt.»

Leo Tolstoi (1828-1910, russischer Schriftsteller):
«Wenn der Mensch ernstlich und aufrichtig den moralischen Weg sucht, so ist das erste, wovon er sich abwenden muß, die Fleischnahrung; denn abgesehen von der Aufregung der Leidenschaften, die durch diese Nahrung verursacht wird, ist dieselbe ganz einfach unsittlich, weil sie eine dem sittlichen Gefühl widersprechende Tat, das Morden, erfordert.»

«Vegetarismus gilt als Kriterium, an welchem wir erkennen können, ob das Streben des Menschen nach moralischer Vollkommenheit echt und ernstgemeint ist.»
Franz Kafka (1883-1924, österreichisch-tschechischer Dichter):
«Nun kann ich euch in Frieden betrachten; ich esse euch nicht mehr.» (beim Betrachten einiger Fische in einem Aquarium)

Mahatma Gandhi (1869-1948, Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung): «Ich glaube, daß spiritueller Fortschritt an einem gewissen Punkt von uns verlangt, daß wir aufhören, unsere Mitlebewesen zur Befriedigung unserer körperlichen Verlangen zu töten.»
«Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt.»

Albert Einstein (1879-1955, deutsch-amerikanischer Physiker):
«Rein durch ihre physische Wirkung auf das menschliche Temperament würde die vegetarische Lebensweise das Schicksal der Menschheit äußerst positiv beeinflussen können.»

Isaac Bashevis Singer (*1904; Literaturnobelpreisträger 1978):
«Wir sind alle Gottes Geschöpfe -- daß wir um Gottes Gnade und Gerechtigkeit beten, während wir weiterfahren, das Fleisch der Tiere zu essen, die um unseretwillen geschlachtet wurden, ist unvereinbar.»
«Ich würde fortfahren, vegetarisch zu leben, selbst wenn die ganze Welt begänne, Fleisch zu essen. Dies ist mein Protest gegen den Zustand der Welt. Atomkraft, Hungersnöte, Grausamkeit -- wir müssen Schritte dagegen unternehmen. Vegetarismus ist mein Schritt. Und ich glaube, es ist ein sehr wichtiger.»

5. Religion
Barmherzigkeit und Mitgefühl gegenüber Schwächeren sind zwei grundlegende Werte, die seit jeher von sämtlichen Religionen der Welt hoch geachtet werden. Aber warum werden sie heute nicht mehr auf die Tiere bezogen, warum fordert heute keine der großen Religionen von ihren Mitgliedern Verzicht auf Fleisch?
Wäre es nicht intelligenter anzunehmen, daß Gott, der nur das Beste für Seine Schöpfung will, den Menschen die gewaltlose, gesunde vegetarische Nahrung empfiehlt -- vor allem, wenn man sich über die Probleme des Fleischessens bewußt ist? Aber dieses grundlegende und selbstverständliche religiöse Prinzip der vegetarischen Lebensweise wird von den Weltreligionen heutzutage völlig verkannt, ja oft sogar bewußt heruntergespielt oder geleugnet.
«Die Grausamkeit gegen die Tiere und auch schon die Teilnahmslosigkeit gegenüber ihren Leiden ist meiner Ansicht nach eine der schwersten Sünden des Menschengeschlechts. Sie ist die Grundlage der menschlichen Verderbtheit. Wenn der Mensch so viel Leiden schafft, welches Recht hat er dann, sich zu beklagen, wenn auch er selber leidet?», fragt der französische Dichter Romain Rolland (1866-1944).
Von den heutigen Religionen jedoch wird diese Sünde weder als solche angesehen noch als solche bekämpft. Wenn wir aber die ursprünglichen Lehren der einzelnen Religionen betrachten, sehen wir, daß das Schlachten von Tieren nirgendwo gutgeheissen wird, ja daß es sogar -- vor allem in den östlichen Religionen -- direkt verboten ist.

Christentum
Aus der christlichen Frühgeschichte geht hervor, daß die ersten Christen und alle großen Kirchenväter in der direkten Nachfolge Jesu strikte Vegetarier waren. Beispiele sind Tertullian (160-220), Clemens von Alexandrien (150-215), Origines (184-254), Eusebius (264-349), der hl. Antonius (250-356), der hl. Hieronimus (347-420) und der hl. Johannes Chrysostomos (344-407), um nur die wichtigsten zu nennen. Die Tatsache, daß sie alle überzeugte Vegetarier waren und in der Vertretung Jesu das Fleischessen vehement verurteilten, weist eindeutig auf das hin, was wir in der Bibel noch hätten lesen können, wäre sie nicht an den verschiedenen kirchlichen Konzilien «überarbeitet» worden.

Wie das Fleischessen in die Bibel kam
Bis ins 4. Jahrhundert weisen die frühchristlichen Schriften aus Palästina, Byzanz, Griechenland und Alexandrien (Ägypten) darauf hin, daß Fleischessen nirgendwo offiziell erlaubt war. Jesus wird in all diesen Schriften als strikter Vegetarier beschrieben, der weder Fleisch noch Fisch aß und keinen Wein oder andere alkoholische Getränke zu sich nahm.
Viele dieser urchristlichen Schriften wurden jedoch vom «westlichen» Christentum, dem neuen Zweig mit Rom als Zentrum, ignoriert oder abgelehnt, möglicherweise aus Unfähigkeit, den darin enthaltenen Lehren zu folgen, oder auch aus rein politischen Interessen.

Die römischen Kirchenführer waren damals völlig von der Unterstützung Konstantins (280-337), des römischen Kaisers, abhängig, und deshalb waren sie bereit, viele Kompromisse einzugehen, nur um die Gunst Konstantins zu erlangen, der notabene ein überzeugter-Fleischesser und Trinker war.
Kaiser Konstantin beabsichtigte, die Christenverfolgungen, wie sie von seinen Vorgängern betrieben worden waren, nicht mehr in demselben Maße weiterzuführen, denn die Christen hatten dank ihrer heldenhaften Märtyrertode viel an Einfluß und Sympathie gewonnen, und Kritik an Rom war laut geworden. Konstantin wollte die bis anhin verfolgte Religion zur einigenden Kraft im Reich machen - jedoch nur mit einigen Änderungen. Er entschied, daß die römische Form des Christentums die Religion für alle Bürger sein solle, und diesen Beschluß setzte er in der Folge unter Gewaltanwendung durch.

Im Jahre 325 wurde das Konzil von Nicäa einberufen, bei dem die römischen Kirchenführer gewisse Gelehrte -- sogenannte correctores -- beauftragten, die zahlreichen frühchristlichen Dokumente über das Leben und die Lehren Jesu zu «sortieren» und zu «korrigieren», um die neue römische Version biblisch festzuhalten.

Reverend G.J. Ousley kommentiert diese vorsätzliche Änderung der Lehren Jesu in seinem Buch Gospel ofthe Hofy Twelve («Evangelium der Heiligen Zwölf») wie folgt: «Alles, was diese correctores taten, war, daß sie mit peinlicher Sorgfalt die Evangelien um ganz bestimmte Lehren unseres Herrn beschnitten, denen sie (bzw. Konstantin) nicht zu folgen gedachten. Und zwar handelt es sich hierbei um jene Verbote, die sich gegen das Fleischessen, berauschende Getränke usw. richteten.»

Die ursprünglichen Christen, die weiterhin strikt nach Jesu Geboten der Einfachheit und Enthaltsamkeit lebten -- somit auch auf Fleisch und Alkohol verzichteten --, die also nicht die verwässerte, machtgierige Form des neuen Christentums annehmen wollten, mußten sich vor ihren römischen «Glaubensbrüdern» verstecken, denn Konstantin duldete weder Ungehorsam noch Kritik. Es wird berichtet, daß er gefangene «abtrünnige» Christen hinrichtete, indem er ihnen flüssig heißes Blei in die Kehle gießen ließ.

Unter diesen zweifelhaften Voraussetzungen breitete sich die neue Form des Christentums immer mehr aus.

Nicht nur die Menschen hatten unter diesen gewaltsamen Abänderungen der Gesetze Gottes zu leiden, sondern auch die Tiere, die fortan überall ungehindert geschlachtet werden durften.

Im Namen Jesu?
Im Mittelalter verkündete Thomas von Aquin (1225-1274), das Töten der Tiere sei durch die Vorsehung erlaubt, denn Tiere hätten keine Seele. (Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß er auch sagte, Frauen hätten keine Seele.) Eine Einzelmeinung aus dem dunklen Mittelalter? Nein, leider nicht. Später hieß es auch, die Indianer hätten keine Seele und die Neger hätten keine Seele, weshalb es den Christen erlaubt war, Indianer zu töten und Neger zu versklaven und mit ihnen genauso wie mit den Tieren Handel zu treiben, sie zu schinden und sie nötigenfalls auch zu töten. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit werden in christlichen Ländern bis zum heutigen Tag Tiere gequält, getötet und gegessen.

Bischof Machens von Hildesheim erklärte in seinem «Fastenbrief» vom 8.3.1949: «Tiere haben keine geistige Seele und kennen kein Fortleben nach dem Tode. Darum haben sie aber auch keinerlei Würde, auf die sie Rechte bauen könnten. Und in der Tat, Tiere haben keine Rechte. Sie haben keinen Anspruch auf Dasein und Gesundheit, auf Eigentum und guten Ruf.»

In einem Gespräch mit dem namhaften Theologen Dr. Heinrich Streithofen stellte die Zeitschrift Deutsche Geflügelwirtschaft und Schweineproduktion vom 26.10.1985 die Frage: «Einige Tierschützer behaupten, die Tiere hätten analog unseren menschlichen Grundrechten auch ein Grundrecht auf Leben. Was halten Sie davon?» Der Theologe antwortete: «Das ist Unsinn! Das ist weder rechtlich noch theologisch, noch philosophisch haltbar... Nur der Mensch ist Person... Dem Tier fehlt Personencharakter... In der Hinordnung des Tieres auf den Nutzen des Menschen läßt sich nicht nur seine Verwendung, sondern auch seine Tötung rechtfertigen oder seine Zucht.»

Und selbst Papst Johannes Paul II. erklärte im Jahre 1985 in einer Rede vor Biologen: «Es ist gewiß, daß Tiere zum Nutzen des Menschen geschaffen wurden; das heißt, daß sie auch für Experimente benutzt werden können.» (zitiert in Freizeit Revue, 4.12.1985 und Der Vegetarier 3/86)

Es ist also nicht verwunderlich, daß es schon seit jeher Stimmen gegeben hat (die heute immer lauter werden), die von einem «Verrat der Kirchen an den Tieren» sprechen.

«Was erwarten wir von einer Religion, wenn wir das Mitleid mit den Tieren ausschließen?», fragt sich mit Recht Richard Wagner (1813-1883), der Komponist und Vegetarier, bereits vor hundert Jahren.

Was lehrten Jesus und die ursprünglichen Christen in bezug auf das Fleischessen tatsächlich?
Wenn man verschiedene Stellen der Bibel betrachtet, scheint es oberflächlich gesehen, als werde das Essen von Fleisch gebilligt, aber bei einer näheren Betrachtung erkennt man sogleich, daß der vegetarischen Ernährung eindeutig der Vorzug gegeben wird.
Im 1. Buch Mose (Gen. 9.3) findet man zum Beispiel eine Erlaubnis zum Fleischessen, aber diese bezog sich auf die Zeit nach der Sintflut, als sämtliche Vegetation fortgespült war. Anstatt sich auf diesen Notbehelf zu berufen, täte man besser daran, sich an die ursprüngliche Anweisung Gottes zu halten, die man in jeder Bibel auf der ersten Seite finden kann: «Dann sprach Gott: Hiermit übergebe Ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen.» (Gen. 1.29)
Im übernächsten Vers bestätigt Gott, daß diese Art der Ernährung «gut» ist, wohingegen die andere, die Er später erwähnt (diejenige mit Fleisch), nur erlaubt war zur Befriedigung der verdorbenen Lust des Menschen -- eine Ernährungsweise, die «Furcht und Schrecken auf alle Tiere der Erde, auf alle Vögel des Himmels... und auf alle Fische des Meeres» legen würde. (Gen. 9.2)
Das vielzitierte Beispiel mit den Wachteln im Vierten Buch Mose macht diesen Punkt noch klarer. Nachdem das Volk Israel auf seiner Wüstenwanderung des Manna, des Himmelsbrotes, überdrüssig geworden war, geschah es, daß Gott Wachteln vom Himmel her regnen ließ, worauf das Volk diese gierig einsammelte und in einem großen Festmahl verzehrte (beschrieben in Num. 11.31-32).
Um jedoch der ganzen Geschichte gerecht zu werden, muß man den darauffolgenden Vers ebenfalls berücksichtigen: «Sie hatten aber das Fleisch noch zwischen den Zähnen, es war noch nicht gegessen, da entbrannte der Zorn des Herrn über das Volk, und der Herr schlug das Volk mit einer bösen Plage.» (Num. 11.33) Mit anderen Worten: Gott gefiel es überhaupt nicht, daß die Menschen das Fleisch der Wachteln aßen.

Johannes der Täufer
Große Gottgeweihte lehnen es ab, das Fleisch getöteter Tiere zu sich zu nehmen. Man erweist sich selbst und diesen großen Persönlichkeiten einen schlechten Dienst, wenn man versucht, ihnen zu unterstellen, sie hätten Fleisch gegessen. Aber leider wurde derlei seit dem 4. Jahrhundert versucht, nicht nur mit Jesus und seinen Aposteln, sondern auch mit seinem wichtigsten Vorboten, dem hl. Johannes dem Täufer: «Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaar und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung», kann man in Mt. 3.4 nachlesen.
Hier sehen wir ein klassisches Beispiel für eine Fehlübersetzung. Wer kann glauben, daß der erhabene Johannes der Täufer, von dem sich sogar Jesus taufen ließ, Heuschrecken aß? Mit den «Heuschrecken» (lat. locusta) sind die Früchte des Lokustbaumes (sogenannter «Heuschreckenbaum» oder Courbaril) gemeint. In Palästina gehören die Früchte des Lokust- und des Karobbaumes zu den wichtigsten Nahrungsmitteln, und gerade weil sich auch Johannes der Täufer davon ernährte, nennt man diese süßen bohnenartigen Früchte bis zum heutigen Tag «Johannis-brot»(!). Und überall, wo diese Bäume wachsen, gibt es auch wilden Honig.
Darin besteht die Nahrung großer heiliger Persönlichkeiten, wie dies bereits im Alten Testament vorausgesagt wird («Butter und Honig wird er essen...» Jes. 7.15).
Dennoch halten viele Christen unter Berufung auf die Bibel an dem Glauben fest, Jesus habe selbst Fleisch gegessen.
Ein eingehendes Studium der griechischen Originalmanuskripte zeigt indes, daß es sich bei diesen Stellen ausnahmslos um Übersetzungsfehler handelt. In den vier Evangelien finden sich insgesamt neunzehn Textstellen, die im Englischen mit meat («Fleisch») übersetzt wurden und somit den fleischessenden Christen als Rechtfertigung ihres Tuns dienen.
Die genaue Analyse der einzelnen Wörter ergibt, daß keines von ihnen in der ursprünglichen griechischen Version die ausschließliche Bedeutung von «Fleisch» hat.
Es werden Wörter wie trophe, broma, brosis oderphago benutzt, die ganz einfach «Nahrung» oder «Speise» im weitesten Sinne bedeuten. Der griechische Ausdruck für «Fleisch» lautet kreas und wird niemals im Zusammenhang mit Jesus gebraucht. Keine einzige Textstelle im Neuen Testament weist also darauf hin, daß Jesus Fleisch aß.

Andere Religionen
Judentum
Nicht nur die urchristlichen Kirchenväter der ersten Jahrhunderte nach Jesus aßen strikt kein Fleisch, sondern auch viele jüdische Asketenorden vor und während Jesu Lebzeiten, wie z.B. die Essener und die Nazaräer, die ebenfalls an Gewändern aus Kamelhaar zu erkennen waren. Für sie alle war reiner Vegetarismus das erste, selbstverständlichste Prinzip eines gottesbewußten Lebens.
Weitere eindeutige Bibelzitate gegen das Fleischessen sind zum Beispiel: «Wer einen Ochsen schachtet, ist wie einer, der einen Menschen erschlägt. (Jes. 66.3)
Und: «Was soll Ich mit euren vielen Schlachtopfern?, spricht der Herr. Die Widder, die ihr als Opfer verbrennt, und das Fett eurer Rinder habe Ich satt; das Blut der Stiere, der Lämmer und Böcke ist Mir zuwider. Wenn ihr eure Hände ausbreitet, verhülle Ich Meine Augen vor euch. Wenn ihr auch noch so viel betet, Ich höre es nicht. Eure Hände sind voller Blut. Wascht euch, reinigt euch! Laßt ab von eurem üblen Treiben! Hört auf, vor Meinen Augen Böses zu tun! Lernt, Gutes zu tun! Sorgt für das Recht!» (Jes. 1.11,15-17)
Mit anderen Worten: «Du sollst nicht töten!» (Ex. 20.13) So lautet eines der Zehn Gebote. Es ließe sich wirklich nicht einfacher und deutlicher ausdrücken, und es bezieht sich, entgegen anderslautenden Interpretationen, nicht nur auf das Ermorden von Menschen.
In der hebräischen Originalsprache heißt dieses Gebot: lo tirtzach. Lo bedeutet «du sollst nicht», und tirtzach bezieht sich auf «jede nur erdenkliche Art des Tötens», wie wir dem anerkannten Wörterbuch The Complete Hebrew/English Dictionary von Dr. Reuben Alcalay entnehmen können. Tirtzach heißt, obwohl in gewissen modernen Bibelausgaben so übersetzt, also nicht etwa bloß «morden», was sich nur auf den Menschen beziehen könnte.

Diese eine, eindeutige Anweisung Gottes allein sollte einem ernsthaften Christen eigentlich genügen, um mit dem Töten von Tieren und dem Essen von Fleisch aufzuhören: «Du sollst nicht töten!»

Islam
Der Prophet Mohammed predigte in der Wüste, wo es sehr schwierig ist, vegetarisch zu leben. Aber dennoch hält er dieses Ideal hoch. In der Übersetzung des Hadith von Dr. M. Hafiz Syed (mit dem Titel Thus Spake Mohammed) lesen wir von einer Begebenheit, wo Mohammed von seinen Schülern gefragt wird: «Wird es wohl vergolten, wenn wir den Vierfüßern Gutes tun und ihnen Wasser geben zu trinken?» Und Mohammed antwortete ihnen: «Es wird euch vergolten, wenn ihr jedem Tier Gutes tut.»

Buddhismus
Auch schon Buddha führte Ahirhsa (Gewaltlosigkeit) und Vegetarismus als einen der fünf fundamentalen Schritte auf dem Weg zur Selbsterkenntnis ein. Eines seiner hauptsächlichen Anliegen bestand in der Tat darin, dem Laster des Tötens von unschuldigen Tieren Einhalt zu gebieten, und in seinen Lehren wies er verschiedentlich auf die schädlichen physischen und psychischen Folgen des Fleischessens hin.

Hinduismus
Die vedischen Schriften Indiens, die dem Buddhismus zeitlich vorangehen und die Grundlage des Hinduismus bilden, legen ebenfalls großen Nachdruck auf Gewaltlosigkeit.
«Fleisch kann man sich nicht verschaffen, ohne anderen Lebewesen Gewalt anzutun», erklärt die Manu-samhita, die uralte Gesetzessammlung. «Deshalb sollte man den Verzehr von Fleisch vermeiden.» An einer anderen Stelle in der Manu-samhita heißt es: «Bedenkt man die abscheuliche Herkunft von Fleisch und die Grausamkeit, die die Gefangenschaft und das Schlachten verkörperter Wesen mit sich bringt, dann sollte man sich des Fleischessens völlig enthalten.»
Aus all diesen Betrachtungen können wir ersehen, daß jede echte Religion auch Gewaltlosigkeit gegenüber Tieren lehrt.

6. Fleischessen und Karma
«Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen wieder zurück.» (Pythagoras)
«Solange es Schlachthäuser gibt, solange wird es auch Schlachtfelder geben.» (Leo Tolstoi)

Das Sanskritwort Karma bedeutet wörtlich «Handlung», aber auch «Reaktion auf eine Handlung». Es bezieht sich, mit anderen Worten, auf jede materielle Tätigkeit, die eine Reaktion nach sich zieht, welche uns ihrerseits an die materielle Welt bindet.
Das Gesetz des Karma ist indes keine östliche Theorie, sondern ein natürliches Prinzip, das genauso unvermeidlich wirkt wie die Zeit oder das Naturgesetz der Schwerkraft. Auf jede Aktion folgt eine Reaktion. Gemäß diesem Gesetz fallen Schmerzen und Leiden (und auch alle Freuden), die wir anderen Lebewesen zufügen, individuell wie auch kollektiv auf uns selbst zurück. «So wie der Mensch sät, so wird er ernten» -- denn die Natur hat ihre eigene universale Gerechtigkeit. Niemand kann das Gesetz des Karma umgehen, außer denjenigen, die verstanden haben, wie es funktioniert.
Der erste Schritt im Verständnis des Karma-Gesetzes besteht darin, zu erkennen, daß alle Lebewesen beseelt sind, d.h. eine unsterbliche spirituelle Seele besitzen. In der Bhagavad-gita beschreibt Krsna, daß diese spirituelle Seele die Quelle des Bewußtseins und das aktive Prinzip ist, das den lebenden Körper durchdringt. Nach Aussage der vedischen Schriften steigt die Seele in einer Art «Evolutionsspirale» von den niederen, nichtmenschlichen Lebensformen allmählich zu den jeweils nächsthöheren Arten auf (Tiere und Pflanzen können nicht gegen die Naturgesetze verstoßen).
Erst in der menschlichen Lebensform hat die Seele die Freiheit zu entscheiden, aber mit dieser Freiheit kommt auch die Verantwortung für all das, was man tut. Deshalb wird von einem Menschen erwartet, daß er die höheren Prinzipien des Lebens, wie z.B. das Gesetz des Karma, versteht und danach handelt, denn Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
In seinen Erläuterungen zum Srimad-Bhagavatam schreibt A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada, der Gründer der Hare-Krsna-Bewegung: «Alle Lebewesen müssen für eine bestimmte Zeit in einem bestimmten Körper bleiben. Sie müssen diese Zeitspanne, die ihnen in ihrem Körper zugeteilt ist, vollständig durchlaufen, bevor sie zu einer höheren Lebensform erhoben werden können. Wer ein Tier tötet, hindert es daran, die festgelegte Dauer, die es in seinem Körper verbringen muß, zu beenden. Daher sollte niemand um der eigenen Sinnenbefriedigung willen töten, da man dadurch in sündhafte Handlungen verwickelt wird.»
Mit anderen Worten: Das Töten eines Tieres unterbricht -- ganz zu schweigen von der Gewalt, die man ihm dadurch antut -- dessen Evolution zu höheren Lebensformen, und die Schuldigen werden dafür zur Verantwortung gezogen werden und die entsprechenden schlechten Karma-Reaktionen in Form von Leid (z.B. Krieg) hinnehmen müssen. Das oben angeführte Zitat von Leo Tolstoi ist in diesem Zusammenhang höchst treffend.
Nach dem Gesetz des Karma hat folglich die Würstchenbude oder der Supermarkt in der Nachbarschaft (ebenso wie z.B. auch die städtische Abtreibungsklinik) mehr mit der Gefahr eines Weltkrieges zu tun als das Weiße Haus oder der Kreml.
Viele Menschen fürchten sich heute vor einem Krieg, aber gleichzeitig lassen sie es kaltblütig zu, daß jeden Tag in Schlachthöfen, Mastfabriken und medizinischen Laboratorien auf der ganzen Welt mindestens ebenso grauenvolle Massaker durchgeführt werden -- und erkennen nicht, wie eng diese beiden Dinge miteinander verbunden sind.

Schlußfolgerung
Um die Probleme der Welt (Kriegsgefahr, Umweltzerstörung, Nahrungsmittelverschleiß usw.) zu lösen, benötigen wir alle ein tieferes Verständnis der umfassenden Gesetzmäßigkeiten des Karma und ihrer Funktionsweise sowie insbesondere auch das grundlegende Wissen davon, wie man sich von ihnen befreien kann -- das heißt das Wissen, wie wir mit einem solch geläuterten Bewußtsein handeln können, daß all unsere Tätigkeiten keine schlechten Reaktionen mehr nach sich ziehen werden.
«Systematisch die Schwierigkeiten der Krise aufzuzeigen... heißt allerdings nicht, ...uns stehe eine Welt aus lauter Alpträumen bevor. Man könnte Szenarien schreiben, die weit positivere Möglichkeiten berücksichtigen, beispielsweise die Entdeckung eines völlig neuen, umweltfreundlichen Energieträgers oder einen unerwarteten Durchbruch der Sonnenenergie- oder Kernfusionsforschung; oder eine alles mitreissende religiöse Bewegung in der westlichen Welt, die zur Einschränkung des Fleischgenusses führt (und dadurch Milliarden von Tonnen Getreide sparen hilft und der Menschheit als Ganzes eine bessere Ernährung garantiert)...» -- Alvin Toffler, Autor von "Der Zukunftsschock", Kursbuch ins Dritte Jahrtausend, Die Zukunftschance u.a., in seinem 1975 erschienenen Buch Die Grenzen der Krise, S.99
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(aus Vegetarisch Leben Verlag Govinda Kulturtreff, Zurich 1989, zusammengestellt von Raja Vidya dasa nach einer Vortag von Atma Tattva dasa).
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vegetarisch.wpd
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