Die Kraft des Glaubens

Es gibt drei Arten von Glauben:
1) ein blinder Glaube, d.h. ein Glaube ohne Realität, daher die Aussage Glauben heisst nichts wissen

2) der Glaube an ein Dogma (Glaubenszwang)

3) der Glaube aus Erkenntnis

Die Erkenntnis widerlegt sowohl einen blinden Glauben als auch einen dogmatischen Glauben.
Die Zeit des blinden Glaubens ist vorüber, die Forschung nach höherer Erkenntnis hat begonnen. Die Menschheit will für das, was sie glauben und tun soll, das Warum und das Wie wissen. Die moderne Wissenschaft hat zwar dem frommen Wahn den Todesstoss gegeben und manchem Aberglauben ein Ende gemacht; aber da sie selbst die ewige Wahrheit nicht kennt, so konnte sie nur zerstören und einen anderen Wahn an die Stelle des vernichteten setzen. Soll die Menschheit zu einer höheren Erkenntnis gelangen und das Ringen des Geistes nach Freiheit eine dauernde, auf Gerechtigkeit beruhende Grundlage finden, so gilt es, den religiösen Ideen einen wissenschaftlichen Halt und der Wissenschaft eine tiefere Einsicht in die höheren Geistgesetze zu geben, mit anderen Worten: es gilt, Religion und Wissenschaft zu vereinigen.

Der Glaube aus Erkenntnis:
Es gibt zwei Erkenntnisarten:
1) Erkenntnis aus Schlussfolgerungen aus Bildern von der Auenwelt.

2) Erkenntnis aus dem Quellgrund der Seele durch Innewerden.(Imagination, Inspiration und Intuition)

Zu 1): Erkenntnis aus Schlussfolgerungen aus Bildern von der Aussenwelt:

Die Geschichte der Wissenschaft ist voller Beispiele für den Glauben an die Vernunft und für Visionen der Wahrheit. Kopernikus, Kepler, Galilei und Newton waren alle erfüllt von einem unerschütterlichen Glauben an die Vernunft. Für diesen Glauben starb Giordano Bruno auf dem Scheiterhaufen und seinetwegen wurde Spinoza exkommuniziert. Dieser Glaube wurzelt in der eigenen Erfahrung, im Vertrauen auf das eigene Denk-, Beobachtungs- und Urteilsvermögen. Während der irrationale Glaube etwas nur deshalb für wahr hinnimmt, weil eine Autoritt oder die Mehrheit es sagt, ist der rationale Glaube in einer unabhängigen Überzeugung verwurzelt, die sich auf das eigene produktive Beobachten und Denken - und der Meinung der Mehrheit zum Trotz - gründet.

Zu 2): Erkenntnis aus dem Quellgrund der Seele durch Innewerden:
Die Aufgabe des Menschen ist: der Erde und ihren Kräften von innen, seiner ewigen Seele heraus im und durch Glauben zu dienen, im Sinne Gottes, nicht im Dienste seiner egoistischen Triebe.

Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles zufallen. Hier gibt es keine Methode, jeder muss eine eigene Methode finden. Die höchste Stufe des Glaubens ist intuitive Wahrheitsgewissheit und dynamische Wirkkraft. Dieser Glaube ist eine dreifache Kraft der Erkenntnis der Wahrheit und der Vollkommenheit.

Was ist Glauben?
Glauben ist auf jeden Fall eine seelische Kraft, die mehr oder weniger stark ist. Es geschehen Wunder durch die Kraft des Glaubens. Glaube ist Auswirkung von innen heraus, aus dem Mittelpunkt des Ichs heraus.

Die Kraft der Seele durchdringt den Körper und kann ihn verändern. Daher sind Heilungen möglich. Der Mensch, der zur höheren geistigen Erkenntnis kommt, erlebt, da der Geist die Seele und den Körper durchdringt - ein Funke hellsten, klarsten Bewutseinslichtes, das zugleich als Wille höchste Macht und Gewalt ist.

Echter Glaube entspricht auch einer echten seelischen Wirklichkeit. Je vollkommener ein Mensch in der geistigen Erkenntnis wird, desto wirksamer wird in ihm die göttliche Schöpferkraft. Bei jeder Krankheit ist ein wichtiger Teil der Heilung auch der Glaube und der Wille des Patienten. Der Glaube der Seele belebt die heilenden Kräfte des Körpers. Die gesamte Lebenshaltung muss von der Schöpferisch-gestaltenden Kraft des Glaubens getragen sein. Dann lebt der Mensch im Glauben.

Aus dem Glauben leben, aus dem Schöpferischen Quellgrund seiner Seele, das erfordert:
die restlose Aufgabe
das restlose Verlassen
des eigenen, egoistischen Wünschens,
Wollens und Begehrens.

Erst dann kann der Mensch den Willen Gottes tun. Erst dann kann der Mensch zum Mitarbeiter Gottes in seiner ewigen, nie endenden Weltschöpfung werden. Nur wer in sich den Willen des Ewigen sucht unerschütterlich an die Wirklichkeit dieses inneren Seins glaubt selbst alles im äusseren tut, was dieses Bild verwirklichen kann der allein nimmt aktiv teil an der Weltschöpfung Gottes. Eine ungeheure Verantwortung trägt der Mensch. Eine Weltenwende will und muss kommen: Der neue Mensch, der statt Atombomben seine Glaubenskräfte mobilisiert und der unter der Verantwortung dem Menschen gegenüber und Gott gegenüber wirkt, der neue Mensch, der aus dem Glauben lebt, ist im Kommen. Er allein, nicht irgendeine Ideologie, wird einen friedlicheren und gerechteren Verkehr der Menschen und Völker miteinander bringen.

Jeder Einzelne von uns aber kann hierzu beitragen, indem er bei sich selbst beginnt und sich selbst wandelt und sein Dasein innerhalb seines Lebensbereiches mit seinen Glaubenskräften formt und gestaltet.

Und man beginnt damit, dass man die kleinen Dinge des alltäglichen Lebens nicht nur mit äusseren Mitteln zu regeln sucht, sondern stets ihre Lösung mit in den Glauben aufnimmt. Man muss mit Kleinem beginnen, weil man dabei streng darauf achten muss, wahr in sich selber, vor sich selber zu sein.

Zu dem Gedanken: Ich gehe den rechten Weg, ich tue das Richtige, Wirksame und Erfolgreiche, muss noch das tief Beglückende kommen:
Ich stehe nicht allein im Leben dieser Welt, nicht nur meine eigene Kraft kommt zum Einsatz.
Ich bin eingebettet, umhüllt und umflossen und bis ins Allerinnerste hinein durchdrungen von einem Meer unendlicher Kraft
unendlicher Weisheit
unendlicher Liebe.