Jetzt sind wir in der Lage, die Worte des Meisters besser verstehen zu können. Wenn der Intellekt in seinem eigenen Gebiete schafft, d. h. in dem feinen Stoff der höheren psychischen oder niederen Manas-Ebene, dann erzeugt er Gedankenformen. Die schöpferische Eigenschaft des Denkvermögens nennen wir sehr passend: Einbildung (Imagination); das ist sie in einem viel wörtlicheren Sinne, als mancher sich träumen lässt, der die Bezeichnung gebraucht. Diese formenschaffende Fähigkeit ist die bezeichnende Macht des Denkens, und ein Wort ist nur ein plumper Versuch, ein mentales Gebilde teilweise wiederzugeben. Eine Idee, ein Mental-Bild ist ein zusammengesetztes Ding, und bedarf vielleicht eines ganzen Satzes, um genau beschrieben zu werden; darum fassen wir nur einen auffälligen Umstand auf, und das Wort, welches diesen Umstand benennt, bezeichnet dann natürlich in unvollkommener Weise das Ganze. Wir sagen z. B. "Dreieck", und dieses Wort ruft im Geist des Hörers ein Bild hervor, welches zu seiner vollständigen Darstellung in Worten eine lange Beschreibung erfordern würde; unsere Gedanken arbeiten mit Sinnbildern und zwängen dann in mühevoller und unvollkommener Weise diese Sinnbilder in Worte. Nur dort, wo das Manas zum Manas spricht, findet ein vollkommener Ausdruck des Gedachten statt, den Worte nie zu geben vermögen. Auch dann, wenn in beschränkter Weise eine Gedankenübermittlung stattfindet, werden in Wahrheit nicht Worte, sondern Gedanken übertragen. Der Redende überträgt, so viel er kann, von seinen Gedankenbildern in Worte, und diese Worte rufen im Hörer wieder die entsprechenden Bilder oder Formen hervor; denn der Manas befasst sich mit Bildern und Formen, nicht mit Worten, und die Hälfte aller Streitigkeiten und Missverständnisse kommt daher, dass man mit denselben Worten verschiedene Bilder in Beziehung setzt oder verschiedene Worte zur Bezeichnung desselben Bildes, gebraucht.
Eine Gedankenform ist daher ein mentales Bild, welches der Manas, der Intellekt, aus dem feinen Stoff der höheren psychischen Ebene schafft oder bildet, wo er, wie oben gesagt, tätig ist. Eine solche Form besteht aus den in schnellster Bewegung befindlichen Atomen jener Region, und teilt seine Bewegung seiner ganzen Umgebung mit. Diese sich fortpflanzende Bewegung wird den zur Empfänglichkeit geeigneten Wesen zu Klang- und Farbempfindungen, und sobald eine solche Gedankenform aus ihrer Ebene heraustritt -- der abwärts sinkt, oder wie man sonst den Übergang in eine andere Region bezeichnen will -- und in den dichteren Stoff der niederen psychischen Region gelangt, werden ihre Schwingungen wie eine singende Farbe nach jeder Richtung hinausklingen und zu der Gedankenform, von der sie ausgingen, die entsprechenden Elementarwesen herbeirufen.
Alle Elementarwesen, wie überhaupt alle Dinge im Weltall, gehören einem oder dem anderen der sieben Urstrahlen, der sieben erstgeborenen Söhne des Lichtes an. Das weisse Licht kommt aus dem dritten Logos, dem offenbar gewordenen göttlichen Intellekt; in den sieben Strahlen sehen wir "die sieben Geister vor dem Throne"; jeder dieser sieben Strahlen hat seine sieben Teilstrahlen und so weiter, in immer weiteren Unterabteilungen. Unter den zahllosen Einzeldingen, welche ein Weltall bilden, befinden sich auch Elementarwesen, welche den verschiedenen Unterabteilungen angehören; sie sind verbunden durch eine Farbensprache, die sich auf die Farbe gründet, zu der sie gehören. Aus diesem Grunde wird die wahre Kenntnis der Töne, Farben und Zahlen so sorglich gehütet (denn von Zahlen sind sowohl Ton als auch Farbe abhängig), weil der Wille durch sie mit dem Elementarwesen spricht und weil die Kenntnis Macht verleiht, sie zu beherrschen. Meister K. H. spricht sehr klar über diese Farbensprache wie folgt:
"Wie können Sie sich mit ihnen verständlich machen, ja diesen halbintelligenten Kräften befehlen, welche sich mit uns nicht durch gesprochene Worte, sondern durch Töne und Farben, gemäss den zwischen beiden bestehenden Schwingungsverhältnissen, in Verbindung setzen? Denn Ton, Lieht und Farbe sind die Hauptfaktoren in der Gestaltung dieser Art von Intelligenzen, dieser Wesen, deren Dasein Sie sich nicht einmal träumen lassen, ja, an die Sie nicht einmal glauben dürfen -- Sie Atheisten und Christen, Materialisten und Spiritualisten; Sie alle bringen gegen solchen Glauben Ihre verschiedenen Gründe vor -- und am strengsten von Allen verurteilt diesen erniedrigenden Aberglauben die Wissenschaft." 1)
Kenner des Altertums werden sich erinnern, dass sich hier und da dunkle Anspielungen auf eine Farbensprache finden; sie werden sich der Tatsache entsinnen, dass im alten Ägypten
heilige Bücher in Farben geschrieben worden sind und dass der Abschreiber einen Irrtum mit dem Tode büssen musste. Aber ich will diesen Seitenweg nicht weiter verfolgen, so an ziehend er ist. Wir haben es hier nur mit der Tatsache zu tun, dass Elementarwesen vermittels Farben angerufen werden und dass ihnen Farbenworte so verständlich sind, wie gesprochene Worte den Menschen.
Die Tönung der singenden Farbe hängt von der Beschaffenheit des Beweggrundes ab, welcher den Schöpfer des Gedankenbildes geleitet hat voll und wohlwollend, so wird die hervorgebrachte Farbe der Gedankenform ein Elementarwesen zuführen, welches die der
Form durch den Beweggrund gegebenen charakteristischen Züge annimmt, und in der so bezeichneten Richtung auch handelt; dieses Elementarwesen geht in die Gedankenform ein
und spielt in ihr die Rolle der Seele; auf diese Weise entsteht ein unabhängiges Wesen in der astralen Welt, ein Wesen wohlwollenden Charakters. Ist andererseits der Beweggrund un-
lauter, rachedurstige oder böswillig, so wird die hervorgebrachte Farbe der Gedankenform ein Elementarwesen zuführen, welches gleicherweise die dem Bilde durch den Beweggrund
gegebenen charakteristischen Züge annimmt und ebenfalls in der so bezeichneten Richtung handelt; auch in diesem Falle geht das Elementarwesen in die Gedankenform ein und spielt
in ihr die Rolle der Seele; so entsteht ein unabhängiges Wese in der astralen Welt, ein Wesen bösartigen Charakters. Ein zorniger Gedanke wird z. B. einen roten Blitzstrahl hervor-
rufen, da die Schwingungen einer solchen Gedankenform rot verursachen. Dieser rote Strahl zieht ein Elementarwesen an, das in die Gedankenform eintritt, in die Richtung des zornigen Gedankens fortgezogen wird, und nun eine selbständige Tätigkeit zerstörender und vernichtender Art ausübt. Ohne es zu wissen, reden die Menschen fortwährend in solcher Farbensprache und rufen dadurch einen Schwarm dieser Elementarwesen um sich, welche ihren Aufenthalt in den ihnen entsprechenden Gedankenformen nehmen. Auf diese Weise bevölkert ein Mensch seine Laufbahn im Raume, wo er geht und steht, mit seiner eigenen Gedankenwelt, mit den Gebilden seiner Launen, Wünsche, Triebe und Leiden schaften. Engel und Dämonen unsrer eigenen Schöpferkraft umgeben uns auf allen Seiten, bringen unseren Nächsten Wohl und Weh', bringen Wohl und Weh' uns selbst -- fürwahr eine karmische Schar!
Hellsehende vermögen diese beständig
wechselnden
farbenblitze in der Aura jedes Menschen zu schauen; jeder Gedanke,
jedes
Gefühl, wenn es sich in die astrale Welt überträgt, ist
dem astralen Auge sichtbar. Personen, welche mehr als die
gewöhnlichen
Hellsehenden entwickelt sind, können auch noch die Gedankenformen
und die Wirkungen wahrnehmen, welche die Farbenblitze unter den Scharen
der Elementarwesen erzeugen.
**********
gedank.txt
**********
![]()