Gottesbegriff, Über den Gottesbegriff aus theosophischer Sicht

Den innersten Kern eines Menschenwesens wie jeder anderen organischen Wesenheit bildet ein kosmischer Geist, sozusagen ein Funke der kosmischen Lebensflamme.

Im Rahmen der Theosophie wird meistens von der Gottheit gesprochen, weil man sonst einen persönlichen Gott darunter verstehen kann.

Gottheit ist ein grenzenloses Bewusstsein, ein universaler, allumfassender Geist mit einem ewigen göttlichen Plan mit ehernen fundamentalen, unabänderlichen Gesetzen, durch die alle Weltsysteme in dem uferlosen Meer des abstrakten Raumes ins Dasein treten und sich entwickeln.

Mystiker aller Zeiten lehrten einmütig die Tatsache von dem Dasein und der allgegenwärtigen Macht eines individuellen inneren Gottes in jedem Menschenwesen als erstes Prinzip oder Urkraft, die den Übergang des Menschen vom materiellen Leben zum spirituellen leitet.

Alle Kräfte, alle Fähigkeiten, alle charakteristischen Eigenschaften der Individualität, die durch Evolution zu individueller Entfaltung gelangen, sind das Ergebnis der Tätigkeit jener lebensspendenden und inspirierenden Ströme spiritueller Energie in der menschlichen Natur.

Das strahlende Licht, das jenem unsterblichen Zentrum oder Herzen unseres innersten Wesens entströmt, und das unser innerer Gott ist, erleuchtet den Pfad von uns allen. Und diesem Lichte entstammen unsere idealen Vorsätze.

Das göttliche Feuer, das die universale Natur durchdringt, bildet die Quelle für das individuelle göttliche Feuer, das von des Menschen innerem Gotte kommt.

Jeder Mensch ist seinem inneren Wesen nach göttlich und enthält alle Eigenschaften und Kräfte, die wir mit dem Göttlichen verbinden, im Keimzustand. Diese Kräfte werden allmählich entfaltet, was zu einer immer zunehmenden Vollkommenheit und zu einer Ausdehnung des Bewusstseins führt, die keine Grenze hat.

Die Gottheit ist Überall, in jedem Atom des sichtbaren und unsichtbaren Kosmos, sie ist in, über und um jedes unsichtbare Atom und teilbare Molekül; denn sie ist die geheimnisvolle Kraft der Evolution und Involution, die allgegenwärtige, allmächtige und sogar allwissende schöpferische Potentialität.

Max Planck, 1858-1947; Naturforscher, leitete mit Einstein ein neues Zeitalter der Naturwissenschaft ein und prägte unser physikalisches Weltbild entscheidend um. Folgende Ausführungen machte Planck auf einem Gelehrtenkongress in Florenz:

Als Physiker, also als Mann, der sein ganzes Leben der nüchternen Wissenschaft, der Erforschung der Materie diente, bin ich sicher von dem Verdacht frei, für einen Schwarmgeist gehalten zu werden. Und so sage ich nach meinen Erforschungen des Atoms folgendes:

Es gibt keine Materie an sich! Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten Sonnensystem des Atoms zusammenhält. Da es im ganzen Weltall aber weder eine intelligente noch eine ewige (abstrakte) Kraft gibt, müssen wir hinter dieser Kraft einen bewussten intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie. Nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche (denn die Materie bestünde, wie wir es gesehen haben, ohne diesen Geist überhaupt nicht!), sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre.

Da es aber Geist an sich nicht geben kann, und jeder Geist einem Wesen zugehört, so müssen wir zwingend Geistwesen annehmen. Da aber auch Geistwesen nicht aus sich selbst sein können, sondern geschaffen worden sein müssen, so scheue ich mich nicht, diesen geheimnisvollen Schöpfer ebenso zu nennen, wie ihn alle alten Kulturvölker der Erde früherer Jahrtausende genannt haben: GOTT!
 

Die Entwicklung der Menschheit auf unserer Erde wird durch eine okkulte Hierarchie geleitet, die aus vollkommen gewordenen Menschen besteht, welche in sich transzendente Kräfte und Fähigkeiten entwickelt haben, von denen wir uns auf unserer gegenwärtigen Stufe keinen Begriff machen können. Sie stehen in ständiger, enger Beziehung zueinander und zu den Angelegenheiten der Welt und leiten diese dem göttlichen Plan gem mit vollendeter Geschicklichkeit und Weisheit.
 

Wie wird das Ziel der bewussten Einswerdung mit dem Urgrund Gott erreicht?

Nach Asoka besteht wahre Religion darin, da man so wenig wie möglich Leid verursacht, Gutes in Fülle tut, und im Leben Liebe, Wahrhaftigkeit und Reinheit in gleicher Weise pflegt.

Der christliche Mystiker, Meister Eckehardt, rät: Tue alles weg, was nicht Gott ist, und Gott bleibt übrig.

Die Lehre des Buddha kann man kurz zusammenfassen: Das, was uns scheinbar von diesem göttlichen Urgrund trennt, sind die Vorstellungen von der Erscheinungswelt, die wir in unser Bewusstsein tragen von der vergänglichen Welt.

Der Weg zur Überwindung alles Anhaftens an der Welt der Formen, der Empfindungen und Vorstellungen und damit allen Leides, ist der achtfache Pfad;rechtes Wissen, rechtes Wollen, rechtes Wort, rechtes Werk, rechtes Denken, rechte Einsamkeit, rechtes Ergriffensein, rechte Versenkung.

Das heisst mit anderen Worten, den Verstand von verkehrten Vorstellungen reinigen und die höchsten Geisteskräfte durch Meditation in sich wachzurufen.
 

Literaturempfehlung: Die Lehre des Wachstums von I. K. Taimni

Hirthammer Verlag, München ISBN 3-921288-56-8