Die Gefahren des Okkultismus

Wenn in der Entwicklung der Menschheit der Unglaube seine höchste Stufe erreicht hat, dann wendet sich das Pendel der Entwicklung, um nach dem entgegengesetzten Pole, dem Aberglauben, zurückzuschwingen.

An diesem Wendepunkte ihrer Entwicklung steht gegenwärtig wieder einmal die Menschheit unseres Planeten. Seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, dem Höhepunkt des Materialismus, geht als eine Folge des Unbefriedigtseins eine Sehnsucht nach etwas Unbekanntem durch die Kulturmenschheit, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt grösser wird. Weder das materielle Genussleben, noch der Materialismus in Religion, Wissenschaft und Kunst können die Sehnsucht der Menschenseele dauernd befriedigen. Diese Sehnsucht ist der Seele als Entwicklungstrieb und Erinnerung eingepflanzt, sie stammt aus der geistigen Welt und zieht die Seele hinauf und zurück in jene Region, die ihre Heimat ist, aus der sie zu Beginn des Weltkreislaufes hinausgeworfen wurde, um am Ende desselben wieder heimzukehren in den Schoss der göttlichen Mutter (Buddhi) als anerkannte Sohn seines himmlischen Vaters (Atma) mit dem er sich in der Selbsterkenntnis und dem Willen eins fühlt und erkennt.

Die Wendepunkte im Kreislauf der menschlichen Entwicklung sind kritische Perioden, wie wir eine solche in der Gegenwart erleben. Es besteht in diesen Zeiten die Gefahr, dass die Menschheit den Weg verliert und auf die Stufe der Tierheit zurücksinkt. Die geistigen Führer der Menschheit sind bemüht, diese Gefahr abzuwenden, indem sie den Völkern das Evangelium der Brüderlichkeit verkünden, welche der Pfad ist, der zur Erlösung und Vollkommenheit führt. Der Pfad, den die Menschheit in ihrer Entwicklung zurücklegt, wird mit verschiedenen Namen benannt. Wir nennen ihn Theosophie oder die göttliche Selbsterkenntnis; sie ist, geistig betrachtet, beides: sowohl Weg wie auch Ziel. Nur im Lichte der geistigen Sonne kann der Pilger den Weg zu den Höhen des geistigen Lebens finden. Der höhere Teil des Entwicklungsweges wird auch als okkulter Pfad bezeichnet, der zum Okkultismus führt. Da dieses Wort in der Gegenwart fast allgemein in seiner wahren Bedeutung missverstanden und deshalb missbräuchlich angewandt wird, sodass der Pfad von vielen Suchenden nicht mehr erkannt wird und diese Gefahr laufen, den Pfad zu verfehlen, so ist es notwendig geworden, die Suchenden und Schüler des Okkultismus über die Gefahren desselben zu unterrichten.

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Die Gefahren des Okkultismus ergeben sich aus der Verkennung seines Wesens.

Man muss heutzutage von einem wahren und einem falschen oder Pseudo-Okkultismus sprechen. Das Wort „okkult" bedeutet „geheim" oder „verborgen". Der Unwissende bezeichnet alles, was über sein gegenwärtiges Verständnis hinausliegt, als geheim. In diesem niederen Sinne sind alle Kräfte des Menschen, die in ihm noch nicht entfaltet sind, okkult, aber sie sind nicht für immer verborgen. Auf dem Wege der Entwicklung werden alle kosmischen Kräfte durch den Menschen sich offenbaren und im Menschen zu Fähigkeiten werden. Der Mensch wird deshalb die kleine Welt (Mikrokosmos) genannt, weil in ihm alle Kräfte des Weltalls, des Makrokosmos, verborgen liegen und zur Offenbarung gelangen können, wenn in ihm die Bedingungen gegeben sind.

Es ist töricht, die Wahrheit dieses Gesetzes zu bezweifeln. Das Höhere liegt dem Niederen zugrunde, weil dieses aus dem Höheren durch Verdichtung der stofflichen Natur hervorgegangen ist; darum sind das Höhere und das Niedere in ihrem Wesen eins, wie ein Eisberg eins ist mit dem Wasser des Ozeans, von dem er umgeben und aus dem er entstanden ist. So ist auch der Mensch, wie jedes Geschöpf in der Welt, nur die Verdichtung einer ihm zugrunde liegenden Substanz. In Wahrheit gibt es nur Eine Kraft, die sich in unzähligen Formen offenbart und jedem ihrer Geschöpfe zugrunde liegt, wie die Zahl Eins jeder anderen Zahl, die aus der Eins hervorgegangen ist. In Wirklichkeit gibt es nur Eine Zahl, die Eins, da auf dieser alle anderen beruhen. Könnte die Eins vernichtet werden, so würden damit alle Zahlen verschwinden. Genau so ist es in der Welt. Alle Wesen und Geschöpfe im Weltall beruhen auf einem Urwesen, das wir den Einen Geist (Atma) nennen, der alle Dinge umgibt, durchdringt und belebt. Ohne den höchsten Geist ist kein Wesen; denn ausser ihm ist nichts. Alle Welten sind in ihm wie die Fische im Wasser.

In dem höchsten Wesen, von dem alle Religionen sprechen, sind alle Geschöpfe eins. Der höchste Geist offenbart sich in der Welt auf sieben Stufen, weshalb man von sieben Grundkräften oder Prinzipien in der Welt spricht. Den Bereich jeder der sieben Grundkräfte nennt man eine Weltebene oder eine Welt, deshalb ist die physische sichtbare Welt von sechs Welten umgeben und durchdrungen. Der grobe sichtbare Körper unseres Planeten ist, wie jedes Wesen auf demselben, von sieben Sphären oder Welten umgeben, von denen die höheren alle niederen umgeben und durchdrängen. Darum gehört der Mensch allen unsichtbaren Reichen der Welt an. Es ist der Zweck und die Bestimmung der Natur, auf dem Wege der Entwicklung vollkommene Formen hervorzubringen, in denen und durch welche der göttliche Geist alle seine kosmischen Kräfte zur Entfaltung und Offenbarung bringen kann. Dies ist die Mission des Menschen auf unserem Planeten. Es ist offenbar, dass der heutige Mensch seine Aufgabe noch nicht erfüllt hat. Aber auf dem Wege der allmählichen Entwicklung soll und wird jeder Mensch seine endliche Bestimmung, ein vollkommenes Werkzeug des göttlichen Geistes zu werden, erreichen. Dieser vollkommene Mensch ist der Christus. Darum streben alle Menschen, ja alle Wesen unter den Menschen, bewusst oder unbewusst danach, ein Christus zu werden.



„In je dem lebt ein Bild des, das er werden soll, solang' er das nicht ist, ist nicht sein Friede voll."



Im Christus sind die göttlichen Kräfte offenbar, während sie im Durchschnittsmenschen von heute noch verborgen liegen. Die sieben Welten im All und im Menschen lassen sich in zwei Gruppen"einteilen: in die formlose Welt oder die Welt des reinen Geistes und die Welt der Erscheinungen, und die letztere zerfällt wieder in die Welt der reinen Formen (Idealwelt) und die niederen Welten der groben, beschränkten Erscheinungen. Darum sprechen wir von einer höheren, mittleren und niederen Welt. Wenn wir den Okkultismus verstehen wollen, müssen wir die siebenfältige Natur des Menschen und die Welten, denen er angehört, kennen. Ohne diese Kenntnis gleicht der Schüler einem Wanderer in finsterer Nacht, der Weg und Ziel nicht sieht und jeden Augenblick in Gefahr ist, in den Abgrund zu stürzen. Wenn wir die drei höheren Welten als eine zusammenfassen, dann sprechen wir von fünf Welten oder Bewusstseinsreichen. Die drei niederen Welten sind: die irdische Welt, die Wunschwelt und die Welt der Gedanken; die mittlere Welt ist die Welt der Tugenden und Ideale, die Welt der reinen Formen (Ursachen- oder Kausalwelt), und die höchste und formlose Welt ist die rein geistige oder spirituelle Ebene unseres Kosmos (Atma-Buddhi).

Die niederen Welten der Wünsche und Gedanken und selbst noch die Welt der Tugenden sind nicht im wahren Sinne geheim, sondern nur auf der gegenwärtigen Stufe der Entwicklung den meisten Menschen noch unbekannt, weil sie in ihnen noch nicht bewusst geworden sind. Es ist eine Unweisheit, die astrale und die mentale Welt höhere Welten zu nennen. Sie sind den inneren Sinnen, wenn sie entfaltet sind, ebenso objektiv wahrnehmbar, wie die physische Welt den äusseren Sinnen. Nur der intellektuelle und seelenlose Mensch, dem die spirituelle Welt verschlossen ist, mag die metaphysische Welt der Erscheinungen von seinem Standpunkt aus die höhere nennen, was der religiöse und geistig entwickelte Mensch niemals tut. Der wahre Okkultismus hat nichts mit den selbstischen Kräften der niederen Weit zu schaffen, sondern besteht im Besitz und in der Ausübung der rein geistigen, selbstlosen Kräfte, die er im Dienst des Höchsten und zur Förderung der Entwicklung aller Wesen gebraucht. Der wahre Okkultismus hat zwei Seiten (Aspekte): Er ist sowohl die höchste Wissenschaft, wie auch die höchste Kunst. Im Geistigen sind Wissen und Tun eins. Die wahren Okkultisten sind die Meister der Weisheit (Adepten) und die bewussten Diener des Geistes in der Natur. Der wahre Okkultismus ist sowohl göttliche Selbsterkenntnis wie auch göttliche Magie und beruht auf der Selbsterkenntnis der Wahrheit. Die Theosophie ist also Voraussetzung und Vorstufe des Okkultismus und dieser die Vollendung und Krönung der Selbsterkenntnis.

Die Grundlage des Okkultismus ist das grosse Geheimnis, das ewig Okkulte, das nie mals wahrgenommen und von niemand gesehen werden kann, das niemals Objekt, sondern das Eine Subjekt in allen Geschöpfen des Weltalls ist. Die theosophische Lehre nennt den Einen, höchsten Geist Atma. Dieser ist Wesen des Weltalls; ausser ihm ist nichts wirklich; alle Gschöpfe sind die Tätigkeitsformen Atmas auf den verschiedenen Stufen der Entwicklung. Atma ist das Gehemnis der Welt, weil er niemals wahrgenommen werden kann, sondern das Subjekt und der Zuschauer aller Vorgänge im Weltall ist. Atma ist das Ziel aller Entwicklung. Wer mit ihm im Geiste und Willen sich vereinigt, erlangt die Kräfte Atmas und ist ein wahrer Okkultist. In diesem erhabenen Sinne gebrauchen die Meister der Weisheit das Wort Okkultismus.

Wir haben hier wieder ein Beispiel dafür, wie die materialistisch denkende Menschheit das Erhabene in den Staub zieht. In welch niederem Sinne wird heutzutage das Wort Okkultismus verstanden und angewandt! Wer an übersinnliche (metaphysische) Kräfte im Menschen glaubt, die er nicht kennt, und spiritistische und hypnotische Experimente betreibt, nennt sich einen Okkultisten. Im weiteren Sinne heissen alle diejenigen Personen Okkultisten, die bewusst ihren Körper verlassen können. Die astrale Auferstehung und die Erlangung der niederes astralen Fähigkeiten, wie Hellsehen u.a., sind die Sehnsucht aller Schüler des niederen Okkultismus.

Der Pseudo-Okkultismus. ist die grösste Gefahr, die der Menschheit im kommenden Zeitalter droht.

Jedes okkulte Streben birgt Gefahren in sich, die jeder Schüler des Okkultismus und schliesslich jeder Mensch kernten muss; denn auf dem Wege der Entwicklung kommt einst jeder an jenen kritischen Punkt, an dem er vor der Wahl gestellt wird, zu entscheiden, ob er den rechten oder den linken Pfad gehen soll. Dem Durchschnittsmenschen von heutzutage steht diese Wahl nicht frei; er ist noch kein freier Mensch, der sich seiner höhern Natur bewusst ist. Aber durch ein starkes inneres Verlangen und gewisse okkulte Übungen kann er vorzeitig die Entscheidung herbeiführenj er wird dann diejenige Wahl treffen, zu der seine Natur ihn drängt. Nicht jeder wählt wie Herkules den Tugendpfad. Wer nicht vorbereitet, nicht weise und selbstlos ist, wird mit Bestimmtheit den linken Pfad wählen, der ihn den Weg wieder hinabwirft, den die Menschheit während Millionen Jahre mühsam emporgestiegen ist, und der zur Vernichtung, zum Verlust seines Menschentums führt. Wer klug ist, strebt nicht nach okkulten Kräften, sondern wartet ab, bis die Wahl an ihn herantritt; darum bittet der Schüler der Theosophie in der sechsten Bitte des Vaterunsers: „Führe mich nicht in Versuchung!" oder wie es im Urtext heisst: „Stelle mich nicht vorzeitig vor die Wahl!" Der Weise empfängt die okkulten Kräfte als ein Geschenk, das für jeden Besitzer grosse Verpflichtungen in sich schliesst.

Der okkulte Pfad ist schwer zu gehen. Er ist schmal wie die Schneide eine" Messer. Der okkulte Schüler gleicht einem Seiltänzer, wenn er nach links oder rechts schautt und nicht seinen Blick auf den Weg und das Ziel gerichtet hält, in den Abgrund stürzt.

Der höhere oder okkulte Pfad ist die Fortsetzung des niederen oder Tugendpfades, auf welchem der Pilger seine tierische Natur veredeln, seine Laster in Tugenden. seine Selbstsucht in Liebe verwandeln muß. Nur der Heilige darf den okkulten Pfad betreten. Wer ihn mit unreinen Füssen betritt, den wird sein Schmutz wieder hinabziehen. Der Pfad ist nicht die Veredlung d.i.Verfeinerung der Sebsltsucht, sondern ihre Vernichtung und Umwandlung.

Die Gefahren, die dem Schüler drohen, liegen n i c'h t in der äußeren Welt, sondern in der Welt der Wünsche und der Gedanken. Der okkulte Pfad führt durch die Regionen der eigenen Seele. Er besteht in der Reinigung der Seele von allen Schlacken der Selbstsucht, in der Entfernung der Begierden und Leidenschaften, die in den Vorurteilen wurzeln. Die Gedanken des Menschen werden, wenn der Wunsch sie beseelt, zu individuellen Wesenheiten oder Geistern, welche die astrale Natur des Menschen bewohnen und auf ihn beständig einwirken, da auch ihnen, wie allen Geschöpfen, der Drang der Selbsterhaltung innewohnt. Darum ist jeder Mensch von vielen Geistern umgeben, der eine von Engeln, der andere von Teufeln, die ihren Erzeuger beständig, ihrer Natur entsprechend, beeinflussen, indem sie ihn entweder zum Guten oder zum Schlechten verführen. Darum ist der Mensch selbst für alle seine Taten verantwortlich, weil er die ihn verführenden Gedankenwesen (Geister) selbst geschaffen hat. Sie besitzen oft eine grosse Macht und leiten und beherrschen den Menschen in allem seinen Tun. Sie heissen Geister, obgleich sie meist recht wenig Geist besitzen. Der Unwissende bildet sich ein, frei zu sein, während er doch nur der Sklave seiner eigenen niederen Natur ist. Diese Geschöpfe hat der Mensch nicht immer in diesem Leben geschaffen, sondern bringt sie meist aus seinen früheren Erdenleben mit. Wenn der Mensch stirbt, so vergehen allmählich auch die Geister seiner niederen Natur, weil sie nicht mehr ernährt werden, aber die ihnen innewohnenden Neigungen, die ihre Wurzel in der Individualität haben, welche alle Erdenleben überdauert, bleiben in derselben als Keime ruhen, bis sie nach einigen hundert Jahren zu neuem Leben erwachen und von neuem sich gestalten. So ist die menschliche Seele während ihres Pilgerlebens auf Erden beständig von guten und bösen Geistern begleitet, die dem jeweiligen Entwicklungsstandpunkt des Menschen entsprechen und seinen Charakter bestimmen. Der Hellseher kann die Geister des Menschen schauen. Sie haben oft die Gestalt von Tieren, häufig auch die Gestalt von Verwandten, und gehen nicht selten beim Tode des Menschen auf dessen Kinder und Kindeskinder über; darum ist es vorteilhaft, den Beruf der Eltern zu erwählen, weil deren Geister dem Kinde in der Ausübung desselben Berufes behilflich sind. Manche Menschen sind von Katzen, andere von Hunden und anderen Tieren, wie Ziege, Bär, Löwe u. a. begleitet. Die Anziehung, die manche Menschen auf Katzen oder Hunde ausüben, ist fast immer auf den astralen Begleiter derselben zurückzuführen. Diese astralen Begleiter sind die astralen Formen der Neigungen des Menschen.

Von seinen eigenen Astralwesen droht dem Schüler des Okkultismus eine grosse Gefahr. Wenn er die geistige (spirituelle) Welt erreichen will, muss er sich von seiner astralen Natur befreien. Wenn er keine Erkenntnis besitzt und es verkehrt anfängt, wird er seine astralen Geister sich zu Feinden machen, die ihn mit Hass verfolgen und jeden Augenblick darauf bedacht sind, ihn von seinem höhere Streben abzubringen und zu ihrem Sklaven zu machen. Diese Geister sprechen zum Schüler; sie flüstern ihm allerhand Eingebungen ein; sie erzeugen in ihm allerlei Sinnestäuschungen: sie erwecken in ihm falsche Hoffnungen oder Furcht. Die Formen der Versuchungen, denen ein okkulter Schüler ausgesetzt ist, sind unzählig. Die Geister reizen den Schüler, beständig das Gegenteil zu tun von dem, was er sich gelobt hat. Dies erklärt, warum der Schüler so oft fällt. Aber wenn er Ausdauer besitzt, weise und selbstlos ist, hat er Aussicht, in diesem gewaltigen Kampf endlich Sieger zu werden.

Dass der Schüler fällt, ist nicht das Schlimmste. Er soll nur nicht liegen bleiben, sondern immer wieder den Kampf von neuem beginnen.

Es sage niemand, dass ihn die Lehren und Gefahren des Okkultismus nichts angingen; jeder wird, wenn nicht schon in diesem Leben, so doch sicher in einem späteren denselben Gefahren ausgesetzt sein. Jeder Mensch muss diesen Weg wandeln; noch leben die meisten in der Zeit der Vorbereitung auf den kommenden Kampf. Der okkulte Pfad besteht darin, dass alle Neigungen aus der Seele herausgeworfen werden. Mancher meint wohl, dass er sicher sei, kein Verbrecher zu werden, und doch liegen die Keime zu verbrecherischen Neigungen noch in ihm, solange sie nicht mit vollem Bewusstsein getötet sind. Wenn nun das Licht des Geistes die Seele erleuchet erwachen alle Neigungen, die noch als Keime in ihr liegen, weshalb der Schüler sofort in schwere Kämpfe gerät. Es ist in der seelischen Natur wie in der äußeren: Wenn die Sonne in eine Pfütze scheint, entwickeln sich die in dieser lebenden tierischen Keime.

Die Gefahr, die dem Schüler droht, ist die dass er seine Vernunft und schließlich auch seinen Verstand verliere kann, :d Erzeugnisse der Unvernunft,

die der Mensch an einer noch niederen Entwicklungs- und Erfahrungstufe mittels seiner Einbildung erschafft. Wenn er ihnen Einflüsterungen Glauben schenkt und die Stimme der Wahrheit von den Geistern der Lüge nicht unterscheide kann, wenn er die astralen Stimmen für göttliche Inspirationen hält, dann wird er ein spiritistisches Medium und schließlich von einem der Astralgeister besessen werden. Er verliert die Herrschaft über seine niedere Natur und damit sein Gewissen und das Gefühl der Verantwortlichkeit. Es ist klar, dass die Mediumschaft nicht das Ziel der menschlichen Entwicklung sein kann. Sie ist vielmehr der Gegenpol der Adeptschaft. Sie führt nicht zur Vereinigung mit dem göttlichen Geist, sondern zur Trennung und zum Verlust der Seele. Es ist erstaunlich, dass es noch so viele Menschen gibt, welche die Mediumschaft als etwas Erstrebenswertes betrachten, während dieselbe doch nur Götzendienst, die Verehrung und Anbetung von Astralgeistern ist. Die Mitteilungen derselben sind keineswegs zuverlässig, da diese Geister lügen wie ihre Väter, die Menschen. Über die erweiterten Fähigkeiten derselben: in die Ferne zu schauen, die Gedanken der Menschen zu lesen, öffentliche magische Kunststückchen hervorbringen, wohl auch einiges aus der Vergangenheit und Zukunft zu wissen, dürfen wir nicht erstaunt sein. In der Astralwelt gibt es keine räumliche Trennung; der in dieser Welt bewusst Lebende ist in bezug auf die Gegenwart nahezu allwissend, und doch kann er die ewige Wahrheit nicht erkennen. Das astrale Hellsehen ist keine Weisheit, diese stammt aus der formlosen Welt und offenbart sich im Menschen erst dann, wenn er seine astrale Natur gereinigt hat. Nur das wahre Selbst des Menschen kann die Wahrheit, das eigene Selbst erkennen; alle Wissenschaft der Welt ist Wissenschaft des Scheins und keine wahre Erkenntnis.

Die Mediunischaft ist eine periodische passive Besessenheit und kann leicht zu einer dauernden werden, da der mediale Zustand fast immer mit einer sittlichen und physischen Schwächung verbunden ist; denn die Astralgeister vampirisieren das Medium, indem sie ihm Lebenskraft entziehen. Das gewöhnliche Medium leiht seinen Astralkörper den Geistern, die denselben nach dem Tode des Mediums dauernd in Besitz nehmen. Noch schädlicher und verwerflicher ist die Anbetung von Wesen der höheren Welten (Göttern, Devas), wodurch das Medium seine Individualität und damit die Möglichkeit verliert, die Vereinigung mit Gott und die Unsterblichkeit zu erlangen, indem die Devas (Götter) von dem Tugendkörper (Kausalleib) des Mediums Besitz ergreifen. Daher verbieten alle arischen Religionen die Anbetung von Göttern. Der ehrgeizige Schüler, der nach Macht und Wissen strebt, mag leicht in die Versuchung geraten, der Schüler eines Devas zu werden, besonders wenn er die Natur desselben nicht erkennt und ihn vielleicht für einen Meister der Weisheit hält. Schon mancher Schüler des Okkultismus ist dem Devadienst verfallen, da die Devas, wenn sie verehrt werden, gern ihr erweitertes Wissen und ihre grössere Macht dem Schüler mitteilen. Auch machen sie sich gern zu geistigen Leitern religiöser Bewegungen.

Der okkulte Schüler schwebt beständig in einer zweifachen Gefahr. Auf der einen Seite droht ihm die passive und auf der anderen die aktive Mediumschait. Diese ist noch schlimmer als jene. Ein spiritistisches Medium kann durch äussere Hilfe errettet werden, und die Meister der Weisheit sind immer bereit zu helfen, während einem Schüler, welcher der schwarzen Magie verfallen ist, von keiner Seite geholfen werden kann, da er in seinem Wahne Hilfe wohl auch kaum annehmen würde. Wer mit unreiner Seele, getrieben von Begierde nach Ruhm und Macht, den okkulten Pfad betritt und durch seine okkulten Übungen (Exerzitien) die geistigen Kräfte in der Seele weckt und dieselben infolge seiner Unweisheit und Selbstsucht zu selbstischen Zwecken missbraucht und in seine Persönlichkeit herunterzieht, erzeugt in der Astralwelt selbstsüchtige magische Wesenheiten oder zieht solche aus der ihn umgebenden Astralwelt an, die beständig seinen Geiz, Ehrgeiz oder seine Herrschsucht anstacheln und ihn zur Befriedigung seiner Begierde antreiben. Durch seine selbstsüchtigen Beweggründe verdunkelt er seine astrale und mentale Natur immer mehr, sodass er die warnende Stimme seiner Seele, das Gewissen, nicht mehr vernimmt, und das Licht der Vernunft ihn nicht mehr erreichen kann; er verliert die Unterscheidung von dem, was gut und böse, was wahr und unwahr, was recht und unrecht ist. Er versteht nicht mehr die Warnung des zweiten Gebotes: Du sollst den Namen Gottes (die göttlichen Kräfte) nicht missbrauchen! Er betet nicht mehr: Geheiligt werde Dein Name! Dein Reich komme! Dein Wille geschehe! Unser täglich Brot (das Licht der Erkenntnis) gib uns heute, sondern strebt nur nach persönlichem Erfolg und bekämpft im Äusseren alle Verhältnisse, Personen und Vereine, von denen er meint, dass sie seinem Erfolge im Wege stehen. Er ist ein Schüler jener astralen Kräfte geworden, welche die Meister der Finsternis, Adepten der linken Hand oder die Brüder des Schattens genannt werden, die darauf bedacht sind, die Völker zu beherrschen und jeden Fortschritt zu unterbinden. Sie bekämpfen alles, was von den Meistern der Weisheit zum Wohle der Menschheit unternommen wird. Sie erlauben und wenden jedes Mittel an, das ihnen Erfolg verspricht: Verleumdung, Lüge und selbst den astralen Mord. Die Verfolgungen der Andersgläubigen, die Folterungen und Verbrennung der Hexen im Mittelalter waren ihr Werk. Sie waren zu allen Zeiten tätig, auch in der Gegenwart spürt man ihre Wühlarbeit. Sie stehen hinter den Urhebern des Weltkrieges, sie hetzen die Völker aufeinander, sie verketzern Andersgläubige und bekämpfen das Gesetz der Glaubens- und Gewissensfreiheit, sowie die Völker, Organisationen und Personen, welche diese Freiheit fördern. Um ihr Zerstörungswerk ausführen zu können, täuschen sie die leichtgläubigen Völker über ihre wahren Absichten und Gesinnungen, indem sie vorschützen, als Vertreter Gottes und der Menschlichkeit im Namen der Liebe, der Freiheit und des Friedens zu handeln.

Nach der Geheimlehre gibt es ausserhalb der Menschheit nichts Böses. Böse ist die vom Geiste losgerissene Materie, und ein Mensch, der sich vom Geiste getrennt hat, ist in Wahrheit kein Mensch mehr, und mag er auch noch so sehr intellektuell sein. H. P. Blavatsky schreibt: „Die Welt ist voll von solchen unbewussten Magiern - - in der Politik, sowie im täglichen Leben, in der Kirche, sowie in den Festungen des Freigedankens. Die meisten dieser Magier sind unglücklicherweise Zauberer, nicht figürlich, sondern in nüchterner Wirklichkeit, vermöge ihrer innewohnenden Selbstsucht, ihrer rachsüchtigen Natur, ihres Neides und Grolles. Der echte Schüler der Magie, der die Wahrheit wohl kennt, sieht mitleidsvoll zu und, wenn er weise ist, so schweigt er!" (Geh. III, 28.)

In Ägypten wurden diejenigen Schüler der Mysterien, die während ihrer Vorbereitungen und Prüfungen von teuflischen Kräften besessen wurden, lebenslänglich gefangen gehalten, weil sie für die Menschheit eine grosse Gefahr bilden.

Diese gefallenen Schüler des Okkultismus sind die Mitarbeiter der Natur zur Zerstörung. Sie sind durchaus verruchte und verkommene Menschen, aber doch ebenso hoch intellektuell und ebenso scharf geistig für das Böse, wie jene, welche geistig für das Gute sind. Die niederen Egos derselben können dem Gesetz der schliesslichen Zerstörung oder Vernichtung durch ganze Zeitalter der Zukunft entgehen. (Geh. III, 526.)

Das Schicksal, das einen solchen Menschen, der sich vom Geiste getrennt hat, erwartet, ist die Vernichtung, welche eine unbedingte ist. Sie besteht darin, dass die geringste Spur der verdammten Seele aus dem ewigen Gedächtnis ausgelöscht wird. (Geh. III, 523.) Die Vernichtung des persönlichen Menschen erfolgt nicht sofort nach der Trennung vom göttlichen Ego, der Individualität, was unmöglich ist, weil das persönliche Ich oft eine grosse Kraft darstellt, die erst allmählich sich auflöst, aber sich endlich auflösen muss, da sie keine Zufuhr vom göttlichen Ego, ihrer Kraftquelle, erhält. (Ebenda.) In der Regel geschieht es, dass der seelenlose Mensch, nachdem sein gegenwärtiges Leben beendet ist, immer und immer wieder in neuen Persönlichkeiten wiederverkörpert wird, von denen eine jede niedriger ist als die andere. Der Antrieb des tierischen Lebens ist zu stark; er kann sich nicht in einem oder zwei Leben erschöpfen. (Ebenda.) Ein solches Wesen wird, wenn es stirbt und eine Zeitlang in der Astralwelt (Kama-loka) zugebracht hat, - denn in den Himmel (Devachan) kann es nicht eingehen, - auf Erden als ein menschliches Tier oder als Geissel der Menschheit wiedergeboren.

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Wir haben gesehen, dass den Schüler des Okkultismus grosse Gefahren bedrohen: denn es kann den persönlichen Menschen nichts Schlimmes treffen als ein Verlust seiner Individualität, seines himmlischen, unsterblichen Egos. Da einst jeder Mensch den okkulten Pfad gehen muss, ist es wichtig zu wissen, ob die Gefahren einem jeden drohen und wie sie zu vermeiden sind.

Wie schon erwähnt wurde, sollte niemand vorzeitig und auf künstliche Weise seine geistigen Kräfte erwecken, sondern warten, bis die Zeit des Erwachens für ihn gekommen ist. Jeder Tag sei eine Vorbereitung auf dieses wichtigste Ereignis im planetarischen Leben der Seele. „Ausser durch Verschmelzung der moralischen Natur mit dem göttlichen Ich (Ego) gibt es keine Unsterblichkeit für den persönlichen Menschen, denn nur die geistigen Zustände der persönlichen Menschenseele überleben," sagt die Geheimlehre. Um mit Gott eins werden zu können, muss der Mensch zuvor mit der Menschheit geistig eins geworden sein. Dies ist ein ewiges Gesetz. Wenn der Mensch mit allen seinen Mitmenschen sich eins fühlt und als eins erkennt, wie mit den Fingern seiner Hand, dann hat er den toten Punkt in seinem planetarischen Leben überschritten. Die erwachte Seele betrachtet die Menschen nicht nur als Brüder und Schwestern, sondern als Glieder ihres eigenen Geistes.

Die Gefahren beruhen auf dem Entwicklungsgesetz, sie können niemandem erlassen werden. Es kann niemand in den Himmel eintreten, der nicht die Hölle besiegt hat. Die Gefahren kommen nicht aus dem Höheren, Göttlichen, sondern aus der niederen Natur des Menschen. Es ist nicht eine dichterische Erfindung, wenn die religiösen Sagen vom Drachen oder Lindwurm berichten, der den Eingang zum Heiligtum beschützt. Die tierisch-selbstsüchtige Natur des Menschen ist der grosse Feind, der Hüter der Schwelle, den der Schüler erschlagen muss. In diesem Kampf wird keine Gnade gewährt. Der Schüler, welcher den Feind nicht tötet, läuft Gefahr, selbst sein Leben zu verlieren. Eine treffliche Schilderung der den Schüler drohenden Gefahr wird in Bulvers Roman „Zanoni" gegeben, den jeder okkulte Schüler lesen sollte. Blavatsky teilt mit, dass von siebzig Schülern, die auf ihr Verlangen von den Meistern als Kandidaten angenommen worden waren, nur drei die Prüfung bestanden, die übrigen dagegen sittlich und geistig Schiffbruch litten.

Die Gefahr liegt in dem selbstischen Beweggrund des Schülers. Wer nur sein persönliches Wohl, seinen persönlichen Fortschritt, seine eigene Entwicklung erstrebt, ist schlecht auf die grosse Prüfung vorbereitet. Mancher möchte in seiner Begierde mit Gewalt in die inneren Weiten eindringen. Da gibt es religiöse Vereine, deren Mitglieder Räucherungen anwenden, um medial und hellsehend zu werden und mit den Geistern der Astralwelt in Verbindung zu treten. Andere treiben gewisse okkulte Übungen, wie Atmen, Fixieren (Anstarren) gewisser Gegenstände u. a., um Macht zu erlangen. Dies alles hat mit dem okkulten Pfad nichts zu tun.

Was den Schüler fördert, ist allein die theosophische Schulung, welche im Gebet ohne Unterlass, in der Übung der Meditation d. i. in der Reinigung der niederen Natur durch die Kraft der selbstlosen Liebe besteht.

Der Eintritt in den Himmel unseres Sonnensystems, die buddhische Welt, kann nur auf dem Weg der Einweihung (Initiation) durch die Meister der Weisheit geschehen. Diese nehmen jeden als Schüler an, der für dieses heiligste, höchste Ereignis im menschlichen Leben sittlich und geistig vorbereitet ist.

Wer durch das Tor der Initiation geschritten ist und die Schwelle zum Heiligtum überschritten hat, also ein Adept, ein Christus, geworden ist, der ist errettet. Er hat alle Gefahren des okkulten Pfades siegreich überwunden und kann nicht mehr auf dem Pfade zurückfallen. Er ist erlöst und ein Erlöser der Menschheit geworden.

Möge der Geist der Liebe alle Pilger beschützen !
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