Beweise für die Wiederverkörperung 1)
 

Die Begründungen für die Lehre von der Wiederverkörperung bilden zwar kein vollendetes und in sich schon abgeschlossenes Gebäude von Beweisen, aber sie sind immerhin ausreichend, um der Annahme derselben eine so starke Unterlage zu geben, wie es unter den gegebenen Verhältnissen nur möglich ist. Die hiemit aufgestellte Theorie gibt uns allein eine befriedigende Erklärung für das Wachstum und den Verfall von Nationen, für die Vorkommnisse in der individuellen Evolution, für die Verschiedenartigkeit der menschlichen Fähigkeiten, für die sich immer wiederholenden periodischen Ereignisse in der Weltgeschichte, wie für die Rätsel der einzelnen Menschencharaktere. Obwohl ich für meine Person vollständig davon überzeugt bin, dass die Reinkarnation eine in der Natur begründete Tatsache ist, so will ich mich doch damit begnügen, sie hier lediglich als eine beachtenswerte, der Vernunft entsprechende Hypothese, nicht aber als einen bewiesenen Lehrsatz hinzustellen; denn diese Zeilen sind ja für solche bestimmt, welche in den Vorgängen des menschlichen Lebens und der Geschichte nach Beweisen suchen, und für diese kann sich diese Lehre nicht über den Standpunkt einer erwägenswerten Hypothese erheben. Wer weiss, dass sie wahr ist, der bedarf keiner weiteren Beweise mehr für dieselbe.

1. Es gibt einzelne wirklich lebende Menschen, sowie auch solche, welche gegenwärtig nicht auf Erden weilen, welche sich ihrer eigenen früheren Inkarnationen erinnern und der Vorgänge derselben ebenso entsinnen, wie sie sich jener ihres gegenwärtigen Lebens bewusst sind. Die Erinnerung -- welche das Band bildet zwischen den verschiedenen Stufen der Erfahrung eines bewussten Wesens, und welche zugleich der Träger des Individualitäts- und Persönlichkeitsgefühles ist, -- diese Erinnerung dringt bei ihnen durch die Tore vergangener Geburten und Tode, und die Nächte des Todes unterbrechen diese Erinnerungskette ebensowenig, wie sie durch die Nächte gestört wird, welche die einzelnen Tage des Lebens von einander scheiden. Die Ereignisse der früheren Leben stehen solchen Personen als ebenso reelle Erfahrungen ihres eigenen, lebendigen Ichs vor Augen, als wenn sie sich nur wenige Jahre früher zugetragen hätten, und wenn jemand behaupten wollte, sie hätten dies nicht selbst erlebt, so würde ihnen eine solche Behauptung ebenso närrisch vorkommen, als wenn wir die Ansicht aussprechen würden, dass Vorkommnisse, welche sie etwa vor zehn Jahren durchzumachen hatten, nicht ihnen selbst, sondern jemand anderem begegnet seien. Sie würden sich auf gar keinen Streit über diese Frage einlassen, sondern das Gespräch fallen lassen; denn Erfahrungen eines Menschen lassen sich nicht aus seinem Bewusstsein hinwegdisputieren. Anderseits aber kann das Zeugnis eines Menschen für Tatsachen, von deren Vorhandensein er weiss, deren Realität einer zweiten Person nicht beweisen, und deshalb ist diese Behauptung nur für den, welcher eigene Erfahrung hat, ein überzeugender Beweis. Diese eigene Erfahrung allein gibt für die Wahrheit der Lehre von der Wiederverkörperung allen denjenigen vollgültige Gewissheit, deren Erinnerungsvermögen Zeugnis für die eigene Vergangenheit ablegt; der Wert dieses Zeugnisses für die Zuhörer hängt von der Meinung ab, welche sie über die Gesundheit der Verstandeskräfte und den moralischen Wert des Erzählers haben. Ist letzterer ein normal angelegter und begabter Mensch, der in den Geschäften des täglichen Lebens nicht nur gewöhnliche Vernunft zeigt, sondern sogar ausser gewöhnliche Verstandesschärfe besizt, ein Mensch nicht nur von alltäglicher Moralität, sondern von ausserordentlichen sittlichen Gehalte, voll Wahrhaftigkeit und Gewissenhaftigkeit: dann wird seine klar und deutlich ausgesprochene Behauptung, dass er sich an Vorgänge aus seinem eigenen früheren Leben erinnere, welche, sagen wir z. B. vor mehreren Jahrhunderten sich zugetragen haben, sowie an seine eigenen Beziehungen zu diesen Vorkommnissen mit allen ihren Nebenumständen -- dann wird diese Behauptung sicherlich bei allen denjenigen grosses Gewicht haben, welche seine Unbescholtenheit und Rechtschaffenheit kennen. Es bleibt dies zwar auf alle Fälle ein Beweis aus zweiter Hand, aber er ist von guter, unzweifelhafter Art 2).

2. Das Pflanzenreich nicht minder wie das Tier- und Menschenreich weisen alle Spuren von dem Wirken des Gesetzes der Erblichkeit" auf, von der Neigung, dass Eltern die Eigentümlichkeiten ihrer eigenen Organisation auf ihre Nachkommen übertragen. Eine Eiche, ein Hund, ein Mensch sind trotz der mannigfaltigsten Variationen auf der ganzen Welt stets als solche erkennbar. Alle werden nach bestimmten Gesetzen erzeugt und wachsen nach ebensolchen heran; sie alle entstehen aus zwei Zellen, einer männlichen und einer weiblichen, indem sich diese in der Richtung der charakteristischen Eigenschaften der Eltern entwickeln. Unter der Bezeichnung "Hund" vereinigen wir den Bernhardiner und den Vorstehhund, den Schweisshund wie den Windhund etc., ebenso wie wir unter dem Worte Mensch" sowohl den Vedoha wie den Engländer, den Neger wie den Rajput etc. verstehen. Wenden wir aber unser Augenmerk auf die intellektuellen und moralischen Eigenschaften, wie z. B. auf den Unterschied hierin zwischen Hund und Mensch, dann staunen wir über die merkwürdige Verschiedenheit. Beim Hunde bewegen sich diese Unterschiede in verhältnismässig engen Grenzen. Mag ein Hund klug oder dumm, heimtückisch oder verlässlich sein, der Unterschied zwischen einem klugen und einem dummen Hunde bleibt immer ein verhältnismässig geringer. Wie gewaltig dagegen ist die Kluft, welche den niedrigsten Menschen vom höchstbegabten trennt, sei es nun in intellektueller oder moralischer Beziehung. Die eine Rasse kennt kaum die Begriffe von einfachen Zahlen, während die Söhne einer anderen, Entfernungen berechnen, welche nur nach Lichtjahren bemessen werden können. Eine Rasse betrachtet es als Kindespflicht, die Eltern zu ermorden, oder erachtet den Verrat als etwas Rechtliches, während eine andere einen Franz Xaverius, einen Howard oder Lloyd Garrison hervorbringt. Im Menschen und nur im Menschen allein finden wir unter all den Rassen, welche die Erde bevölkern, einerseits die grösste physische Einheitlichkeit und anderseits doch die unendlichste geistige und moralische Verschiedenheit. Wenn wir auch zugeben, dass physische Erblichkeit zur Erklärung der ersteren ausreicht, so ist doch das Hinzutreten eines neuen, im Tiere nicht vorhandenen Faktors erforderlich, um die letztere zu erklären. Die Reinkarnation, als die Lehre von einem fortdauernden, mit Sittlichkeitsbedürfnis begabten, durch Erfahrung lernenden und im Verlaufe von Millennien sich entwickelnden Egos, bietet uns hierfür eine genügende Ursache, und noch dazu eine Ursache, welche zugleich die Erklärung dafür in sich schliesst, weshalb der Mensch in geistiger und sittlicher Beziehung fortschreitet, während das Tier in dieser Hinsicht auf demselben Standpunkte stehen bleibt, wenn es nicht durch den Menschen künstlich aufgezogen und erzogen wird. Soweit die ältesten Berichte reichen, haben die wilden Tiere stets ebenso gelebt, wie sie auch heute noch leben; es gab zu allen Zeiten Raubtiere, Rinderherden, Affenfamilien, Ameisen-Staaten; sie leben und sterben eine Generation nach der anderen, üben die von den Eltern ererbten Gewohnheiten aus und wandeln die von uralten Zeiten her gebräuchlichen Wege fort, ohne sich zu einem höheren Leben zu entwickeln. Sie besitzen, ebenso wie der Mensch die Fähigkeit physischer Vererbung, und ihre bewunderungswürdigen Instinkte beweisen; wie viel diese zu leisten vermag. Aber physische Vererbung gewährt ihnen nicht -- denn sie ist ja hierzu nicht imstande -- jenen unschätzbaren Schatz von Erfahrungen, welcher die ewig fortlebenden menschlichen Egos befähigt, sich von Stufe zu Stufe höher emporzuschwingen, Werke der Zivilisation zu verrichten, indem sie Wissen erwerben und immer höher und höher steigen, so dass niemand die Grenze zu bestimmen vermag, welche die im fortwährenden Fortschritte begriffene Menschheit nicht dereinst noch überschreiten könnte. Dieses fortlebende Prinzip ist es, was dem Tiere fehlt, im Menschen aber stets gegenwärtig ist, und welches erklärt, warum das Tier auf seiner Stufe stehen bleibt, der Mensch aber entwicklungsfähig ist. Das Tier kann die von ihm gemachten Erfahrungen nur für die Vervollkommmmg seines physischen Organismus verwerten und ansammeln, so dass sie ihm auf diese Art dann zur Natur wird und physisch vererbt werden kann. Der Mensch dagegen stapelt die Essenz seiner Erfahrungen im unsterblichen Ego auf, und wenn er mit der Zeit in verschiedene Leben eintritt, befindet er sich im Besitze dieses erworbenen Schatzes, woraus ihm die Möglichkeit fortgesetzten Wachstums zu teil wird. Denn wie könnte intellektuelle Erfahrung anders als durch das Bewusstsein vererbt werden ? Physische Gewohnheiten, welche den Organismus umwandeln, können auch physisch vererbt werden, wie z. B. die Neigung zu traben beim Pferde, zu jagen beim Hunde usw.; dies sind Vorgänge, welche, wie bekannt, beim Tiere wie beim Menschen vorkommen. Ebenso bekannt ist aber auch die Tatsache von dem intellektuellen und moralischen Stillstande des Tieres im Gegensatze zu dem Fortschrittsdrange im Menschen. Eine weitere bemerkenswerte Tatsache ist ferner, dass kein von aussen kommender Einfluss dem Gehirne der niedrigsten Menschenrassen auch nur die oberflächlichsten und einfachsten moralischen Begriffe beibringen kann, welche das Gehirn des bereits höher entwickelten Menschen fast von selbst versteht und sich aneignet, sobald es darauf hingewiesen wird. Zum Verständnisse von Moral ist nämlich etwas mehr erforderlich als der Gehirnapparat, und keine Erfahrung vermag uns dieses Etwas zu geben. Erziehung kann den Apparat verfeinern, aber es bedarf des Anstosses von Seiten des Egos,. ehe der Apparat auch auf den ihm von aussen zukommenden Impuls reagieren kann. Auch spricht es nicht gegen diese Wahrheit, wenn ein europäisches Kind, das von aller menschlichen Gesellschaft abgeschlossen wurde, bei seiner Befreiung beinahe vertiert und kaum mehr einem Menschen ähnlich gefunden wurde; denn der physische Organismus bedarf des heilsamen Spieles der auf ihn wirkenden physischen Einflüsse, wenn er auf der physischen Ebene brauchbar sein soll, und wenn er durch unnatürliche Behandlung geschädigt und verdorben wird, so kann er auf die vom Ego kommenden Einflüsterungen ebensowenig antworten, wie ein Klavier, das man vermodern und verrosten liess, von seinen verstimmten Saiten melodische Töne geben kann 3).

3. Innerhalb der Grenzen einer Familie finden wir gewisse erbliche Eigentümlichkeiten, welche immer wieder hervortreten, und eine gewisse Familien-Ähnlichkeit ist fast allen Familien gliedern eigen. Diese physischen Ähnlichkeiten sind allbekannt und man betrachtet sie als einen Beweis für das Gesetz der Vererbung. Das mag auch richtig sein; aber welches Gesetz erklärt uns die so grosse Verschiedenheit der geistigen und sittlichen Anlagen, welche wir im engen Kreise einer einzigen Familie bei den Kindern derselben Eltern finden? Aus einer Familie, welche ruhig auf ihrer Scholle sitzt und an ihr hängt, welche schon seit Generationen am gleichen Orte ansässig ist, geht ein wilder, wanderlustiger Junge hervor, den keine Zucht bändigen, keine Verlockung halten kann. Wie kann ein solcher Charakter in solcher Umgebung gefunden werden, wenn die geistigen und moralischen Eigenschaften uns als Erbschaft unserer Vorfahren angeboren werden? Oder in einer rechtschaffenen, unbescholtenen Familie kommt ein räudiges Schaf" zur Welt, das die ihm mit Liebe zugetanem Herzen mit Kummer und Sorgent erfüllt, und den bisher fleckenlosen Namen besudelt. Woher kommt dies? -- Oder im Gegenteile, die lilienweiße Blüte eines heiligen Lebens entfaltet ihre strahlende Schönheit ringsumgeben von Schmutz und Roheit in der eigenen Familie. Wie kam der Same einer so selten schönen Pflanze in dieses Erdreich? Zur Lösung all diesen Fragen gibt uns die Lehre von der Wiederverkörperung den richtigen Schlüssel, indem sie die geistigen und moralischen Eigenschaften in das unsterbliche Ego und nicht in den von den Eltern stammenden physischen Körper verlegt. Unter Brüdern, welche sich zum Verwechseln ähnlich sehen, finden wir Charaktere, die sich geistig und sittlich geradezu diametral entgegenstehen. Vererbung mag uns die Erklärung geben für das Erstere; aber das Letztere kann durch sie nicht erklärt werden. Die Reinkarnationslehre ist imstande, diese Kluft zu überbrücken, und vervollständigt so die Lehre von dem menschlichen Wachstum.

4. Vor derselben, nur noch etwas verschärften Frage stehen wir in dem Falle von Zwillngskindern. Hier haben die Kinder nicht nur das gleiche Elternpaar, sondern sie waren auch gleichmässig ganz denselben ihrer Geburt vorangegangenen Umständen und Verhältnissen unterworfen. Gleichwohl finden wir, dass Zwillinge trotz der vollkommensten physischen Ähnlichkeit einen ganz ausserordentlich verschiedenen Charakter haben. Aber ein noch anderer, merkwürdiger Fall ereignet sich bisweilen bei Zwillingen; nämlich dass die Kinder sich in der ersten Jugendzeit derart zum Verwechseln ähnlich sehen, dass selbst das scharfsichtige Mutterauge kaum einen Unterschied zu bemerken vermag; dass im späteren Leben aber, wenn der Manas bereits auf seine physische Behausung seinen Einfluss geltend gemacht hat, diese physische Ähnlichkeit sich verringert, und die Unterschiede der Charaktere in den veränderten Zügen zum Ausdruck kommen.

5. Auch für die Frühreife von Kindern hat die alltägliche Wissenschaft keine Erklärung. Wie kommt es, dass ein Mozart schon mit vier Jahren ein Wissen offenbart, das ihm niemand gelehrt hat? Er besitzt nicht nur Sinn für Melodie, sondern auch instinktive Fertigkeit, musikalische Gedanken in Tonsätzen auszudrücken, welche in keiner Weise gegen die komplizierten Harmonie-Gesetze verstossen, und welche andere Musiker sich erst durch langes und geduldiges Studium aneignen müssen. Er war der Abkömmling einer "musikalischen Familie," sagt man. Wohl wahr; denn sonst wäre es ja schwer zu begreifen, wie der zarte physische Apparat hätte zustande kommen können, dessen er zur Offenbarung seines transzendentale Genies bedurfte; aber wenn ihm seine Familie nicht bloss die physische Maschine zur Kundgebung seines Genies, sondern auch dieses Genie selbst gab, so wäre es doch von Interesse zu wissen, warum vor ihm so viele zwar teil hatten an dem Besitze dieses für Musik so geeigneten Apparates, während bei keinem ändern jene Macht zutage trat, welche bei ihm so reichlich übersprudelte in seinen Symphonien, Sonaten, Opern und der grossen Menge seiner sonstigen Schöpfungen, die gleich glitzernden Kaskaden wie aus einem unerschöpflichen Born ihm hervorquollen. Wie konnten so unzureichende Ursachen eine so gewaltige Wirkung hervorbringen? Denn in der ganzen Familie Mozart gab es doch nur diesen einen Mozart". Man könnte noch eine ganze Menge anderer Fälle aufzählen, in welchen ein Kind seine Lehrmeister überflügelte und mit Leichtigkeit ausführte, was diese nur mit Mühe zustande brachten, und rasch vollendete, was diese gar nicht zu leisten fähig waren.

6. Kindliche Frühreife ist nur eine Erscheinungsart des Genies, das Genie selbst aber bedarf einer Erklärung. Woher kommt es? Seine Spur ist schwerer zu verfolgen wie die Spur der Vögel in der Luft. Ein Plato, ein Dante ein Bruno, ein Shakespeare, ein Newton, woher kommen diese glorreichen Kinder der Menschheit? Sie sind die Abkommen mittelmässig begabter Familien, sind die ersten und zugleich auch wieder die letzten, welche den Namen von Geschlechtern unsterblich machten, deren bisherige gänzliche Unbekanntheit der beste Beweis dafür ist, dass sie nur gewöhnliche Fähigkeiten besassen. Ein Kind kommt zur Welt, wird geliebt, gepflegt, unterrichtet und erzogen wie jedes andere Kind; plötzlich regt der junge Aar seine Schwingen, und vom Neste der Sperlinge unter der Dachrinne steigt er zum Himmel empor, während die ganze Luft vom rüge sich so etwas im Bereiche des Phasischen zu, so würden wir weder von Vererbung, noch von Rückbildung sprechen; sondern wir würden es für unsere Pflicht halten, nach dem Adlervater zu suchen, und nicht den Stammbaum des Sperlingsgeschlechtes zu verfolgen. Wenn daher ein mächtig beschwingtes Ego sich zu einer mittelmässig begabten Familie herabbeugt, so müssen wir in diesem Ego selbst, nicht aber in der Familiengeschichte nach der Ursache des Genies forschen.

Es wird wohl niemand gelingen, durch das Gesetz der Vererbung die Geburt eines grossen moralischen Genies, eines Laotze, eines "Buddha" eines Zarathustra oder eines Jesus im irdischen Sinne zu erklären. Dürfen wir die göttliche Wurzel, welcher diese Blüten der Menschheit entsprossen, in dem Boden physischer Abkunft und die Quellen ihres glorreichen Lebens in dem schwachen Borne gewöhnlicher Menschlichkeit suchen? Woher kam ihnen ihre von niemand Weisheit, ihre geistige Erkenntnis, ihr Verständnis für menschlichen Kummer und menschliches Elend? Die Menschen waren über ihre Lehren dermassen erstaunt, dass sie wähnten, diesselbe müsste Offenbarungen einer übernatürlichen sein, während sie doch nur die ausgereifte Frucht von Hunderten von Menschenleben sind; diejenigen aber, welche an keine übernatürliche Gottheit glauben, müssen entweder die Reinkarnation anerkennen oder zugestehen, dass die Frage ihres Ursprunges nicht zu lösen ist. Wenn auf dem Wege der Vererbung ein Buddha oder ein Christus hervorgebracht werden kann, dann muss man nur staunen, dass dieser Fall nicht öfter eintritt.

7. Zu derselben Schlussfolgerung gelangen wir, wenn wir die ausserordentliche Verschie-

denheit zwischen den einzelnen Menschen hinsichtlich ihres Talentes, sich Wissen verschiedener Art anzueignen, einer näheren Betrachtung unterziehen. Nehmen wir zwei

mittelmässig verständige, eher kluge als dumme Personen, und weihen wir sie beide in die Lehren ein und desselben philosophischen Systemes ein. Der eine wird die Grundprinzipien desselben rasch erfassen, während der andere sich denselben gegenüber ganz

passiv und untätig verhält. Gehen wir aber zu einem anderen Systeme über, so wird die

jeweilige Stellungnahme der beiden gerade umgekehrt sein; denn der eine fühlt sich zu dieser, der andere zu einer anderen Art von Gedankenform hingebogen. Zwei Forscher

wollen sich der Theosophie nähern und beginnen gleichzeitig- ihre Studien; nach Ablauf

eines Jahres ist der eine mit den Hauptideen derselben bereits vollständig vertraut und weiss dieselben auch praktisch auszuführen, wogegen der andere trotz eifrigsten Bemühens sich wie in einem Irrgang nicht zurecht zu finden vermag. Dem einen erscheint jede

Lehre gleich von Anfang an bekannt und vertraut, dem anderen dagegen ist sie völlig neu und unverständlich, ja befremdlich. Wer an die Wiederverkörperung glaubt, weiss, warum die Lehre dem einen alt und dem anderen neu erscheint; der eine lernt schnell, weil er sich erinnert" und bereits früher erworbenes Wissen nur mehr auffrischt; der andere lernt langsam, weil seine Erfahrung diese Naturwahrheiten noch nicht in sich auf-

genommen hat, und er sie nun mühevoll zum erstemal erwerben muss.

8. In engem Zusammenhang mit diesem raschen Wiederauffrischen früher erworbenen

Wissens steht die Intuition, welche eine Wahrheit sofort als solche erkennt und keines langen Beweisverfahrens bedarf, um sich von deren Richtigkeit wirklich zu überzeugen. Diese Intuition ist nichts anderes, als das Wiedererkennen einer bereits in einem früheren Leben vertraut gewordenen Tatsache, welche uns allerdings in diesem Leben nun zum erstenmal entgegentritt. Ihr Kennzeichen ist, dass kein Beweis die innere Überzeugung zu befestigen vermag, welche schon beim ersten Wahrnehmen derselben eintrat. Beweise zur Bestätigung ihrer Realität mögen um anderer willen gesucht werden, sie sind aber nicht notwendig zur Beruhigung des Glaubenden selbst. Diese Aufgabe hat es nicht nötig, denselben Weg zwei mal zu machen.

9. Die Reinkarnation löst wie keine andere Lehre vom menschlichen Dasein die Probleme von der Ungleichheit der Lebensverhältnisse, der Fähigkeiten, der Umstände, welche ohne die Annahme dieser Lehre immer neuerdings Zeugenschaft leisten, dass im menschlichen Leben Gerechtigkeit keine Rolle spielt, sondern dass die Menschen nur der Spielball der Laune eines unverantwortlichen Schöpfers oder der blinden Kräfte einer seelenlosen Natur sind. Ein Kind tritt in die Welt schon ausgestattet mit einem Gehirn, das alle Eigenschaften besitzt, um allen tierischen Leidenschaften zum geeigneten Instrumente zu dienen, -- sozusagen mit einem "Verbrechergehirn", dem Träger böser Neigungen und roher Instinkte. Als Kind eines Diebes und einer Dirne entstammt sein Blut einer faulen und vergifteten Quelle, seine ganze Umgebung erzieht ihn zu einem lasterhaften Lebenswandel, führt ihn fast mit Gewalt auf alle schlechten Wege. Ein anderer wird mit einem edel organisierten Gehirn geboren, das geeignetist, den schärfsten Verstand zum Ausdruck zu bringen, und vermöge seines geringen physischen Gehaltes kein geeignetes Werkzeug für niedrige Leidenschaften ist, wird geboren als Kind rechtschaffener, besorgter Eltern, so dass seine physische Natur aus gutem Materiale besteht, und er durch seine ganze Umgebung auf den Weg einer rechtlichen Lebensführung hingedrängt wird, indem sie ihn zu allen guten und edlen Handlungen anspornt und ihm alle niedrigen und gemeinen Gedanken unterdrücken hilft. Der eine ist durch seinen Organismus und seine Umgebung zu einein verbrecherischen Leben vorausbestimmt, oder im besten Falle doch -- sogar wenn das Göttliche in ihm sich selbst fühlbar machen sollte -- zu einem furchtbaren Kampfe gegen ungeheuere Schwierigkeiten verurteilt, zu einem Kampfe, welcher, selbst wenn er siegreich endet, den Sieger erschöpft, erlahmt und mit gebrochenem Herzen zurücklassen muss. Der andere dagegen ist durch seinen Organismus und seine Umgebung schon vorherbestimmt zu einem Leben wohltätigem Wirkens, und sein Kampf wird weniger gegen das Böse sich zu richten haben, das ihn mit sich fortreissen will, als darauf, das über ihm liegende Gute, das ihn nach aufwärts lockt, zu erwerben. Woher kommen solche ganz entgegengesetzte Schicksale, wenn der Mensch nur einmal die Lebensbühne betritt? Sollen wir behaupten, dass irgend eine bewusste und alles lenkende Vorsehung zwei Leben schafft, von welchen sie das eine zur äussersten Erniedrigung verdammt, das andere aber mit den erhabensten Eigenschaften ausstattet? Wäre dies wirklich der Fall, dann bliebe der in den Krallen einer unfassbaren Ungerechtigkeit wehklagenden und hilflosen Menschheit nichts übrig, als mit Schaudern sich zu unterwerfen; nimmermehr aber dürfte sie die Behauptung aufstellen, dass Gerechtigkeit und Liebe die Grundeigenschaften der von ihr verehrten und angebeteten Gottheit seien. Wären aber die blinden Naturkräfte die Urheber solcher Erscheinungen, auch dann wäre der Mensch hilflos den Krallen von Ursachen überantwortet, welche er weder vorherschen noch beherrschen kann, und so lange das Menschengeschlecht fortbesteht, müsste sich die nicht abzuschüttelnde Schlange giftiger Erbitterung gegen erlittenes Unrecht um sein Herz schlingen, da ja gutes oder schlechtes Geschick aus dem Lotterierade einer blinden Fortuna gezogen wird, Geschicke, welche dem Menschen in den Schoss geworfen werden, ohne dass er die Macht besitzt, sie anzunehmen oder von sich zu weisen. Beruht aber die Lehre von der Wiederverkörperung auf Wahrheit, dann wird die Welt von Gerechtigkeit regiert, und des Menschen Geschick liegt in seiner eigenen Hand. Die Hingabe an böse Gedanken, die Ausführung schlechter Taten, anderen zugefügtes Unrecht, die rücksichtslose Verfolgung selbstsüchtiger Zwecke: all dies trägt dazu bei, dem sich wieder verkörpernden Menschen ein Gehirn zu schaffen, welches zum geeigneten Werkzeuge wird, um diese Eigenschaften in noch verschärftem Masse hervortreten zu lassen, ein Gehirn, in welchem alle schlechten Neigungen einen passenden Boden für ihre günstige Entfaltung finden werden und in welchem gute Kräfte vergeblich zum Durchbruche zu gelangen suchen werden. Ein mit solch schlechtem physischen Rüstzeuge ausgestattetes Wesen wird sich zu einer ihm angemessenen Umgebung hingezogen fühlen, woselbst sich überall Gelegenheit zu allen möglichen Schlechtigkeiten ganz von selbst bietet, zu Eltern, deren vergifteter Körper für solche Kundgebungen das beste physische Material zu gewähren vermag. Dies ist ebenso schrecklich, wie dass fortgesetzte Trunksucht zur Zerstörung des Körpers und des Gehirnes führen muss. Aber sofern nur Gerechtigkeit herrscht und ein unabänderliches Gesetz waltet, dann ist auch die Hoffnung nicht ausgeschlossen; denn dann sind wir nicht mehr lediglich Strohhalme, die vom Winde umhergejagt werden, sondern Herren unserer eigenen Geschicke; denn durch Erkenntnis vermögen wir diese Gesetze zu lenken, welche uns nie im Stiche lassen und nicht unsere Feinde, sondern unsere besten Freunde sein werden. Denn der Mensch kann ebenso wie zum Bösen auch zum Guten organisiert werden, wodurch dann gerade das Gegenteil der eben geschilderten Erfolge erzielt wird. Widerstand gegen schlechtes Denken und Handeln, geduldiges Schaffen für andere, gewissenhafte Hingabe an nicht selbstsüchtige Zwecke, dies sind die Bausteine, die dem sich inkarnierenden Menschen ein Gehirn schaffen, welches ein passendes Werkzeug und ein günstiger Boden für alle guten Neigungen ist, in welchem diese sich üppig entfalten können, während böse Triebe vergeblich nach ihnen günstigen physischen Organen suchen. Ein solches Wesen findet sich ebenso angezogen zu Umgebungen, woselbst es rings um sich Gelegenheiten zum Guten finden kann, und zu Eltern, welche würdig sind, seine physische Wohnung zu erbauen. In beiden Fällen aber wird dieses Haus nach dem Plane aufgebaut, welchen der Architekt, dem Ego, geliefert hat, und dieser allein ist verantwortlich für sein Werk 4).

Die Lehre von der Wiederverkörperung ist es auch wiederum, welche uns die so ungeheueren Kontraste in den Fähigkeiten und Strebens-Richtungen der einzelnen Menschen erklärt. Finden wir einen strebsamen Geist in einen zu jedem Schaffen unfähigen Körper gebannt, so wissen wir, dass er gegenwärtig in seinem Streben gehindert ist, weil er seine Fähigkeiten in einem früheren Leben schlecht gebraucht hat. Sehen wir dagegen einen anderen nach den erhabensten Zielen verlangen und mit zähem Ernste kämpfen, um die schwierigsten Fragen zu lösen, während er doch die allereinfachsten und grundlegenden Begriffe der Philosophie, welche er beherrschen möchte, sich nicht anzueignen vermag, oder nicht imstande ist, die einfachsten Erfordernisse eines demütigen, selbstlosen Lebens zu erfüllen: so erkennen wir, dass er in früheren Leben Gelegenheiten zur Erreichung grosser Erfolge übersehen, versäumt, oder absichtlich von sich gewiesen hat, so dass sich jetzt dem nach Höherem trachtenden Ego Hindernisse in den Weg legen, welche seine Kraft lahmen, während seine Seele mit mitleiderregendem, hoffnungslosem Eifer nach einem Wissen dürstet und verlangt, das ihm nicht durch eine ausser ihm liegende Macht versagt wird, sondern ihm nur deshalb unerreichbar ist, weil er es nicht zu sehen vermag, trotzdem es vor seinen Augen liegt.

Diejenigen, welche an eine persönliche, alles leitende und die Menschengeister schaffende Vorsehung glauben, sollten sich diese Ansicht doch auch einmal von einem anderen Gesichtspunkte aus betrachten. Scheint es überhaupt passend oder zukömmlich, dass wir uns unter der Gottheit ein Wesen vorstellen, das stets bereit ist, auf den Ruf und Wink aller seiner Geschöpfe zu hören und ihnen mit seiner schöpferischen Allmacht hilfreich beizuspringen, oder als den stets bereiten Diener, der nach Gutdünken der leidenschaftlichen Lüsten der Menschen einen Menschengeist schafft nur zu dem Zweck, dass dieser einen Leib bewohne, welcher einem Akte ungezügelter Selbstbefriedigung sein Dasein verdankt? In dieser Annahme einer fortdauernden Neuerschaffung von neuen Geistern zu Bewohnern von Menschenkörpern, welche ihre Existenz der Laune der Menschen verdanken, liegt etwas Abstossendes für jeden, der den Begriff von einem göttlichen Wesen hoch in Ehren hält. Und doch gibt es für diejenigen, welche daran glauben, dass der Mensch ein Geist ist -- oder wie man sich gewöhnlich ausdrückt, einen Geist besitzt-- keine andere Alternative.

10. Ein weiterer, jedoch nur für jene, welche an die Unsterblichkeit des Menschen glauben, gültiger Beweis liegt darin, dass alles, was einen zeitlichen Anfang hat, auch ein Ende haben muss, und dass das notwendige Korrelativum der Unsterblichkeit nach de-m Tode die ewige Existenz vor der Geburt ist. Dies war auch der Grund, weshalb Hume erklärte, Metempsychosis sei die einzige von den verschiedenen Seelentheorien, welche die Philosophie zustimmen könne; denn was unzerstörbar ist, kann auch nicht geboren werden". Ein Denken, welches sich zur Würde der Philosophie erheben will, muss entweder die Reinkarnation anerkennen, oder annehmen, dass mit dem Tode jede individuelle Existenz aufhört.

11. Ist es ferner nicht nahezu unvernünftig, wenn man die Unsterblichkeit der geistigen Intelligenz im Menschen zugibt, gleichwohl zu behaupten, dass eine solche Intelligenz zur Welt kommt, um z. B. den Körper eines Fiji-Insulaners zu bewohnen, diesen dann wieder verlässt und niemals wiederkehrt, um die unzähligen Aufgaben, welche das Erdenleben uns lehren kann, und welche er bisher noch nicht gelernt hat, noch zu erlernen? Wir sehen doch, um wie viel höher als ein Fiji-Insulaner ein geistig und sittlich entwickelter Mensch sich auf Erden erheben kann; warum sollte denn diese Intelligenz das Erdenleben verlassen, ehe sie alle ihre Aufgaben gelernt hat? Würde eine solche unerfahrene Intelligenz in eine Sphäre höheren, spirituellen Lebens versetzt, so wäre dies ähnlich, als wenn man einen Knaben von der untersten Klasse der Volksschule zur Universität schicken wollte. Der gesunde Menschenverstand sagt uns, dass diese Intelligenz von Zeit zu Zeit zurückkehren müsse, um, nachdem die Ferienzeit vorüber ist, und sie nach Absolvierung der höchsten Klasse alles gelernt hat, was diese Schule ihr zu bieten vermochte, dann in weitere Lebenskreise und zu den tieferen Lehren der Universität überzugehen.

12. Auf Grund der Analogie sind wir zu der Annahme von der Koexistenz der zeitlichen und der ewig fortdauernden Elemente in einem Lebenszyklus berechtigt. Die Blätter eines Baumes entschlüpfen den Knospen, entwickeln sich und fallen wieder ab; während ihrer Lebensdauer nehmen sie Nahrung auf, verwandeln sie in für den Baum nützliche Substanzen, übertragen das Ergebnis ihrer Lebensbestimmung auf den Baum, -- und sterben dann ab. Sie selbst erheben sich nicht wieder, aber der Baum lebt fort und treibt im kommenden Frühlinge neue Knospen und Blätter. Ebenso verhält es sich auch mit der Persönlichkeit: sie lebt, sammelt Erfahrungen, verwandelt diese in bleibende Werte, übermittelt sie dem sie überlebenden Baume, welchem sie ihren Ursprung verdankt und vergeht dann. Nach Ablauf des Winters treibt das Ego eine neue Persönlichkeit zu ähnlichen Zwecken hervor, um auf diese Art das Wachstum des Menschenbaumes zu fördern und ihn zu ernähren. So sehen wir überall in der Natur, wie das Zeitliche dem Überlebenden dient, indem es für das Gedeihen jenes fortdauernden Lebens wirkt, von welchem es selbst nur ein zeitlicher Spross ist.

13. Die sich in Zwischenräumen immer wiederholenden Geschichtsperioden weisen darauf hin, dass eine grosse Anzahl von Personen gleichzeitig und sozusagen in Masse zur Wiederverkörperung gelangen. Nach Ablauf von fünfzehnhundertjährigen Epochen sehen wir Typen des Verstandes und der Charaktere wieder auftreten, welche dem Anfang solcher Perioden einen gewissen Stempel aufdrückten. Wenn der Schüler, von dieser Idee ausgehend, das Zeitalter des Augustus in der römischen Geschichte mit der Zeit von Elisabeth in England vergleicht, wenn er dann die Charaktere der erobernden, kolonisierenden, ein Weltreich aufbauenden Römer mit jenen der Engländer der genannten Zeit nebeneinanderstellt; wenn er ferner die Strömungen religiösen Denkens im 4. und 5. Jahrhundert nach Christus mit jenen des 18. und 19. Jahrhunderts vergleicht; dann wird er wahrscheinlich Parallelen für das erstere finden und sich überzeugen, dass das Wiederaufleben mystischen und gnostischen Forschens in unseren Tagen eine Wiederholung der Zeiten zu Ende des 4. Jahrhunderts erkennen lasse. Wenn er in dieser Richtung eine Zeitlang seine Studien fortgesetzt hat, wird er einsehen, dass, wenn in theosophischen Büchern die Behauptung aufgestellt wird, dass eine Periode von fünfzehnhundert Jahren der gewöhnliche Zwischenraum zwischen zwei Inkarnationen sei, dies mehr als eine blosse Phantasie oder ein leeres Hirngespinst sei.

14. Das Aufblühen und der Verfall einzelner Menschenrassen erklärt sich am einfachsten durch die Hypothese der Reinkarnation. Man hat beobachtet, dass einzelne Rassen trotz aller Anstrengungen, welche zur Verhinderung ihres Unterganges gemacht wurden, dennoch aussterben; ihre Weiber werden unfruchtbar, daher nimmt ihre Zahl stetig ab, und ihr gänzliches. Erlöschen ist nur eine Frage der Zeit. Wer an die Wiederverkörperung glaubt, erklärt dies also: Die Egos verlassen diese Rasse; denn sie haben alles gelernt, was in dieser besonderen Daseinsform zu lernen möglich war. Die Egos, welche dereinst ihre Kinder beseelten, haben sich nun einer anderen Rasse zugewendet; es sind demnach keine Kinder-Egos mehr vorhanden, um in ihr den ersten Unterricht uranfänglicher Erfahrungen durchzumachen, und weil auf der Ebene der Ursachen kein Bedürfnis mehr für sie vorhanden, so muss sie notwendig verschwinden. -- Ebenso finden wir auch, dass, wenn eine Rasse den Höhepunkt ihrer Bestimmung erreicht hat, ein allmählicher Niedergang beginnt, und gleichzeitig eine andere Rasse emporzusteigen anfängt, ja sich in eben dem Grade erhebt, wie die andere sinkt. Die vorangeschrittenen Egos, welche einen Rassen-Typus bis zu den äussersten Grenzen für sich ausgenützt haben, suchen sich nämlich andere Typen mit höheren und weiterreichenden Fortschritts - Möglichkeiten, und indem sie es den noch weniger weit vorangeschrittenen Egos überlassen, sich in dem ersteren Typus zu inkarnieren, wenden sie selbst sich einer jüngeren Rasse zu, und so geht es in der Reihe fort, so dass sich immer weniger und weniger fortgeschritteneEgos in der ersteren Rasse wiederverkörpern, welche dadurch allmählich degeneriert, bis endlich der oben erwähnte Zeitpunkt eintritt, und die Anzeichen herannahenden Aussterbens erscheinen.

Ich könnte noch verschiedene andere Beweise für die Wahrheit der Lehre von der Wieder Verkörperung vorbringen, allein der beschränkte Raum zwingt mich, es hiemit genügen zu lassen. Ein ernster, vor keiner Mühe zurückschreckender Schüler wird mit dem Wachsen seiner Erkenntnis selbst noch weitere auffinden können.

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1) Der beste Beweis für die Richtigkeit der Lehre von der Reinkarnation wird dadurch erlangt, dass man durch die Vereinigung mit dem höheren Ich auch dessen Bewusstsein und Gedächtnis erlangt und sich der früheren Daseinsformen desselben erinnert. (H.)
2) Eine solche Person scheint unter anderen der Graf de Saint Germain gewesen zu sein, und dass derselbe, wie auch Cagliostro usw. im Konversationslexikon als "Betrüger" verzeichnet sind, tut nichts zur Sache. (H.)
3) Ein drastisches Beispiel hierzu liefert die Geschichte des zur Zwangsarbeit in Sibirien verurteilten Professors der Philosophie in Moskau, Vaszilij Jakszakow. -- Berlin 1892.
4) Wir dürfen nie vergessen, dass weltlicher Rang, Reichtum etc. durchaus nicht gleichbedeutend sind mit guten oder schlechten Umgebungsverhältnisscn. In dem im Texte zuerst beschriebenen, extremen Fälle sind die Umgebungsvervcrhaltnisse ausgesprochen schlecht, aber im zweiten Falle konnte das Ego auch nebenbei von weltlichen Sorgen etc. umgeben sein, gerade weil es das Recht auf Gelegenheit zum Wachstum erworben hat. Ein mitlelmässig selbstsüchtiges Leben kann das sich reinkarnierende Ego zu sehr behaglichen physischen Verhältnissen hinziehen, in welchen die Selbstsucht leicht erwacht und sehr gefördert wird.
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