Das System der Meditation
- Die Meditation ist die Befreiung von allen Fesseln, die den Geist des Menschen binden -
Inhalt
Bezeichnung Archiv
Einführung einf
Stufen der Meditation stufen
I. Reinigung I
II. Entsagung II
III. Erleuchtung III
IV. Segnung IV
V. Anbetung V
VI. Bejahung VI
VII. Vereinigung VII
VIII. Verwirklichung VIII_IX
IX. Vollendung VIII_IX

Einführung


Für den einseitig, nur intellektuell geschulten, den sogenannte Verstandesmenschen der Gegenwart ist die Meditation, d. i. das theosophische Gebet, wohl das Schwierigste, was von ihm verlangt werden kann, Deshalb übt er die Meditation auch nicht aus, ja er kann sie nicht ausüben. Würde er die Meditation im theosophischen Geiste pflegen und üben, dann wäre er kein Verstandesmensch mehr, der sich vom Verstand und der mit diesem verbundenen Selbstsucht bei seinem Tun leiten lässt, sondern er wäre ein Mystiker, der sich bemüht, sich über die Schranken des Verstandes und der Selbstsucht in das Reich der Erkenntnis und der All-Liebe zu erheben, was nur durch die Meditation geschehen kann.
Die Meditation ist für jeden Menschen die wichtigste Tätigkeit, weil er ohne diese kaum ein wahrer Mensch genannt werden kann; denn Verstand und Selbstsucht sind Tätigkeiten der Tiernatur des Menschen.
Es ist, die Aufgabe des Menschen, seine Tiernatur zu überwinden, indem er sie beherrscht und zu einem Diener seines Willens macht, wie der Reiter das Pferd. Dies können auf der gegenwärtigen Entwicklungsstufe der Menschheit noch die wenigsten.
Die Meditation ist das wichtigste Mittel für die Entwicklung des einzelnen Menschen und der Menschheit.
Sie hebt die äußere Tätigkeit des Menschen nicht auf, sondern bestimmt nur den Beweggrund seines Handelns. Der sittliche Wert einer Handlung liegt in dem Beweggrund, in dem sie getan wird.
Der sittliche Beweggrund des Menschen bestimmt dessen sittliche Höhe und Entwicklungsstufe. Der selbstsüchtige Mensch steht nur wenig über der Tierstufe; die wahre Natur des Menschen liegt in seiner selbstlosen Gesinnung, und wer das Gesetz der Notwendigkeit und Weltharmonie erkannt hat und eins mit ihm geworden ist, der steht jenseits von gut und böse, auf der Stufe des Heiligen.
Die Meditation hängt nicht von der Willkür des Menschen ab. Sie ist ein Gesetz seiner höheren Natur. Ein Mensch, der nicht meditieren will oder kann, bleibt, was er ist, und wird keine höhere Erkenntnis erreichen. Die Meditation ist ein notwendiger Faktor innerhalb der Entwicklung der Menschheit ohne den diese eine höhere Stufe der Erkenntnis nicht erlangen und den Zweck des Daseins nicht erreichen kann.
Darum ist es für jeden denkenden und ernst strebenden Menschen richtig, das Wesen der Meditation zu kennen.
Die Meditation ist keine neue Erfindung; sie ist so alt wie die denkende Menschheit. Das Wort Meditation ist nur ein lateinischer Name für das, was sonst mit dem Worte "Gebet" im Wahren Sinne bezeichnet wird. Wozu aber das Fremdwort? Das Wort Gebet hat heutzutage eine üble Bedeutung, weil es fast allgemein missbraucht wird. Das selbstsüchtige Betteln und die Anrufung eines eingebildeten Gottes kann nicht ein Gebet genannt werden. In allen Religionen (Konfessionen) der Gegenwart wird fast nur aus Selbstsucht gebetet: darum befinden sich diese Religionen im Zustande der Entartung. Die Meditation, das theosophische Gebet, ist eine Reform des religiösen Lebens, nicht des Kultus und Bekenntnisses, sondern der Gesinnung.
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Inwiefern kann man von einem System der Meditation sprechen?
Es hängt nicht von des Menschen Willkür ab, was und wie er meditiert, Wer das Gesetz, das der Meditation zugrunde liegt, sowie ihren gesetzmässigen Aufbau und Verlauf nicht beachtet, wird sich schwere Schädigungen zuziehen, woran nicht die Meditation, sondern ihre verkehrte Anwendung die Schuld trägt.
Die Meditation ist ein einheitliches Ganzes, dessen Teile gesetzmässig geordnet sind und in ihrer Entwicklung und ihrem Aufbau gesetzmässig verlaufen; daher ist die Meditation ein System. Dies wird sich aus unseren Darlegungen ergeben.
Das System der Meditation hat der Mensch nicht ausgedacht und erfunden, wohl aber entdeckt. Es beruht auf der zusammengesetzten Natur des Menschen. Ist es doch die Aufgabe der Meditation, den Menschen zum Herrn seiner siebenfältig zusammengesetzten Natur zu machen, was nur dadurch geschehen kann, dass er sich mit der höchsten Kraft seiner Natur, die wir Atma, den Allgeist nennen, Vereinigt, wodurch er ein Herr über alle aus dieser Kraftquelle ausströmenden Kräfte in der gesamten Natur wird.
Dieses Ziel reizt natürlich auch den selbstsüchtigen Menschen. Er möchte sich diese Macht gern aneignen, um sich für seine Person Vorteile zu Verschaffen; aber dieses Tun ist gesetzwidrig und ein Verbrechen, das an dem Verbrecher dadurch bestraft wird, dass ihm das Menschentum, das er missbraucht, genommen wird und er auf die Stufe des Tieres, ja noch tiefer hinabsinkt.
Es ist selbstverständlich, dass man mit Atma, dem Allgeist, nur dadurch eins werden kann, dass man in dessen Natur eingeht und dessen Natur zur seinigen macht. Nur im Willen, d.i. in der Kraft und der Erkenntnis, den beiden Seiten seiner göttlichen Natur, kann man sich mit Atma vereinigen. Darum sagt Schiller: „Nehmt die Gottheit auf in euren Willen, und sie steigt herab vom Weltenthron."
Und das Hauptgebet des Mystikers ist: „Herr, Dein Wille geschehe!"
Die Voraussetzung jeder Meditation ist also, dass man die dreifache Natur Atmas kennt.
Das gesamte Weltall ist eine absolute Einheit, die wir mit dem Namen Atma benennen. Atma ist das All, ausser ihm ist nichts. Atma ist nicht dies oder jenes; er ist nicht eine Form, ein Gegenstand, den man wahrnehmen könnte, sondern das Subjekt in allen Dingen und Wesen. Alle Geschöpfe, Pflanzen, Tiere, Menschen und Götter, alle Planeten, Sonnen und Sonnensysteme sind seine Tätigkeitsformen. Sein Wille ist das unveränderliche Gesetz, auf dem alles Dasein beruht, und nach dem sich alle Entwicklung vollzieht. Es gibt keinen Punkt im Weltall, an dem Atma nicht wäre, sonst hätte er einen Anfang und ein Ende und müsste sterben. Atma macht alles, aber er gebraucht jedes Ding nach dessen Natur: die Pflanze als Pflanze, das Tier als Tier, den Menschen als Menschen, den Mörder als Mörder, den Heiligen zu heiligen Zwecken, je nach der Natur des Menschen; und die Natur des Menschen liegt in seinem Denken. Darum sagt die Weisheit des Volkes: „Der Mensch "denkt, Gott (das Gesetz) lenkt". Der Mensch ist gänzlich das Erzeugnis seines Denkens und wird einst das sein und werden, was er gegenwärtig denkt und was er gedacht hat.
Das Gesetz Von Ursache und Wirkung (Kausalität) ist der göttliche Wille in der Natur. Auf ihm beruht das gesamte Dasein und die Harmonie der Welt. Wer es verletzt, schafft sich Leid.
Aber in Wahrheit kann niemand das Weltgesetz verletzen; dann wäre er mächtiger als dieses und stünde ausserhalb dieses Gesetzes. Dies ist unmöglich. Jedes Geschöpf existiert nur auf Grund des göttlichen Gesetzes und erfüllt es auf seiner Stufe der Entwicklung. Die Wesen unter den Menschen erfüllen den göttlichen Willen unbewusst; es ist die Bestimmung des Menschen, das göttliche Gesetz bewusst, aus freiem Willen zu erfüllen. Das allein unterscheidet den Menschen von allen unter ihm stehenden Geschöpfen. Darum ist es die Aufgabe des Menschen, mit dem göttlichen Gesetz eins zu werden, was nur dadurch geschehen kann, dass er es auf dem Wege der Erfahrung erkennt und durch sein Denken und Handeln erfüllt.
Wer die erlangte Erkenntnis und die göttlichen Kräfte, den göttlichen Namen missbraucht, geht der göttlichen Gnade, des ihm verliehenen Hoheitsrechtes als Mensch verlustig und verliert sein Menschentum, indem er den linken Pfad betritt, der ihn den Weg wieder zurückwirft, den er während einer Jahrmillionen langen Entwicklung emporgestiegen ist.
Dieser Gefahr setzen sich alle die aus, die aus Selbstsucht und in ihrem Eigenwillen meditieren. Darum werden alle Völker und Konfessionen vernichtet, die durch ihre selbstsüchtigen Gebete in den unrechtmässigen Besitz göttlicher (magischer) Kräfte gekommen sind. Dieses Schicksal droht auch den gegenwärtigen Völker der arischen Rasse. Darum müssen sie über das Wesen der Meditation aufgeklärt werden.
Die Meditation ist die Konzentration des Willens auf die göttliche Natur im Menschen, die Natur Atmas.
Das Wort „Natur" bezeichnet den Träger von Kraft oder die stoffliche Seite des Geistes. Die göttliche Natur ist die erste Ausstrahlung Atmas, die Allseele, das kosmische Licht, in der theosophischen Literatur „Buddhi" genannt. Sie ist die zweite Grundkraft in der siebenfältigen Natur des Menschen.
Man kann sich mit Atma, dem Allgeist, nur vereinigen, wenn man sich zuvor mit Buddhi, der Allseele, vereinigt hat. Darum sagt der christliche Mystiker Angelus Silesius:
„Gott wohnt in einem Licht,
zu dem die Bahn gebricht;
wer es nicht selber wird,
der sieht ihn ewig nicht."
Buddhi ist der Träger aller göttlichen Kräfte. Sie ist die All-Liebe, das kosmische Leben und das kosmische Licht. Sie ist der höchste Friede, die höchste Freude und die höchste Freiheit. Buddhi wird das Kleid Atmas genannt. Während Atma das Subjekt (Bewusstsein) ist und darum nicht wahrgenommen werden kann, kann Buddhi, das geistige Licht, vom Eingeweihten im Zustande der Erleuchtung (Ekstase) geschaut werden.
Die Allseele ist die kosmische Flamme und der Mensch (Manas), die denkende Seele, ein Funke des kosmischen Lichtes. Der Mensch ist die dritte Grundkraft in der Natur, die von der Allseele ausstrahlt und von ihr beständig genährt wird. Die menschliche Seele ist das Kind des Allgeistes und der Allseele. Diese drei oberen Grundkräfte (Atma Buddhi - Manas) bilden die unsterbliche Natur des Menschen.
Ihre Kenntnis ist die Voraussetzung für die Meditation.
Wer seine niedere und höhere Natur nicht voneinander unterscheiden kann, wird das Niedere mit dem Höheren Verwechseln und läuft Gefahr, von den niederen Kräften besessen zu werden.
Bei der Verkörperung teilt sich Manas in den höheren, unsterblichen Teil, -- die abstrakte Denkkraft, den Träger der Vernunft und der allgemeinen Menschenliebe, - und den niederen, vergänglichen Teil, die niedere (Verstandes)Denkkraft, die bei der Verkörperung in die niederen Welten des Planeten ausgestrahlt wird und die Persönlichkeit (die Maske) des Menschen aufbaut, womit wir die Zusammenfassung aller niederen Grundkräfte des Menschen bezeichnen.
Wir müssen den wahren, unsterblichen Menschen streng von seiner Persönlichkeit unterscheiden. Wer dies nicht kann, wird niemals Erkenntnis und Freiheit erlangen.
Der himmlische Mensch (Atma - Buddhi - Manas) bewohnt seit Anbeginn die höchste Ebene unseres Planeten, auf welcher sich die Typen oder Ursachen aller Geschöpfe unseres Planeten befinden. und die deshalb die Ursachen oder Kausalwelt oder archetypische Welt genannt wird. Der himmlische Mensch (Buddhi Manas) ist der heilige Geist eines jeden Menschen, der Träger aller menschlichen Tugenden, die Persönlichkeit dagegen der Ausdruck (die Manifestation) und Träger der niederen Kräfte: der Neigungen, Wünsche und Vorurteile. In der Seele des Menschen liegen die Keime aller Tugenden und Laster, welche Formen des menschlichen Eigenwillens sind.
Es ist die Aufgabe des Menschen, während seiner Wanderung durch das Weltall auf dem Wege der Wiederverkörperung seine Seele zu reinigen und vom Selbstwahn und Eigenwillen zu befreien, indem er dem göttlichen Willen und Gesetz dient und dadurch am Ende eins mit diesem wird. Darum sagt die christliche Mystik:
„Du bist Gott, wenn dein Wille der Wille Gottes ist."
Jeder Mensch ist in seinem Wesen Gott, aber in seiner Einbildung ein Bettler, so lange er von Gott nichts weiss und sich in seiner Wahren, göttlichen, unsterblichen Natur nicht erkennt. Nicht der Mensch kann Gott erkennen, sondern Gott (Atma) erkennt sich selbst in der Seele des Menschen, wenn diese ein reiner Spiegel des göttlichen Lichtes geworden ist. Dies ist das Grundgesetz der Meditation. Angelus Silesius drückt dies in den bekannten Worten aus:
„Ich trage Gottes Bild.
Wenn er sich will besehen, so kann es nur in mir
und wer mir gleicht, geschehen."
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Jede Meditationsstufe hat ihre besondere Formel
Die Meditationen sind verschiedene Bewusstseinszustände der Seele und liegen innerhalb des Manas. Sie sind Offenbarungen von Atma Buddhi, dem Allgeist and der Allseele in Manas.
Auf den Höheren Stufen der Selbsterkenntnis kann der Manaskörper (Kausalleib) ausgezogen werden, so wie die Seele auf den niederen Stufen ihre niederen Gewänder oder der physische Mensch sein äusseres Kleid ablegt. Doch gehört jene Fähigkeit dem Übermenschen an, mit dem wir es bei unserer Betrachtung nicht zu tun haben.
Die Meditationsstufen bilden den niederen und den höheren Pfad, den Aufstieg des Menschen von der Stufe des selbstsüchtigen Tiermenschen und des selbstlosen Edelmenschen hinauf zu den Stufen der erwachten Seele: des Schülers, des Lehrers und des Meisters der Weisheit.
Der Pfad der seelischen Entwicklung liegt natürlich nicht in der äusseren Welt und hat mit äusseren Dingen überhaupt nichts zu tun, sondern führt durch die verschiedenen Regionen und Zustände der menschlichen Seele. Wir erwähnen wiederum Angelus Silesius. Er sagt:
„Halt ein! Wo läufst du hin,
der Himmel ist in dir; suchst du ihn anderswo,
du fehlst ihn für und für!"
In der Entwicklung des Menschen gibt es zwei Hauptstationen:
die Reinigung von der selbstsüchtigen Tiernatur und die Überwindung des menschlichen Eigenwillens.
Es gibt im Weltall zwei Weltwunder: aus einem Tier einen Menschen und aus einem Menschen einen Gott zu machen. Ein Tier kann jedoch niemals ein Mensch und ein Mensch niemals ein Gott werden. Da aber dem tierischen Organismus der Mensch und dem Organismus des Menschen Gott zugrunde liegt, so kann das Höhere in dem Niederen offenbar werden, wenn das Niedere die Reife und Empfänglichkeit dafür besitzt. Es ist dies wie bei einer Pflaume: Wenn der Kern die Reife erlangt hat, so schält sich der Stein vorn Fleisch und der Kern vom Stein.
Eine ähnliche dreifache Organisation besitzt auch der Mensch: eine astrale, kausale und spirituelle Natur. Durch die Meditation werden diese seelischen Hüllen zur Entwicklung und Reife gebracht, so dass sich der reife Mensch von ihnen befreien kann.
Das Ziel aller Entwicklung ist die absolute Freiheit.
Nunmehr werden wir den gesetzmässigen Verlauf der Meditation verstehen.
Es lassen sich, den oberen Grundkräften der menschlichen Natur entsprechend, vier Hauptstufen der Meditation unterscheiden: die unterste Stufe, der Aufstieg, die höchste Stufe und die Vollendung.
.Die erste Hauptstufe ist die Reinigung (Veredlung, Heiligung), die dem niederen oder Tugendpfad entspricht und im äusseren Vorhof des inneren Tempels liegt; sie führt durch die Wunschwelt (Astralwelt) in die Gedankenwelt (Mentalwelt).
Die zweite Hauptstufe ist die Erleuchtung, die das Opfer des Eigenwillens oder die Entsagung und den Glauben umfasst und dem inneren Vorhof der Seele angehört.
Die dritte Hauptstufe ist die Anbetung. Sie schliesst die Bejahung und Segnung ein und liegt im Heiligtum des Tempels.
Die vierte Hauptstufe ist die Vereinigung (Theosophie). Sie umfasst die Verwirklichung, Vollendung und Freiheit und führt in das Allerheiligste.
Diese Vier Hauptstufen der Meditation führen durch die Vier oberen Bewusstseinsreiche im Menschen:
die Gedanken oder Mentalwelt,
die Tugend oder Kausalwelt,
die buddhische Welt und
die atmische Welt.
Die Vorhalle des Tempels, in der sich die Heiden, die Geldwechsler und Händler aufhalten, gehört nicht zum Tempel. Ihr entspricht die tierische oder astrale Natur des Menschen, das Reich der Selbstsucht und des Verstandes.
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