Die Lebensdauer dieser beseelten Gedankenformen hängt zunächst von ihrer Ursprungskraft ab, d. h. von der Willensstärke, welche ihr menschlicher Erzeuger in sie gelegt hat; sodann von der ihnen nach ihrer Erzeugung gelieferten Nahrung, welche in der Wiederholung des Gedachten entweder durch den ursprünglichen Erzeuger oder durch andere besteht. Durch solche Wiederholung kann ihr Leben fortdauernd verstärkte Kraft erlangen; ein Gedanke, über den der Mensch brütet und dem er sich wiederholt eingehend hingibt, erlangt auf der psychischen Ebene eine Gestalt, die lange der Auflösung widersteht. So ziehen sich auch Gedankenformen ähnlichen Charakters einander an und stärken sich gegenseitig, so dass sie schliesslich ein sehr willensstarkes und lebensfähiges Gebilde in der astralen Welt darstellen.
Gedankenformen bleiben mit ihrem Erzeuger in einer Art magnetischer Verbindung -- wir haben keinen passenderen Ausdruck dafür; sie wirken auf ihn zurück und beeinflussen ihn
in der Art, dass sie ihn zu ihrer Wiedererzeugung veranlassen. Wird -- wie oben erwähnt -- eine Gedankenform durch wiederholtes Nachdenken gekräftigt, so wird der betreffende Gedanke zu einer bestimmten Gewohnheit, es entsteht gleichsam eine Form, in welche der Gedanke leicht hineinfliesst, entweder, wenn er erhabenen Charakters ist, zu einer heilsamen
Wirkung als edles Ideal, oder wenn, wie leider meistens der Fall, niedrig, als ein schlimmes Hindernis geistigen Wachstums. Bei der Entstehung von Gewohnheiten wollen wir einen
Augenblick verweilen, da sich dabei das Wirken des Karma im Kleinen zeigt und der Weg erkennbar wird, auf welchem man sich dies Wirken zu Nutzen machen kann. Nehmen wir
einmal das fertige Dasein einer vergangenheitslosen Vernunftwesens an -- natürlich in sich eine Unmöglichkeit; aber durch: die Annahme wird der zu zeigende springende Punkt klar werden. Man könnte sich vorstellen, ein solches Wesen handle, mit vollkommener Freiheit und Selbständigkeit und bringe eine Gedankenform hervor. Es wiederhole dies viele Male durch denselben Gedanken, bis ihm dies zur Gewohnheit geworden ist, zu einer ganz bestimmten Gewohnheit, so dass ohne eine bewusste, bestimmende Handlung des Willens der Intellekt unbewusst auf diesen Gedanken zurückkommt und seine Geisteskräfte auf ihn wirken lässt. Wir nehmen weiter an, dass dieser Mensch anfängt, diese Gewohnheit, so zu denken, zu missbilligen und sie als einen Hemmschuh auf seinem Wege zu empfinden. Ursprünglich war die Gewohnheit das Geschöpf, seines eigenen Intellekts und erleichterte ihm dadurch das Ausströmen der mentalen Energie, dass sie ihm einen bequemen Kanal bot; nun aber fängt sie an, ihn zu beengen; will er sich befreien, muss er neue intellektuelle Anstrengungen machen, um die Gewohnheit zu überwinden, diese lebendige Fessel zu schwächen und schliesslich zu zerstören. Da haben wir einen kleinen schnell durcheilten karmischen Kreislauf; der freie Geist schafft sich eine Gewohnheit und muss dann innerhalb dieser Schranken arbeiten; aber seine Freiheit behält er und kann von innen gegen jene selbstgesetzte Schranke an arbeiten, bis er sie schliesslich wieder niedergerissen hat. Natürlich sind
wir ursprünglich niemals frei, denn wir bringen unsere selbstgemachten Fesseln aus unsrer Vergangenheit schon mit; aber bei jeder einzelnen Fessel ist der Verlauf der eben dargestellten; der Geist schmiedet und trägt sie, und während er sie trägt, kann er sie durchfeilen.
Gedankenformen können auch durch ihren Erzeuger einzelnen Personen zugesandt werden, ihnen zum Heil oder Unheil, je nach dem Charakter des Elementarwesens, das sie beseelt. Es ist nicht nur ein poetischer Gedanke, dass gute Wünsche, Gebete und liebevolle Gedanken dem von Nutzen seien, für welchen sie bestimmt sind, sondern sie bilden wirklich eine schützende Schar um den Geliebten und wehren üblen Einfluss und Gefahr von ihm ab.
Aber der Mensch erzeugt nicht nur seine eigenen Gedankenformen und sendet sie aus, sondern er ist auch ein Magnet, welcher aus der ihn rings umgebenden Astralebene Gedankenformen Anderer anzieht, welche denen seiner eigenen Gedanken verwandt sind. Auf diesem Wege vermag der Mensch Kräfte zur Verstärkung seiner Willensenergie herbeizuziehen, und es hängt von ihm ab, ob diese aus der Aussenwelt ihm zuströmenden Kräfte heilsam .oder verderblich sind. Sind seine Gedanken rein und edel, so werden die Scharen wohltätiger Wesen in seine Nähe ziehen, und manchmal wird er sich vielleicht wundern, woher ihm solche Tatkraft kommt, die ihm, mit Recht, so viel grösser als seine eigene zu sein scheint. Ganz ebenso zieht ein Mensch voll niedriger und gemeiner Gedanken böswillige Wesen .an und begeht durch die so gestärkte böse Willenskraft Verbrechen, über die er nachträglich selbst erstaunt. "Ein Teufel muss mich in Versuchung geführt haben," ruft er aus, und so ist es; dämonische Mächte werden durch das Böse in ihm herbeigerufen und vergrössern dessen Gewalt. Die guten oder bösen Elementarwesen, welche die Gedankenformen beseelen, verbinden sich mit den Elementarwesen im menschlichen Begierdenkörper und mit denen, welche die eigenen Gedankenformen des Menschen beseelen, und werden auf diese Weise, obwohl von aussen kommend, im Innern des Menschen wirksam. Nur müssen sie Wesen ihrer eigenen Art im Menschen vorfinden, mit denen sie sich verbinden können, sonst sind sie nicht imstande, Wirkungen auszuüben.
Ferner: verschiedenartige Elementarwesen werden sich gegenseitig abstossen, der gute Mensch vertreibt schon durch seine blosse Atmosphäre, durch die ihn umgebende Aura, alles
Schlechte und Gemeine aus seiner Nähe. Sie umgibt ihn wie ein Schutzwall und hält ihm das Böse fern.
Noch eine andere Wirkung von weitgehender Bedeutung üben die Elementarwesen aus, die wir daher in dieser einleitenden. Übersicht der Karma-bildenden Kräfte nicht unerwähnt lassen dürfen. Nämlich die den oben erwähnten ähnlichen Gedankenformen bevölkern den Strom, und wirken gemäss ihrer Kraft-Intensität, auf jeden mit Nerven und Empfindung begabten Organismus, mit welchem er in Berührung tritt. Dieser Strom wirkt in irgend einer Weise fast auf jeden; je empfindlicher der Organismus, desto stärker die Wirkung. Elementarwesen gleicher Art haben das Bestreben, sich gegenseitig anzuziehen; sie vereinigen sich zu Klassen, sie haben die Neigung, sich ihrer Art nach zusammen zu gruppieren; sendet ein Mensch eine Gedankenform aus, so hält sich diese nicht nur mit ihm in magnetischer Verbindung, sondern wird auch zu anderen Gedankenformen ähnlicher Art hingezogen; diese tun sich dann auf der astralen Ebene je nachdem zu einer guten oder bösen Macht zusammen und bilden eine Art von Sammelwesen. Von diesen Ansammlungen, unter sich ähnlicher Elementarwesen rühren die oft so auffälligen, charakteristischen Merkmale einer Familie, einer lokalen oder nationalen Gesinnung her; sie bilden die astrale Atmosphäre, durch welche alles angesehen wird, und welche allen Gegenständen, auf die der Blick sich richtet, eine bestimmte Farbe verleiht; sie wirken auf die Begierdenkörper der zu ihrer Gruppe gehörenden Personen zurück und regen- in ihnen die entsprechenden Schwingungen an. Solche lokalen oder nationalen Umgebungen, sowie die der Familie, beeinflussen sehr weitgehend die Tätigkeit des Einzelnen und beschränken sehr stark die freie Ausübung seiner Fähigkeiten. Alle Gedanken, die an ihn herantreten, kann er nur durch die ihn umgebende Atmosphäre schauen, welche sie färbt und oft stark verzerrt. Dies sind karmische, weitreichende Einwirkungen, die wir noch näher befrachten müssen.
Der Einfluss dieser vereinigten Elementarwesen
beschränkt
sich nicht auf die Wirkung, welche sie auf die Menschen durch deren
Begierdenkörper
ausüben. Wenn ein solches Sammelwesen, wie ich es genannt habe,
aus
Gedankenformen besteht, die eine Neigung zum Zerstören haben, so
werden
die vereinigten Elementarwesen wie eine zerstörende Kraft wirken,
und oft genug richten sie Verwüstung auf der physischen Ebene an.
Sie sind ein Wirbel störender Kräfte, eine unheilvolle Quelle
unglücklicher "Zufälle", von Zuckungen in der Natur, von
Stürmen,
Zyklonen, Orkanen, Erdbeben, Überschwemmungen. Über diese
karmischen
Wirkungen müssen wir später noch weiteres reden.
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wirk_gedank.txt
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