Schwarzwald
Der Dienst und die Lehren
Wer den Pfad zum höheren Leben betritt, weiht sich der Schar der dienenden
Brüder. Ein dienender Bruder zu werden, heisst alles persönliches Wollen aufgeben,
heisst die niedere Natur überwinden, heisst sich dem göttlichen Willen hingeben mit
ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit allem Vermögen. Wer den Pfad betritt und
sich dem göttlichen Dienste weiht, kennt nur eine Zuflucht, in der er Frieden und
Freude, Sicherheit und Seligkeit findet: das höhere göttliche Selbst. Sein Herz ist
verankert und ruhet in dem Höheren Selbst.
Wer persönliches Glück sucht, wer eitel ist und etwas gelten möchte, sage nicht,
dass er als dienender Bruder auf dem Pfade sei. Die Lehren, die zum höheren Leben
führen, sind ein zweischneidiges Schwert. Sie rufen jeden Strebenden auf, sie
weisen jedem Suchenden den Weg, aber sie stellen ihn auch jederzeit vor die grosse
Entscheidung.
Die grosse Entscheidung! Es kann für einen das Reden, für den ändern das
Schweigen, für den dritten das Wirken in der äusseren Welt, für den vierten das
Wirken in völliger Zurückgezogenheit von der Aussenwelt richtig sein: die grosse
Entscheidung liegt in der seelischen Einstellung, in der Richtung des Willens, in der
Hingabe an das Höhere Selbst, in der grossen Entsagung von allem Persönlichen,
von allem, was uns an die Endlichkeit zu binden vermag.
Der Wille des All-Einen hat die Schöpfung ins Leben gerufen und den Menschen
als seinen Geschöpfen den Weg gewiesen. In der Seele der Menschen spricht er
mit ihnen und zieht sie immer wieder zu sich empor.
In der inneren Zwiesprache stellt er die Menschen vor die Entscheidung. Die grosse
Entsagung ist die Wende, ist der Weg nach oben.
In der grossen Entsagung liegt auch die Berufung zum Dienst an der leidenden
Menschheit.
Der du ein dienender Bruder werden willst, vernimm die Lehren, bewege sie in
deinem Innern, triff die Entscheidung, bereite dich zum Dienst!
Johanna Breitenfeld
Theosophische Kultur 1924 Seite 30
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