Die innere Einstellung ist bei der Lebensbemeisterung
ausschlaggebend.
Die Eigenart des Menschen wird bestimmt durch Veranlagung,
die er aus dem früheren Leben mitgebracht hat. Umwelt und Erziehung,
einschliesslich Selbsterziehung.
Ob jemand das Leben meistert, beweist er dadurch, dass
er die Situation des Versagens meistert, d.h. durch Erfahrungen zu Erkenntnissen
kommt. Menschsein ist Aufgabe. Sie will erarbeitet, erlebt, erfahren sein.
Je höher die Erkenntnisse sind, desto besser kann er sein Leben meistern.
Nicht in einem reibungslos dahin fliessenden Leben, sondern
an den Schwierigkeiten des Daseins werden die Tugenden und wahren Werte
des Menschen erworben und gestählt.
Menschsein heisst in einer dreifachen Beziehung zu stehen,
und zwar: zu sich selbst, zur Welt und zu einem höchsten Ideal.
Wichtig in erster Linie ist: dass sich der Mensch, so
wie er ist, annimmt, dass er sich bemüht, mit sich gut Freund zu sein,
echt zu sein.
Erst dann ist er in der Lage, zur Welt auch richtig Stellung zu nehmen. Nur der Mensch, der sich angenommen hat, der sich in seiner Eigenart bejaht hat, kann die Aufgabe, die Welt zu verändern, nach seinen Möglichkeiten erfüllen durch seine Anlage, durch seinen Beruf, durch sein Denken und Handeln. Er wird dadurch vor entscheidende Entwicklungsmöglichkeiten gestellt. Er hat an seinem Platz die ihm gestellten Schicksals-Aufgaben immer wieder von neuem bejahend anzunehmen.
Jede unserer Taten, ja jeder Gedanke, beeinflusst nach
dem Gesetz von Ursache und Wirkung unser Leben. Die Folgen unseres Denkens,
Fühlens und Tuns kehren als Schicksal zu uns zurück.
Ganz wichtig ist es, dass wir lernen, zu unserem Schicksal
ja zu sagen, es anzunehmen und zu verarbeiten. Dann ändert es sich
auch.
Wer nicht an sich arbeitet, an dem wird gearbeitet und
zwar durch Hiebe und Schläge des Schicksals. Wir sind das, wozu wir
uns selber machen.
Das Fertigwerden mit seiner Umwelt ist heute dringend
nötig. Nur in der Gemeinschaft kann der Mensch gedeihen und sich entfalten.
Er ist nicht in sich vollendet sondern über sich hinaus auf höhere
Ziele und Kräfte geschaffen. Wenn man einmal erlebt hat, wie Ideen
Menschen verändern, beleben können, wie ideale Vorstellungsbilder
über den Menschen eine Macht haben, dann erst wird man verstehen,
dass der Mensch ohne ein solches Idealbild nicht zu leben im Stande ist.
Jeder von uns ist ein Original. Wir sind in einer ganz
besonderen Form geschaffen, um auf einem ganz bestimmten Platz im Leben
der gesamten Menschheit zu wirken. Wir brauchen die Schwierigkeiten des
Lebens.
Der junge Mensch und das Kind brauchen Bejahung und Anerkennung.
Wenn wir in unserem Dasein diese Bejahung nicht erfahren haben, werden
wir gehemmt, so dass wir immer mehr zurückschrecken.
Zum Menschsein gehört Hilfsbereitschaft und Teilnahme.
Der Mensch, der sich höher entwickeln will, kann nur durch Befolgung
der allumfassenden Liebe zu Mensch, Tier und Natur in Harmonie leben. Menschenliebe
ist eines der wichtigsten Lebensziele und kann wahre Lebensfreude vermitteln.
Voraussetzung dazu ist das Streben nach Lebensweisheit, Charakterfestigkeit,
Selbstbeherrschung und Selbstlosigkeit.
Je mehr der Mensch bereit ist, zu der Situation, in die er gestellt ist, ja zu sagen, je mehr er von sich absieht, um der Sache willen, um der Menschen willen, desto wahrscheinlicher wird er echten Erfolg haben. Je mehr aber der Mensch in sich versponnen, sich als das A und O des Tuns sieht, desto sicherer ist er nicht fähig, den Gegebenheiten der Umwelt entsprechend Rechnung zu tragen, desto sicherer wird er gesetzmässige Abläufe nicht registrieren, weil er sich selbst im Wege ist. Der Erfolgreiche lebt von sich auf sich zu. Er braucht materielle Dinge als Ausweis seines Ichs, als Icherweiterung, als Ich-Bestätigung. Er braucht das Ansehen der Menschen um ihn herum, weil er sonst vielleicht übersehen werden könnte, weil er von einem so kleinen Ich ausgehend ist. Er lebt über in sich hinein, in die letzte Einsamkeit.
Freiheit ist nur dann richtig zu verstehen, wenn ein Mensch
sich freiwillig durch höhere Erkenntnis in die geistigen Gesetzmässigkeiten
einordnet.
Nicht resignieren! Resignation macht krank. Der Gleichgültigkeits-Standpunkt
reicht nicht zur Bewältigung einer Situation. Folge von stetiger Resignation
ist Pessimismuss. Der Mensch hat eine ungeheure Macht, aus dem Minus ein
Plus zu machen. Einen Erfolg auswerten kann jeder, aber aus dem Versagen
etwas Positives machen, weist den Menschen mit Geist aus. Versager braucht
er auch, weil er seine Grenzen erfahren muss. Er wird das tun, was ihm
möglich ist.
Zusammenfassend dürfen wir feststellen, dass Schicksalsbewältigung und Lebensbemeisterung ohne tiefere Erkenntnisse, Arbeit an uns und ethisches Verhalten den Mitmenschen gegenüber nicht möglich ist. Sicher gibt es wenig Menschen, die durch ihre schon bei der Geburt mitgebrachte Veranlagung fähig sind, aus ihrem Inneren zu schöpfen ohne durch mühsames Suchen nach Quellen und ohne schmerzliche Erfahrungen durch falsches Denken und Handeln ihr Schicksal zu meistern. Ihnen genügt oft ein Hinweis, ein in sich Versenken, um richtig zu handeln. Was im Menschen angelegt ist, kann leicht herausgeholt werden.
Mögen wir die Kraft haben, immer wieder aufs Neue
vorwärts zu streben, um dem wahren Sinn des Lebens gerecht zu werden.
Erinnern Sie sich so oft wie nur möglich an Ihr
Ziel. Malen Sie es sich in realen Einzelheiten aus. Verlieben Sie sich
in Ihr Ziel!
