LICHT AUF DEM PFAD

(Nota Bene. In Klammer wurde der Pali Wort gesetzt, auf die sich der Text bezieht)


TEIL I
Diese Regeln sind für Laienbrüder geschrieben worden; sie enthalten Anweisungen, die beachtet werden sollten!
Ehe die Augen sehen können, müßten sie nicht mehr weinen können; ehe die Ohren hören können, sollten sie (den Lärm dieser Welt) nicht mehr hören können. Ehe der Laienbruder vor dem Meister sprechen kann, muß er soweit sein, damit niemand mehr verletzt werden kann; ehe die Seele sich befreien kann, muß sie ihre Füße im Herzen waschen.
1. Bringe den Ehrgeiz zur Ruhe
Kommentar: Der Ehrgeiz ist eine der größten Fesseln des Menschen; damit versucht der Mensch sich immer wieder vor den andern zu stellen. Der Ehrgeiz ist auf weltliche Belohnung bedacht, so daß er den Menschen, um die Bemühungen der inneren Werte beraubt. Auf dem Pfad jedoch, ist er ein Lehrmeister. Die Erfolge des Ehrgeiz verschwinden schnell, wie Staub und Asche. Es ist leicht zu sagen: "Ich will nicht mehr ehrgeizig sein", aber nicht so leicht wird es sein, die Reinheit in deinem Herzen zu finden, wenn der Meister in dir lesen wird. Deshalb, lasse dich nicht irre führen, und arbeite stets an dir. Der wahre Künstler, der sein Werk liebt geht den Pfad besser als der Wissende, der zwar erkennen will, jedoch seine Sinne nach wie vor gefesselt hält; derjenige, der nur das Wissen sucht, schiebt in Wirklichkeit nur seine Probleme in die Weite, denn er wird die Grenze der Erfahrung kennen, sein Verlangen aber nach den Dingen nicht gestillt haben. Die gleichen Überlegungen gelten auch für die nachfolgenden Regeln; verweile darin, überlege sie richtig und somit kannst du auch die dabei entstandenen Fehler leicht beseitigen; wenn sie aber in dir bleiben, können sie wachsen, und werden dir später mehr Leid bringen.
2. Bringe den Wunsch nach Leben zur Ruhe (tanhâ)
3. Bringe den Wunsch nach Sinnlichkeit zur Ruhe(Kâma)
4. Arbeite, wie die arbeiten, welche ehrgeizig weltliche Ziele verfolgen. Respektiere das Leben genauso wie die, welche es gerne genießen wollen. Sei glücklich gleich wie diejenigen, welche nach Glück streben.
Suche in deinem Herzen die Wurzeln des Übels (Mula upâdâna) und reiße sie heraus. Wenn sie nicht heraus genommen werden, werden sie wachsen, sich auswirken, und zum Schluß zur Ruhe kommen, wie eine Pflanze. Diese Wurzeln sind im Menschen seit Urzeiten; sie sind das Ergebnis der früheren Erfahrungen. Sie sind wie Feuer, sie brennen, und deren Vertilgung wird schmerzen, wie wenn Blut herausfließt. Aber es ist wie eine Prüfung, sie muß bestanden werden. Ob die Prüfung jetzt oder später kommt, tut nichts zur Sache, sie muß bestanden werden. Aber bedenke oh Laienbruder, das zur Ruhe bringen dieses Feuers (tanhâ, Kâma), muß geduldig getragen werden; setze alle deine Kräfte ein, um den Kampf zu gewinnen. Nicht mit der Vergangenheit, nicht mit der Zukunft, mußt du Dich beschäftigen, sondern mit dem, was dir jetzt zustößt. Setze die gerade laufende Zeit so, als ob dies ewig sei. Denn wenn das Unkraut jetzt gelöscht ist, tritt es nie mehr in Erscheinung; das Unkraut hat dann keine Wurzeln mehr. Tilge dieses Unkraut JETZT.
5. Bringe den Wunsch nach Getrenntsein zur Ruhe (Sakkâya ditthi)
Nehme nicht an, du könntest dich absondern, allein leben ohne die Toren, ohne die Verbrecher; sie sind du selbst (nach der Lehre des Bardo Thödol), dein Freund, dein Meister. Der Gedanke des Getrenntseins vom Übel, sei dies ein Ding oder Mensch, isoliert dich, ohne daß du siehst, daß die Übel in der Welt, deine Übel sind. Sieh ein, daß dein Karma, mit dem Karma anderer, unlösbar ist. erkenne, daß du nicht allein sein kannst. Denn Du bist ein Teil vom Gesamtkarma. Ehe du Erkenntnis erreichen kannst, mußt du alle Orte durchqueren, sowohl die Reinen als auch die Unreinen. Erkenne, daß das schmutzige Kleid deines Bruders, einmal deines war, und morgen deines sein kann. Erschrecke deshalb nicht, und wenn du meinst dich von ihm abwenden zu können, so wird das Kleid an dir haften, wenn es morgen auf dich geworfen sein wird. Die Selbstgerechtigkeit lauert auf dir mit ihrem Bett voller Schmutz. Verzichte auf das Getrenntsein ( Sakkâya ditthi), nicht weil dies gerecht erscheint, oder du meinst dies sei gerecht (Selbstgerechtigkeit), sondern weil das Getrenntsein dich vom Leiden deiner Brüder trennt.
6. Bringe den Wunsch nach sinnlichem Begehren zur Ruhe (Kâma râgo)
7. Bringe den Wunsch nach Werden zur Ruhe (verbleiben im Zustand des Werdens)
8. Doch schaue, daß du dich entwickelst, wie es sein soll, denn nichts, ob von dir getrennt oder nicht, kann dir helfen, zu werden, was du werden willst; sei stets bemüht, offen zu sein, zu lernen, zu ergründen, wie eine Blume, sich dem Licht zu wendet. So wirst du wachsen, dem Ewigen entgegen. Doch nur die Mühe, die zu den Edlen gerichtet ist, wird dich vorwärtsbringen, dich zum Guten verändern. Während die Mühe, um sinnliches Begehren dich verhärtet und den Weg nach oben versperrt.
9. Bemühe dich, was in deinem Inneren ist, zu erreichen.
10. Bemühe dich, was über dir ist, zu erreichen.
11. Bemühe dich, was scheinbar nicht erreichbar ist, zu erreichen.
12. Denn in dir ist das Licht der Welt, - das einzige, das dir den Weg beleuchten kann. Findest du es nicht in dir, dann wirst du es nirgendwo finden. Es ist über dir, unerreichbar, und wenn du es erreichst, wirst du eingehen, du wirst dich dem Licht nähern, erreichen wirst du es aber nie.
13. Sei tatkräftig (viriya).
14. Sei friedlich.
15. Bemühe dich um Besitz.
16. Doch der Besitz, den die Seele sich aneignen kann, der als ein Sondergut nur der Allgemeinheit als Ganzes dient, die Einheit des Lebens. Der Friede, wird dich festigen, und dir Tatkraft geben, um den Besitz für die Einheit des Lebens, zu erreichen.
17. Suche den Weg. Sei gewarnt. Der Weg muß um seiner selbst Willen gegangen werden; schwelge nicht in Visionen einer großen Zukunft.
Zwischen dieser 17ten Regel und des 17ten (2 mal 17) des zweiten Abschnitts besteht ein Zusammenhang. Wenn nach vielen Zeitaltern, Siegen, der letzte Kampf überstanden ist, die letzte Geheimnisse erforscht sind, so ist der Weg noch nicht beendet. Danach erschließt sich ein neuer Pfad, der die menschlichen Erfahrungen heute nicht kennt, jenseits aller heutigen Vorstellungen und Wahrnehmungen. An dieser Stelle angekommen, wo der letzte Kampf gewonnen ist, zeigt es sich, ob der Weg um seiner selbst Willen gegangen war oder nicht. Denn man muß hier ernst und gut überlegen, wie es weiter gehen soll. Zuerst zeigt sich der Weg und die Wahrheit, und dann kommt das Leben.
18. Suche den Weg durch die Ruhe (Passivität der Bewußtseinsforschung) nach innen.
19. Suche den Weg durch die (Aktivität der) Taten nach außen.
20. Dennoch sollst du den Weg nicht nur in einer Richtung suchen. Denn es gibt für jeden Typ von Menschen einen Weg. Der Hingebungsweg (mettâ maggo) ist der Einzige; auch durch Opfer oder eifrige Wahrheitsergründung allein, erschließt sich dem Laienbruder der Weg, der ihn vorwärts bringen wird. Alle diese, Hingebung, Opfer, Ergründung der Wahrheit, sind notwendige Zustände, die einer nach dem anderen schrittweise überwunden werden müssen; diese sind wie die Sprossen einer Leiter, sie werden dir helfen hinauf zu steigen. Und Sprossen sind auch deine Tugenden; sie werden gebraucht, um tätig zu sein, ohne Taten, kannst du nicht leben. Deine Tugenden sind ohne Taten wertlos. Passiv schaffen sie dir einen Zustand des Friedens. Aber um den Weg zu finden, bedarf es beides; passiv und aktiv sein, denn es ist der Mensch selbst, wie er sich gibt, der Weg, die Wahrheit, das Leben. Erst wenn der Mensch erkannt haben wird, daß er ein Selbst hat (Atmâ), mit dem er Dinge (Khandha), um sich selbst erschaffen hat , und daß diese Dinge leiden, (1. Edle Wahrheit), und er, sich dessen bewußt ist, daß er das Selbst erreichen will, kann er langsam seine Entwicklung in Angriff nehmen, bezwecken, erreichen. Wenn er dies weiß, daß sein zur Zeit erkanntes Getrenntes Leben doch nur eine Einheit ist zu der hin geht, dann hat er den Weg erkannt.
Suche den Weg, in dem du in dein Inneres tauchst; suche ihn, in dem du deine Erfahrung prüfst; suche ihn, in dem du die Bedeutung des Entstehen, Werden, Vergehen, Ruhen in allem erkennst, deine Brüder sind. Suche ihn durch Vertiefung in die Gesetze des Seins, der Natur, des Ubersinnlichen, suche ihn in den tiefen deiner Seele, in dem du dich neigst vor jedem funkelnden Stern in dir. Das Licht dieser Sterne wird dich begleiten, wenn du auf ihn schaust, sie verehrst. Deshalb sei wachsam, und halte dich nicht getrennt von allen anderen. Wenn du so weit bist, wisse, daß du den Weg gefunden hast. Und wenn du das Ende gefunden hast, wird dir das Licht deiner Seele zu einem unendlichen Licht werden.
Suche den Weg, in dem du alle deine Erfahrungen prüfst (Kalamer Lehrrede), doch bedenke, daß ich damit nicht sage:"Gib den Versuchungen nach, gibt den Sinnen nach, um zu Erfahrungen zu kommen, Erkenntnisse zu gewinnen"; solange du den Zustand des Stromeintritts noch nicht erreicht hast, kannst Du es tun, nicht aber nachher. Wenn du den Pfad gefunden und betreten hast (Stromeintritt), wirst du die Versuchungen nicht ohne Scham überstehen können. Doch kannst du diese Versuchungen prüfen, wägen, beobachten, erkennen lernen, und mit der nötigen Geduld wirst du die Stunde erwarten, bis sie dich nicht mehr berühren. Während dieser Zeit, in der du lernst, dies zu überstehen, verachte nicht den, dem dies noch unterliegt, sondern strecke deine helfende Hand nach ihm aus, dessen Füße vor Schlamm schwer geworden sind (1.Pforte : Erbarmen für Notleidende). Bedenke oh Laienbruder, wie schwer der Unterschied zwischen dem Gerechten und dem Sünder auch sein mag, viel größer der ist, welcher zwischen dem Gerechten und dem Initiierten, der auf der Schwelle der Göttlichkeit steht. Deshalb sei wachsam, daß du dich nicht zu früh für etwas hältst, was du nicht bist, und dich so, von der Masse abhebst.
Die Sinne, das Herz, das Verstehen sind dunkel, bis der erste Kampf gewonnen ist. Verliere deinen Mut nicht bei dem Anblick dieses Elendes, sondern richte deine Aufmerksamkeit auf das aufdämmernde Licht, um vorwärts zu kommen. Dennoch, wenn du weißt, daß es bei dir so finster ist, nutze diese deine Einsicht, um die Not anderer zu sehen, und erkenne, daß auch diese in Dunkelheit, Hilflosigkeit, stehen. Tadel sie nicht, weiche nicht von Ihnen zurück, sondern versuche Hilfe zu leisten. In dem du dies tust, hilfst du das Karma der Welt zu erleichtern. Leihe deinen Beistand denjenigen, die schwach sind, welche von den Mächten der Finsternisse zurückgehalten werden, den Sieg zu erreichen. Dann trittst du in die Brüderschaft der Seligen ein (Sangha), welche zwar mühselig beladen und in tiefer Sorge für die Notleidenden sind, aber auch große Freude erfahren und ernten können.
21. Erwarte das Blühen der Blumen nach dem Sturm, nicht vorher.
Der Kelch der Blumen wird sich erst öffnen, nachdem der Kampf vorbei ist. Wohl werden sie die Zustände des Entstehens, durchmachen, in dem sie Zweige und Knospen bilden werden, doch die Blüte wird erst kommen, nach dem Sieg des Menschen über seine Persönlichkeit (Sieg über die Khandhas). Erst wenn die Persönlichkeit nur die Dienst Funktion der höheren Teile der Konstitution des Menschen eingenommen haben wird, wird sich die Blüte der Blumen zeigen. Dann wird Ruhe eintreten. Dein gequälter Geist wird sich beruhigen, und diese Stille wird dir eingeben, daß du den Weg gefunden hast. Nenne diese Blumen, Boten, Eingebung, der Name tut nichts zur Sache. Durch kein Gleichnis kann dies beschrieben werden, aber man kann es erfahren, selbst in mitten des Gefechtes. Diese Stille kann einen Augenblick, Stunden, Tagen, Jahre andauern, - sie wird aber vergehen ( Dhammacakkam) - dich aber gestärkt hinterlassen. Du wirst die Kraft dieser Stille in dir tragen. Damit wirst du den Kampf immer wieder ansetzen, um zum Sieg zu kommen. Denn die Natur kennt nur eine Pause, zwischendurch, nicht aber endgültige Stillstand.
Das Blühen der Blüte ist die Zeit des Erwachens der Erkenntnis; zu dieser Zeit kommt Vertrauen, Gewißheit, über den eingeschlagenen Weg (Einsicht in die Richtigkeit über die 4 edlen Wahrheiten). Die Ruhepause der Seele ist die Zeit der Bewunderung, nach der, die Stille, der Frieden kommt.
Wisse, oh Laienbrüder, daß jene, welche die Stille erfahren, die Kraft erlebt haben, sich danach sehnen, daß auch du sie erlebst. Deswegen 2warten diese, die sich danach sehnen, auch anderen das Erleben der Kraft der Stille zu ermöglichen, stets auf geeignete Kandidaten. Der, welcher die Halle des Lernens betreten hat (die 1. Pforte der "Stimme der Stille"), wird auch seinen Meister (Initiierter) finden, der ihn begleiten wird.
Der, welcher dann bittet, wird empfangen. Doch unterscheide, der weltliche Mensch bittet auch, aber seine Stimme bleibt unerhört. Denn er bittet nur für sich selbst, für die Befriedigung seines Verstandes. Die Bitte kommt nicht höher, sie bleibt auf der (sterblichen) Ebene stehen. Darum sage ich:"Nicht bevor die ersten ( hier genannten) 21 Regeln gelernt und praktiziert werden, werden jene, die bitten, das erhalten, wonach sie sich sehnen.
Lesen, bedeutet mit den Augen des Geistes sehen. Bitten, bedeutet der Durst nach geistigen (unsterblichen) Werten. Wer lesen kann, wird auch fähig sein, wenn auch mangelhaft, seinen Durst zu stillen. Ist der Laienbruder bereit die Lehre aufzunehmen, dann wird er auch aufgenommen, bestätigt. So wird als richtig angesehen, daß er das Feuer angezündet hat, so daß er nicht unerkannt bleiben kann. Aber lernen ist unmöglich, wenn der erste große Kampf nicht gewonnen ist. Der Verstand mag die Wahrheit erkennen, aber der Geist sieht ihn nicht an. Die Wahrheit ist auf der Ebene des Verstandes stehengeblieben. Ist aber der Laienbruder durch den Sturm gegangen und hat die Kraft der Stille, des Friedens, erlebt, dann wird der Geist, die Wahrheit einsehen können, so daß das Lernen möglich sein wird. Die Stimme der Stille wird in ihm bleiben, selbst wenn er zeitweise, vom Strudel der Welt erfaßt wird, den Leidenschaften erliegen wird; eines Tages wird er diese Stimme wieder hören, und seine Leidenschaften vom Göttlichen trennen (vergl. Die Stimme der Stille: das Tier kann sich niemals mit dem Engel vereinigen, eines davon (Tier oder Engel, sprich Individualität oder Persönlichkeit des Menschen) muß weichen). Unter Schmerzen und Geschrei wird es sich besinnen und umkehren.
Beachte diese drei Wahrheiten: sie sind gleichwertig (Die drei hier diesbezüglichen Wahrheiten sind im Heft von Mabel Collins, 8. Kapitel "das Lied von dem weißen Lotus" zu finden. Diese sind:
1. Die Individualität des Menschen ist unsterblich. Ihr steht bevor ein unbegrenztes Wachstum.
2. Die Kraft, welche das Leben ermöglicht, ist in und außer dem Menschen; sie ist unvergänglich, ewig gut wirkend, unsichtbar und mit den Sinnen nicht wahrnehmbar, aber erfahrbar für den, der Initiiert in den Mysterien von Leben und Tod ist.
3. Jeder Mensch gibt sich sein Los, Glück oder Elend, gib sich selber Verdienst und Schuld).
Der Friede sei mit dir.
TEIL II
Und aus der Stille, die Frieden ist, hört man eine Stimme. Und diese wird sagen: Es ist nicht recht; du hast geerntet, nun mußt du säen. Und im Bewußtsein, daß diese Stimme, die Stille selbst ist, wirst du gehorchen.
Denn du bist nun ein Laienbruder, fähig zu sehen und zu hören, zu stehen, zu sprechen, die Überwindung gelernt hat, die Erkenntnis des Selbst erreicht hat, die Seele in der Blüte erschaut, die Stimme der Stille gehört hat; in dem du dies weißt und die Halle des Lernens betrittst, kannst du dann hier (hell) lesen, was für dich geschrieben steht. Sehen und hören, bedeuten hier, sehen und hören mit der Seele (Hellsehen und -hören); stehen bedeutet Vertrauen in den eingeschlagenen Weg haben, sprechen bedeutet anderen helfen zu können. Die Überwindung gelernt haben, bedeutet gelernt zu haben wie die Leidenschaften unter Kontrolle zu halten sind. Das erreichen der Erkenntnis bedeutet fähig sein die Dinge zu betrachten, unparteilich. Die Seele in der Blüte zu erschauen bedeutet einmal die Veränderung in dir erschaut zu haben, die dich aus dem Menschsein erheben wird. Dies zu erkennen ist die schwierige Aufgabe, die jedem bevorsteht; wird dies erkannt ohne davor zurück zu schrecken, dann ist der Sieg so gut wie sicher. Die Stimme der Stille gehört zu haben bedeutet, zu verstehen, daß allein im Inneren des Menschen der wahre Meister zu finden ist. Das Eintreten in die Halle des Lernens ist das Eintreten in den Zustand des inneren Vernehmen dieses Meisters. In diesem Zustand vernimmt dann der Mensch auch das, was für ihn geschrieben steht. Denn ist der Laienbruder so weit, daß er dies alles vernehmen, betrachten kann, dann wird er auch dies 2erkennen.
1. Stehe beiseite im Kommenden Kampfe, und wenn du kämpfen willst, dann sei nicht der Krieger.
2. Halte nach dem Krieger Ausschau, und lasse ihn in dir kämpfen.
3. Nimm seine Befehle zum Kampf auf und befolge sie.
4. Gehorche ihm nicht, wie einem Feldherrn; sondern gehorche ihm als wäre er du selbst und der Befehl deiner eigenen Wünsche; denn er ist du selbst, jedoch weiser und stärker als du. Halte Ausschau nach ihm, denn in der Eile des Gefechtes wirst du ihn nicht erkennen, so daß du an ihm vorbei gehst. Wenn dein Ruf sein lauschendes Ohr erreicht, dann wird er in dir kämpfen. Und wenn dies geschieht, dann kannst du mit dem Gleichmut, siegen. Er ist dein Selbst, und während du dich irrst, irrt er sich nicht; du bist unter endlichen Bedingungen der Täuschungen ausgesetzt, er nicht, er ist unfehlbar. Er ist die einzige Wahrheit (Atmâ). Ist er einmal in dir eingezogen und dein Streiter geworden, dann wird er von dir nicht mehr weichen. Und an dem Tag des großen Friedens wird er Eins mit dir sein.
5. Lausche der Melodie des Lebens.
Lausche zuerst in deinem Herzen. Anfangs sagst du vielleicht: dort finde ich nichts, und wenn ich dort suche, finde ich nur Mißklang. Dann suche weiter und tiefer, tiefer. In jedem Menschenherz schlägt eine natürliche Melodie, ist eine versteckte Quelle, zu finden; sie mag verdeckt sein, doch sie ist da; in dieser Tiefe wirst du Glaube, Hoffnung, Liebe, finden. Wer das Böse wählt, will nicht in sein Inneres schauen. Dies tut er, weil es bequem ist, seinen Leidenschaften zu folgen. Aber auf dem Grunde fließt der starke, unaufhaltsame Strom; die Wasser des Lebens. Finde sie, und du wirst erkennen, daß jedes Ding, sei dies auch das elendeste Ding, Teil dieses Stromes ist, so sehr es sich dieser Tatsache verschließen mag und so trügerisch erscheinen mag. In diesem Sinne ist es, wenn ich dir sage: Alle Wesen, neben denen du dich entwickelst ist die Täuschung, daß es dir schwer fällt in allem die liebliche Stimme im Herzen anderer zu hören. Wisse, aber, daß diese auch in dir selbst zu hören ist, nicht aber nur in Anderen. Suche sie in dir, und wenn du sie einmal vernommen hast, wirst du sie um so leichter auch in anderen erkennen.
6. Bewahre in deinem Gedächtnis diese Melodie.
7. Lerne der Klang dieser Melodie.
8. Du kannst nun aufrecht stehen, fest, wie ein Fels in mitten des Kampfes, dem Krieger (Atmâ) gehorchend, deinem König. Du weißt, daß wenn du dich ihm anvertraust, du siegen wirst. So stehend, kühl und wach, gebrauche das Ohr, um zu hören, wie Leid entsteht, wächst, vergeht, ruht. Nur Bruchstücke dieser Lieder kommen zu deinem Ohr an, solange du noch Mensch bist. Doch bewahre selbst diese Bruchstücke in dir auf und bemühe dich den Sinn zu verstehen. Mit der Zeit wirst du keinen äußeren Lehrer mehr brauchen; denn, Stimmbegabt wie der Mensch, ist jedes andere Wesen auch, in der Welt. Die Stimme der Dinge dieser Welt sind nicht so schreiend wie du, sie sind leise, melodisch. Erkenne deshalb, daß diese Melodie ein Teil deiner Selbst ist und lerne sie zu verstehen.
9. Prüfe mit Eifer alles, was um dich herum ist (Kalamer Rede).
10. Lerne in das Herz des Menschen zu schauen.
Aber tue dies unpersönlich, sonst ist dein Blick verzerrt. Lerne daher zuerst was die Bedeutung von unpersönlich ist. Unparteiisch sein, bedeutet: niemand ist dein Freund, niemand ist dein Feind; einer wie der andere ist dein Lehrer. Dein Feind, der vor dich tritt, ist ein Geheimnis, das ergründet werden muß, selbst wenn Jahrtausende dieser Erkenntnisprozeß dauern sollte; dein Feind ist ein Teil von dir selbst (Bardo Thödol System) genauso wie dein Freund; Ein schwer zu lösendes Rätsel, das aber sich löst, sobald die Bindung zwischen der Persönlichkeit und der Individualität sich lockert; dann erst wirst du Einblick in die Geheimnisse des Selbstes haben können; die darin enthaltene Kraft wirst du würdigen und in Dienst stellen.
11. Am eifrigsten Schaue dein eigenes Herz an.
12. Denn nur durch das eigene Herz wird das Licht leuchten, das dir dann möglich machen wird zu sehen mit deinen (hellen) Augen. Schaue in das Herz anderer nur um zu erkennen, wie die Welt in der du lebst ist. Die Welt ist ein Teil von dir. Erkenne die Vergänglichkeit dieser Welt, von Menschen gestaltet. In dem du dies lernst, wirst du dann fähig sein, das große Wort des Lebens zu verstehen.
13. Die Sprache wirst du durch das Wissen lernen. Lerne wie Wissen gewonnen wird, und du wirst die Sprache (des Lebens) sprechen können. Es ist nicht möglich anderen zu helfen ohne vorher sicher zu sein, daß der eingeschlagene Weg, richtig ist. Die ersten 21 Regeln geben dir eine Gewißheit, wenn du sie praktizierst, daß du in die Halle des Lernens eingetreten bist (Stromeintritt), so daß du dann wissen wirst, daß die Quelle, aus der die Sprache entstehen wird, in dir ist.
Nach der 13ten Regel habe ich alles gesagt, was zu sagen war.
Meinen Frieden gebe ich dir.
*
Die folgenden Anweisungen sind nur für diejenigen geschrieben, welchen ich meinen Frieden gebe; für jene, welche mit den inneren und äußeren Sinnen lesen können, was ich schreiben werde. Den Frieden geben, bedeutet so wie der Meister zu sein; der Laienbruder muß so weit sein dem Meister ohne Schwierigkeit folgen zu können.
14. Hast du deine Sinne unter Kontrolle, deine Leidenschaften besiegt, das Wunsch-Denken überwunden, das Wissen über die Wahrheit erreicht, dann oh Laienbruder, bereite dich, wirklich den Pfad zu betreten. Gefunden ist der Weg, nun mußt du ihn wandern.
15. Frage die Erde, die Luft, das Wasser nach ihren Geheimnissen, die sie in sich bergen. Die bereits erreichte Entwicklung wird dich befähigen, dies zu tun.
16. Frage die Initiierten dieser Erde nach den Geheimnissen, die sie für dich bereithalten. Der Sieg über deine Leidenschaften wird es dir ermöglichen, mit Recht, dies zu tun.
17. Frage sie nach dem Einen, letzten Geheimnis, das er seit je her hütet. Der große und schwere Kampf, das Besiegen der 2Leidenschaften ist das Werk von je her; erwarte nicht, daß dir alles anvertraut wird, ehe du die Erfahrung von Zeitaltern in dir gesammelt hast. Wenn die Zeit kommt, in der diese 17te Regel angewendet werden kann, dann wird sie aus dem Menschen, einen Übermenschen machen.
18. Das Wissen ist nun dein Eigentum, da du Eins mit Allem geworden bist. Es ist ein anvertrauter Schatz, vom Höchsten. Doch täusche nicht sein Vertrauen, noch mißbrauche es, noch lasse es brach liegen, wo du es hättest gebrauchen können: tust du dies, dann ist der Sturz, selbst aus dieser Höhe noch möglich. An dieser Schwelle angekommen, weichen Viele zurück, unfähig die hohe Last der Verantwortung zu tragen, und unfähig weiter vorwärts zu gehen. Deshalb bedenke mit Ehrfurcht und Bangen dieses Augenblicks und rüste dich für den Kampf im voraus. Für den, der hier angekommen ist, steht geschrieben, daß keine Regeln mehr gegeben werden können, kein äußerer Meister mehr da ist, der ihn leiten könnte. Doch, um dem Laienbruder im letzten Kampf zu helfen, steht geschrieben:
19. Halte dich an das, was weder Stoff noch Geist hat.
20.Lausche nur der lautlosen Stimme.
21. Schaue nur das, was sowohl den inneren als auch den äußeren Sinnen verborgen bleibt.
Der Friede sei mir dir.

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