Als Grundlage zu meinem Vortrag dienten mir die Ausführungen von Johannes Fährmann, Erhard Bäzner, Hermann Rudolph und Gopi Krishna.
Jedes okkulte Streben bringt eine grosse Anzahl von Gefahren mit sich. In der Seele des Wanderers auf dem theosophischen Pfad erwachen nicht nur die in ihr schlummernden Keime zu den Tugenden, sondern auch die Keime zu allen
Lastern und streben nach Entfaltung. Solange der Mensch den theosophischen Pfad nicht bis zu Ende gegangen ist, sind auch noch nicht alle Keime des Niederen, des Egoismus, vernichtet worden. Die Gefahren liegen weniger in der äusseren Welt als vielmehr in der Welt seiner Wünsche und Gedanken .
Die Formen der Versuchungen, denen ein okkulter Schüler ausgesetzt ist, sind unzählig. Die seelische und geistige Atmosphäre unseres Planeten ist von zahllosen Schwingungen erfüllt und von den Spannungen geladen, die von den Gedanken, Gefühlen, Begierden und Leidenschaften der Menschen ausgehen. Gedanken, Gefühle, Wünsche und Begierden sind durchaus reale Geschöpfe. Sie werden wie von einem Magneten von Menschen angezogen, die ähnlich geartete Neigungen in sich tragen. So beeinflussen sich die Menschen ständig gegenseitig zum Guten wie zum Bösen. Wir wissen, dass ein zorniger Mensch uns selbst in Zorn versetzt, wenn wir uns nicht beherrschen. Unsere politische, religiöse, wissenschaftliche und künstlerische Anschauung ist zum grossen Teil von unserer Erziehung abhängig, falls wir uns nicht über eine bestimmte Stufe hinaus entwickelt haben.
Wir dürfen auch nicht den Einfluss der Gestirne und Planeten auf die Psyche des Menschen ausschliessen. Der Mensch ist ein Mikrokosmos, d.h. in seinem Wesen und seiner Konstitution ein genaues Ebenbild des Makrokosmos (des Weltalls im Grossen). Infolgedessen sind alle Kräfte, die in unserem Weltall enthalten sind, als latente Keime auch in der Seele des Menschen vorhanden. Beide stehen miteinander in Wechselbeziehung Diesbedeutet, dass neben den göttlichen Mächten im Universum auch dämonische Kräfte wirksam sind und ständig auf alle Wesen des Universums, also auch auf uns Menschen, einwirken Nur die Weisen und Heiligen werden von diesen Kräften nicht mehr beeinflusst.
Eine andere starke Gefahrenquelle sind der Pseudo Okkultismus und die schwarze Magie . Dazu gehören die Kräfte des Hypnotismus, der Suggestion, der gedanklichen Fernwirkung, Hellsehen, Mesmerismus, spiritistische Mediumschaften usw. Hierzu kommen neuerdings auch noch die sogenannten Yo-gakräfte, die in den westlichen Ländern mehr und mehr Beachtung finden und viel Unheil stiften können, wenn sie von unwissenden und moralisch unreifen Menschen in Bewegung gesetzt werden. Mit dem wahren Okkultismus haben sie nichts zu tun.
Neben dem ernsten Forschen auf diesem Gebiet macht sich auch sehr viel Scharlatanismus und mentales Verbrechertum bemerkbar. Es befassen sich Leute damit, die dadurch nur Geschäfte machen oder Einfluss auf andere gewinnen wollen, um sie unter ihre Gewalt zu bringen und für ihre selbstsüchtigen Zwecke dienstbar zu machen. Dazu gehören viele Staatsmänner politische Meinungsfabrikanten, religiöse Fanatiker, Reklamefachleute, Wunderdoktoren, Hypnotiseure usw., die durch die Kunst der Massenbeeinflussung" ganze Völker in Kriege hineinhetzen, die sonst gar nicht daran denken würden, in einen Krieg zu ziehen. Wieder andere schaffen durch faszinierende Schlagworte neue Moden, ganz über-flüssige Bedürfnisse, schädliche Genüsse und alberne Gewohnheiten, um daraus möglichst viel bare Münze zu schlagen. Dadurch werden höhere geistige und seelische Kräfte auf das Niveau des Materialismus und des krassen Egoismusherabgezogen.
für den Pilger auf dem theosophischen Pfad liegt die Gefahr des Pseudo Okkultismus besonders darin, dass er, solange er die Sucht'. nach der Erlangung okkulter Kräfte noch nichtvöllig überwunden hat, der Versuchung erliegt, sich niedererokkulter Praktiken zu bedienen, um vorzeitig hellsehend zu werden, in die Ferne wirken zu können usw. Durch solche Praktiken kann er nur astrale Fähigkeiten erlangen, aber keine höheren geistigen Erkenntnisse.
Hermann Rudolph kennzeichnet den wahren Okkultismus wie
folgt: "Der wahre Okkultismus hat nichts mit den selbstischenKräften
der niederen Welt zu schaffen, sondern besteht indem Besitz und in der
Ausübung der rein geistigen, selbstlosen Kräfte, die er im Dienst
des Höchsten und zur Förderung der Entwicklung aller Wesen gebraucht.
Die wahren Okkultisten sind die Meister der Weisheit und Macht (Adepten)
und die bewussten Diener des Geistes in der Natur .Der wahre Okkultismus
ist sowohl göttliche Selbsterkenntnis als auch göttliche Magie
und beruht auf der Selbsterkenntnis der Wahrheit. Die Theosophie ist also
Voraussetzung und Vorstufe des Okkultismus und dieser die Vollendung und
Krönung der Selbsterkenntnis.
Zur Frage, auf welche Weise sich der Theosophieschüler selbst prüfen und woran er mit Sicherheit erkennenkann, dass er den Schritt, den Pfad zu betreten, wagen darf, sagt Johannes Fährmann:
Er möge sich folgende Fragen vorlegen: 1Kann ich mein Verlangen bezähmen, bald in den Besitz okkulter Kräfte zu kommen und geduldig zuwarten, bis dieselben von selbst in mir erwachen?
2. Bin ich fähig und bereit, persönliche Opfer an Geld und Arbeit auf mich zu nehmen, um der Sache, der ich mich mit Leib und Seele widmen will, zu dienen? Bin ich notfalls auch bereit, Entbehrungen zu ertragen?
3. Bin ich fähig, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun, ohne danach zu fragen, ob mir daraus Vorteile oder Nachteile erwachsen?
4. Könnte ich es ohne Groll ertragen, wenn ich missverstanden, meine Leistungen nicht anerkannt oder sogar falsch beurteilt würden
5. Bin ich imstande, absichtliche oder unabsichtliche Kränkungen meiner Person zu erdulden, ohne Rachegefühle in mir aufsteigen zu lassen, sondern grossmütig zu verzeihen?
6. Ist in mir noch eine Art Geltungsbedürfnis und das Verlangen nach Anerkennung meines Wirkens im Dienste der Sache vorhanden?
7. Würde ich mich an der Sache irremachen lassen,
wenn ich merke, dass Menschen, denen ich viel Vertrauen entgegengebracht
habe und von denen ich annahm, dass sie der Sache selbstlos dienen enttäuschen
und sich als unwürdig die Fragen l-5 mit einem aufrichtigen Ja, die
Fragen 6 und 7 mit einem ebenso aufrichtigen Nein beantworten kann, der
darf es wagen, sich auf den theosophischen Pfad zu begeben.
Wer sich aber dessen nichtganz sicher fühlt, der möge sich selbst erst Proben auferlegen und sich üben in selbstlosem Wirken. Man kann jahrelangselbstlos wirken und Opfer bringen, auch ohne den unwiderruflichen Entschluss gefasst und vor seinem eigenen "Höheren Selbst" (dem Gott im Menschen) das Gelübde abgelegt und sich dadurch gebunden zu haben, allen selbstischen Interessen zu entsagen. Hat er sich dann lange Zeit geduldig und treu geübt im selbstlosen Wirken, ohne dass es ihm allzu schwer gefallen ist, sich von Besitz und Lohn, Eitelkeit, Ehrgeiz und Selbstgefühl zu trennen, dann kann er es wagen, sich auf den theosophischen Pfad zu begeben. Um uns keiner Gefahr auszusetzen, sollten wir uns, wie aus den Ausführungen Gopi Krishnas in dem Buch "über Bewusstseinserweiterung, Meditation und Yoga" hervorgeht, immer wieder ganz bestimmte Grundregeln bewusst machen: Es besteht ein grosser Unterschied zwischen okkulten Künsten, d.h. den heute angebotenen Praktiken, wie z.B.Yoga, autogenes Training, transzendentale Übungen, und der wahren geistigen Höherentwicklung.
Eine klare Unterscheidung zwischen dem blossen Streben nach okkulten Kräften und dem Leben der strengen Selbstdisziplin mit dem Ziel der Selbstbemeisterung - was Herrschaft über unsere leidenschaftlich-gefühlsmässige Natur bedeutet - ist aussergewöhnlich wichtig. Es ist eine Sache von geisti-gen, moralischem Leben, bei der die Wahl getroffen wird, entweder dem geraden und engen Pfad aufwärts zur geistigen Entfaltung zu folgen oder abwärts zu tauchen".
Möge der Suchende nach nichts Höherem streben, als was zu vollbringen er sich fähig fühlt. Ohne ein "Mahatma", ein Buddha oder ein grosser Heiliger werden zu wollen, möge er die Philosophie und das "Wissen der Seele" studieren, und er kann ohne irgendwelche "übermenschliche" Kräfte einer der bescheidenen Wohltäter der Menschheit werden.
Erhard Bäzner erwähnt in seinem Buch "Hypnotismus, Okkultismus und Pseudo Okkultismus folgendes ."Zu den pseudo-okkulten Künsten gehören u. a. die Fähigkeit der Erteilung von Suggestionen, ferner Autosuggestion, Automatismus, Hypnotismus, Wahrsagerei, Gedankenlesen und Gedankenübertragung sowie die Fähigkeit, den physischen Körper willkürlich zu verlassen und die Astralwelt zu betreten, um von dort aus andere zu beeinflussen und vielleichtabsichtlich zu schädigen. Der Pseudo-Okkultismus umfasst ferner den Vampirismus, das Vermögen, Astralwesen zu beherrschen, auch die somnambulen Fähigkeiten und die Verbindung mit astralen und mentalen Führern, das Astralsehen und hören, das Lesen im Astrallichte, ferner die wissen-schaftlichen Grenzgebiete wie Chiromantie, Phrenologie, Physiognomik, Graphologie und Horoskopie, sofern sie zu persönlichen Zwecken missbraucht werden. Auch die Experimente mit dem siderischen Pendel, das Ringorakel und das Besprechen von Krankheiten werden nur zu häufig als höhere Stufen der Entwicklung bezeichnet und irrtümlich für Okkultismus gehalten.
Die Schüler des Pseudo-Okkultismus ersehnen diese astralen Fähigkeiten und betrachten die Erlernung dieser Künste, das Erschliessen der astralen und mentalen Sinne als eine Initiation (Einweihung). Derartige Bestrebungen entspringen meistens der Neugier, sowohl in das dem Unreifen noch verborgene Geheimnis seiner Menschennatur als auch in das Wesen anderer Menschen einzudringen und Macht und Einfluss über sie zu erlangen. Die Pseudo Okkultisten ahnen nicht die Gefahr, in der sie sich befinden, und wissen nicht, welchen Kräften der Zerstörung sie damit dienen.
Der Hatha Yoga - eine dem wahren Yoga viel später angehängte Form umfasst nur, die vier untersten Stufen des Daseins und schreibt Übungen vor, die namentlich dem westlichen Schüler dauernden Schaden zufügen können. Ohne Zweifel kann man sich durch Hatha Yoga verschiedene anomale Kräfte zu eigen machen, deren Anwendung aber für den selbstsüchtigen, ehrgeizigen Menschen mit grossen Gefahren verbunden sind. Die grösste Verbreitung auf dem Gebiete der pseudo-okkulten Künste hat zweifellos die Mediumschaft gefunden, deren sich der Spiritismus bedient. Medien sind gegenwärtig sehr zahlreich. Sie sind überall zu finden und ihre Zahl wächst ständig, wozu namentlich die immer häufiger angewandte Hypnose und die Werbung der Massenmedien unserer Tage (Radio, Presse und Fernsehen) beiträgt.
Ein Medium hat die Fähigkeit, selbst zu denken, zu wollen und zu fühlen, teilweise oder ganz verloren. Es lässt sich von den Gedanken anderer Menschen führen. Daher wird es von den verschiedensten Geistern und Impulsen, die es selbst gar nicht kennt, besessen.
Auch die Inspiration gehört in das Gebiet des Mediumismus. Das Inspirationsmedium irrt leicht von einem ursprünglich gefassten eigenen Entschluss ab, und Vorsätze und Gedankenrichtungen können häufig wechseln. In bestimmten Fällen kann jedoch ein starres Festhalten einer Gedanken-und Willensrichtung eintreten, selbst dann, wenn sie vernunftwidrig ist. Die Inspiration führt leicht zur allgemeinen Mediumschaft."
Abschliessend sei noch Gopi Krishna zitiert:
"Die Welt hat sich dermassen hinreissen lassen von den heute dargelegten, iirrtümlichen Beschreibungen höherer Bewusstseinszustände, dass sie fast vollständig ausgeschlossen hat, dass die hervorragendsten Beispiele transhumanen Bewusstseins - die grossen Mystiker und Religionsstifter - sowohl in ihrer seelischen Beschaffenheit, ihrer Denkweise, als auch in ihrer Lebensweise ganz bestimmte aussergewöhnlichen Eigenschaften an den Tag legten, die absolut jenseits des Bereiches jener veränderten Zustände des Bewusstseins liegen, die durch Drogen, Biofeedback, Hypnose oder autosuggestive Meditationstechniken hervorgerufen werden."
