Unser Gewissen ist die unmittelbare Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden (Hartmann).
Eng verwoben mit der Vernunft ist das Gewissen mit seiner Kraft der Unterscheidung von Gut und Böse (Paracelsus).
Gewissen und Vernunft sind Prüfsteine für alle Unternehmungen. Habe Achtung und Ehrfurcht vor der Gewissensfreiheit jedes Menschen und vermeide jegliche Beeinflussung des Gewissens der Anderen. Verwechsle aber Gewissen nicht mit Gefühl und Instinkt und Vernunft nicht mit Intellekt und Verstand (Iranschähr)
Das Gewissen ist etwas ganz Subjektives, Individuelles; es entspricht dem Entwicklungsgrad in moralischer und ethischer Hinsicht und ist ein Gradmesser für dessen Höhe. Es kann uns nicht von einem Anderen gelehrt und anerzogen werden, es beruht ganz und gar auf eigener Erfahrung und Erkenntnis und muss durch Erfahrung von jedem Einzelnen selbst erworben werden. Auch kann niemand sein Gewissen für einen Andern als massgebend betrachten. Deshalb sagt man ja auch in bestimmten Fällen: das muss jeder mit seinem Gewissen abmachen.
Das Gewissen ist neben der höheren Vernunft die höchste Instanz , an die sich der Mensch in Zweifelsfragen wenden kann. Richtet er sich nach dem, was sein Gewissen ihm sagt, dann handelt er immer richtig, und zwar auch dann, wenn ihm sein Gewissen mal etwas rät, was sich in der Praxis als falsch erweist. Das wird häufig vorkommen, solange das Gewissen noch wenig entwickelt ist. Der Mensch muss trotzdem seinem Gewissen folgen, denn durch Fehlurteile lernt das Gewissen sehr schnell und wird immer empfindlicher für das, was gut und richtig ist.
Auf keinem anderen Gebiete lernt man so schnell und sicher aus den gemachten schlimmen Erfahrungen, als in Gewissensfragen. Parallel mit dem Gewissen entwickeln sich Pflichtbewußtsein und Verantwortungsgefühl, diese sind gewissermaßen die Früchte des Gewissens.
Gewissen, höhere Vernunft, Pflichtbewusstsein und
Verantwortungsgefühl sind die sichersten Führer auf dem Wege
zur Vollkommenheit (Fährmann).
Jede Handlung lässt sich von 3 Motiven aus beurteilen:
1. Der Mensch handelt gedankenlos, aus Stumpfsinn, aus
Dummheit.
2. Er handelt aus Begierde, aus Berechnung, aus Nützlichkeitsgründen.
3. Er handelt aus Erkenntnis, aus Güte, aus selbstloser
Liebe.
Wenn jemand nicht weiss, was er zu tun und was er zu lassen hat, dann ist er schlimm daran, er ist vom Gewissen verlassen, ja, man kann sagen, er ist von Gott verlassen. Doch die meisten Menschen glauben weder an Gott noch an ihre eigene Seele. Sie wissen auch nichts von ihrer Unsterblichkeit und von der sittlichen Weltordnung.
Es gibt neben dem physischen Tod einen anderen Tod, der durch den Verlust des Gewissens herbeigeführt wird. Es ist der geistige Tod, der stattfinden kann, ehe der Körper stirbt. Das Höhere Selbst trennt sich da vom niederen Ich (Hubert Scholz).
Der geistige Tod - wir können auch sagen, die Gewissenlosigkeit - entspringt dem Ungehorsam gegen das Gesetz des natürlichen Lebens. Aber die geistig Toten haben auch ihre intellektuellen Begabungen und angespannten Tätigkeiten. Alle tierischen Freuden gehören ihnen, und für eine Unmenge von Männern und Frauen sind sie das höchste Ideal menschlicher Glückseligkeit. Eine hohe Entwicklung der intellektuellen Fähigkeiten schliesst nicht geistiges Leben in sich aus. Der geistig Tote, der Gewissenlose, ist eine viel gefährlichere Bestie geworden als seine Genossen in der unentwickelten Tierwelt. Es ist ein Wesen, Mensch seiner Gestalt nach, aber ein Tier in seinem Charakter, Mensch in seiner äusseren Erscheinung, aber ohne menschliche Gefühle, ohne Erbarmen, ohne Liebe, ohne Sinn für Menschlichkeit, ein Wesen, vor dem wir mit tiefstem Mitleid zurückschauern. - Der Gewissenlose ist eine Verkörperung der Selbstsucht, er fällt unter das Tier, und er wird nach dem Tode nicht in die Himmelswelt aufsteigen, sondern er wird als menschliche Geisel wiedergeboren (H.P. Blavatsky).
So bilden die Gewissenlosen für die Menschheit eine grosse Gefahr! In ihnen entwickelt sich Schlauheit bis zu einem aussergewöhnlichen Grade, und niemand auer denen, die mit der Lehre vertraut sind, würde Verdacht hegen, da sie seelenlos sind, denn weder die Religion noch die Wissenschaft hat die geringste Ahnung davon, da eine solche Tatsache existiert.
Doch es besteht immer noch Hoffnung für eine Person, die ihr höheres Selbst noch nicht verloren hat, solange sie noch im Körper weilt. Sie kann noch erlöst und zu einer Wandlung ihrer materiellen Natur veranlasst werden. Denn ein starkes Reuegefühl oder am besten eine tatsächliche Anstrengung, ihr Verhalten zu andern, kann das höhere Selbst zurückholen (Hubert Scholz).
Die Schärfung des Gewissens ist daher eine notwendige Forderung, sie ist auch der beste Schutz gegen Geisteskrankheiten. Der Mensch, der ein reines Gewissen hat, hat Intuition, er kann in seinem Urteil nicht irren. Er kann vieles erdulden, auch inmitten aller Trübsal kann er glücklich sein. Wer ein Böses Gewissen hat, ist immer furchtsam und hat keine Ruhe.
Wer das Gute will und die Wahrheit liebt, mag wohl noch oftmals irren, er wird aber niemals seelenlos werden. Jeder mache sich klar, dass das Gewissen es nur mit der Gesinnung zu tun hat und darum auch keine äussere Handlung fordert oder verbietet (Hubert Scholz).