H.P. Blavatsky:
Der Theosoph

Jeder Mensch mit durchschnittlicher Intelligenz und Neigung zum Metaphysischen, von reinem, selbstlosem Herzen, der Freude hat, Anderen zu helfen, bereit ist seine eigenen Vergnügungen dem Wohle Anderer zurück zu stellen, und die Wahrheit, Barmherzigkeit und Weisheit liebt, ist ein Theosoph.
Er folgt einem Pfad, der zur Erkenntnis führt, duch die Unterscheidung von gut und böse.
Ein Theosoph bemüht sich reines Herzens zu sein. Er wird zu einem Energiezentrum, das in dem gleichen Verhältnis wächst, wie er sich selbst vergisst. Seine Hoffnungen und Befürchtungen, seine Zuneigungen und Abneigungen, seine Gedanken, Worte und Taten teilt er mit dem Leben aller Menschen, zu denen er gehört; er fühlt, denkt, mit ihnen; er trägt ihre Bürde und ihre Sünden. Denn er weiss, dass er in Wirklichkeit seine eigene Erlösung nur dann erreicht, wenn er sich selbst für das Wohl aller Menschen einsetzt.
Ein Theosoph soll die höchsten moralischen Ideale ausüben, soll danach streben, seine Einheit mit der ganzen Menschheit zu begreifen und unaufhörlich für Andere arbeiten. Die eigene Bequemlichkeit zurückstellen, und für Andere arbeiten, wenn diese nicht für sich selbst arbeiten können.
Die Pflicht erfüllen, besonders gegenüber denen, die das Gesetz vorsieht. Durch das Höhere Selbst die niedere Natur kontrollieren und überwinden; sich innerlich und moralisch reinigen; niemand und nichts fürchten ausser seiner eigenen Inneren Stimme; niemals etwas halb tun; wenn er es für richtig hält, dann offen und tapfer tun, wenn er es aber für nicht richtig hält, es dann nicht tun.
Es gibt einen Pfad, steil und dornig, mit Gefahren aller Art, aber immerhin ein Weg. Und dieser Pfad führt zum Herzen des Universums. Ich kann euch sagen, wie man jene findet, die euch den geheimen Zugang zu diesem Pfad zeigen, der nach innen führt, und wie man sich Anderen anschliesst.
Es gibt keine Gefahr, die nicht besiegt werden kann, keine Prüfung, die nicht bestanden werden kann, keine Flecken, die nicht gereinigt werden können, keine Schwierigkeit, die ein scharfer Verstand nicht überwinden kann. Für diejenigen, denen es gelingt, sich so zu verhalten, gibt es eine über alle Worte erhabene Belohnung: die Freude, zum Segen und Dienste aller Wesen zu leben. Diejenigen, die versagen, werden vielleicht später Erfolg haben.

Wer keine Barmherzigkeit ausübt, wer nicht bereit ist, seinen letzten Bissen mit dem Schwächeren oder Ärmeren, zu teilen, wer es unterlässt, seinem Mitbruder welcher Rasse, Nation, welchen Glauben er auch haben mag, zu helfen, wann und wo immer er auf Leiden Anderer stösst, wer dem Schrei des Elends gegenüber taub bleibt - der ist kein Theosoph.

Die erste Aufgabe, welche die Theosophie lehrt, ist, dass wir alle unserer Pflichten erfüllen und sich durch nichts abhalten zu lassen.