Schwarzwald
Die Aufgabe der Ehe
Alles, was im Universum lebt, ist ein Strahl aus dem ewigen,
allerleuchtenden Lichte. Das ewige Licht der Liebe muss in der Ehe
leuchten, wenn sie glücklich sein soll. Wo die selbstlose Liebe
im Vergessen des eigenen Ichs lebt, da leuchtet der Strahl des ewigen
Lichtes und vereinigt die Lichtstrahlen zu einer einzigen
leuchtendenKraft.
Wenn in der Ehe Uneinigkeit und Misshelligkeiten entstehen, so
wisset, dass es Widerstände sind, die aus eurer Persönlichkeit
geboren wurden, indem ihr die Ungewöhnlichkeit, das
Unvergängliche der Liebe in eurer Ehe vergasset.
Niemals könnt ihr euch durch eine Ehescheidung von eurem
selbstgeschaffenen Leide lösen. Ihr häuft nur neues Leid zu
malten. Ihr habt das heilige Licht der Liebe, das euch segnete,
vergessen. Wenn wahre Liebe euch zusammenfinden liess, werdet ihr
euch immer wieder finden! Sie ist ja ein Strahl von der nie
versiegenden Sonne, die euch zusammenführte.
Die Ehe ist ein Band und in dem Sinne eine Fessel. Wer diese
Fessel in der Liebe löst, kommt zur Freiheit und zum Frieden,
kommt zur Wiedervereinigung mit dem Urstrahl des ewigen Lichtes.
Widerstände und Schwierigkeiten in der Ehe prüfen eure
Liebe. Wenn ihr euren Eigenwillen in euch umwandelt und in Gottes
Willen aufgehen lasst, dann werdet ihr bald eine harmonische Ehe
führen.
Einer muss dem anderen helfen im Ausmerzen der persönlichen
Eigenschaften. Wandergesellen seid ihr, einer des anderen Helfer und
Stütze auf dem Wege zu Gott. Solange die Menschen die Ursachen
ihres Unglücks nicht aufheben, können sie nicht glücklich
werden; sie reiben sich wund, stossen einander ab und laufen zuletzt
auseinander.
Wenn sie aber ihre gegenseitige Aufgabe, die sie aneinander band,
nicht gelöst haben, zwingt diese Pflichtverletzung sie dazu, in
einem der folgenden Erdenleben da wieder anzufangen, wo die Erfüllung
der Pflicht versäumt wurde. Die Ehe ist heilig; sie ist eine
Schule, geleitet nach dem göttlichen Gesetze, das nicht zu
umgehen ist.
Die Ehe ist eine Lebensschule. Wer die Aufgaben, die sie aufgibt,
gelöst hat, tritt aus ihr hinaus, und ihm öffnen sich die
Pforten der wahren Bruderschaft in Gott.
Johanna Breitenfeld
(»Das Licht der Seele«)
Theosophische Kultur 1932 Seite 248
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