Die Macht der Gedanken und ihr Einfluss auf Charakter und Schicksalsbewältigung
 

Der Mensch ist sich selten bewusst, dass der Gedanke eine aussergewöhnliche Kraft ist, die sich nicht nur auf den Aussender, sondern auch auf seine Umwelt mehr oder weniger positiv oder negativ auswirkt. Das Denken formt den Charakter im positiven und negativen Sinn. Vom Charakter ist wiederum die Gestaltung des Schicksals abhängig.

Denken ist ein Bewusstseinsvorgang. Gedanken sind Kräfte, die aus der Seele und dem Geiste des Menschen hervorspriessen. Sie erzeugen geistige Schwingungen, die unsichtbar weiterwirken, und zwar nicht nur bei gleichgestimmten Menschen, sondern in der ganzen geistigen Welt.

Ein guter Gedanke wird zu einer dauernden wohltätigen Macht, ein böser zu einem unheilbringenden Dämon. Ungünstige Gedanken üben eine starke Anziehungskraft auf schwache Gemüter aus, die dafür empfänglich sind und in sich selbst die Keime zu den gleichen Eigenschaften tragen. Aber auch sie ziehen von sich aus diese Gedankenformen an.

Selbstlose, liebevolle und gütige Gedanken rufen edle Gedankenformen und Heilkraft für den Aussender und Empfänger ins Dasein.

Wenn wir die mächtigen Wirkungen der Gedanken auf uns und auf das Gedankenleben unserer Umgebung und der ganzen Menschheit bedenken und in Betracht ziehen, dass auch unsere gesamte Handlungsweise und Lebensgestaltung und damit unser Schicksal davon abhängt, sehen wir ein, dass die Bemeisterung des Gedankenlebens unbedingt notwendig ist.

Was haben wir nun zu beachten, welche tieferen Erkenntnisse müssen wir uns aneignen? Wir wollen nun die wichtigsten Aspekte beleuchten.

In erster Linie müssen wir den tieferen Sinn des Lebens erfassen und einem unzerstörbaren Ziel nachstreben. Es ist die seelisch-geistige Höherentwicklung unter Beachtung des äusseren notwendigen Zieles. Dieses äussere Ziel darf jedoch nie auf Kosten der inneren Werte angestrebt werden. Die seelisch-geistige Höherentwicklung besteht in :

Erworbener Lebensweisheit, Erkraftung des Willens zur Charakterfestigkeit,

Selbstbeherrschung und Selbstlosigkeit.

Voraussetzung eines verantwortlichen Denkens und damit auch Handelns ist, dass wir uns orientieren, was sich um uns herum, ja überhaupt auf unserem Planeten abspielt. Um die Technologie in eine neue Richtung zu lenken, so dass sie dem Menschen dient, statt ihn zu zerstören, muss ein Umdenken stattfinden.

Um ein gutes Denkniveau zu erarbeiten, müssen wir das wahre Denken von der üblichen Denkpraxis, die oft nur ein Urteilen nach anerzogenen Denkgewohnheiten ist, unterscheiden. Wirkliche Praxis des Denkens setzt voraus, dass man die richtige Gesinnung, das richtige Gefühl zum Denken gewinnt. Ohne tiefere Erkenntnisse der geistigen Gesetzmässigkeiten werden selbst auf wissenschaftlichem Boden die grössten Denkfehler gemacht. So werden denn auch die Urteile für den, der die Welt und das Leben durchschaut, sich ganz anders gestalten als für den, der dies nicht oder nur wenig durchschaut, z.B. für einen materialistischen Denker. Durch Gründe so jemanden zu überzeugen, wenn sie auch noch so gut sind, das geht nicht leicht, weil er ja gar nicht die Gründe einsieht, aus denen dieses oder jenes behauptet werden kann.

Das Erarbeiten eines lebendigen, verantwortlichen Denkens ist nicht nur für die seelische und leibliche Gesundheit des einzelnen Menschen von Bedeutung, sondern kann auch die Voraussetzung für eine Gesundung des sozialen Organismus sein. Die Gestaltung des sozialen Lebens bedarf lebensnaher, geistgemässer und schöpferischer Ideen, die sich dem Menschengeiste erschliessen können, wenn er sich der universellen Fähigkeit des Denkens in rechter Weise immer mehr bewusst wird. Das vom Herzen für die Wahrheit erwärmte Denken wird uns stets den Zugang zu unserer wahren göttlich-geistigen Heimat eröffnen.

Der Gedanke ist die führende Energie, die äussere Tat ist seine Offenbarung. Jedem Gedanken wohnt der natürliche und unwiderstehliche Trieb inne, sich durch die Tat zu verwirklichen, sofern es sich nicht lediglich um Beobachtung oder Information handelt. Selbst der leiseste oder schwächste Gedanke ruft in der unsichtbaren geistigen Umgebung eine Wirkung hervor. Die Gedanken besitzen also schöpferische Fähigkeiten. Sie wirken auf das Gehirn. Das Gehirn wirkt auf die Organe. Dadurch erwachen einerseits alle Impulse zum Tun, andererseits auch alle Gefühle. Folglich sind die Gedanken die Ursachen zum Fühlen und Tun.

Ein guter Gedanke setzt den Menschen in Verbindung mit guten Einflüssen und zieht diese an. Schlechte Gedanken führen ihm entsprechend schlechte Elementarkräfte zu und ziehen ihn herab. Ein guter Gedanke kann einen bösen und die damit verbundenen bösen Einflüsse vertreiben.

Was wir fürchten, das laden wir geradezu ein. Der von Furcht und Aufregung beherrschte Mensch öffnet seine Türe den Dingen und Zuständen, die er fürchtet.

Aggressive Gedanken und Feindbilder müssen vermieden werden, denn Kriege und Revolutionen sind Krankheitserscheinungen, die überwunden werden müssen durch rechtes Denken.

Ein geistig erleuchteter Denker kann selbst in der Einsamkeit durch sein Denken mehr Nutzen in der Welt schaffen als eine Schar geistloser Theoretiker mit ihren.Vorstellungen.

Auch Plätze, Orte und Gegenstände können wir mit Gedanken aufladen, wie Kirchen, einen Meditationsplatz in unserem Wohnraum usw. Zahlreich sind jene Orte, die eine unangenehme Gedankenaura aufweisen.

Was sind nun die Voraussetzungen zum verantwortungsvollen Denken? Im harmonischen Menschen müssen Intellekt und geistige Entwicklung zur Vollkommenheit gelangen und jeder Art der ihr zukommende Platz angewiesen werden. Der praktische Gehirnverstand ist notwendig auf seiner Ebene, d.h. in den Angelegenheiten und Bedürfnissen des äusserlichen Lebens, denen auch der Weise gerecht werden muss. Aber er ist nur der Diener und muss es bleiben. Wenn andererseits dem Menschen der praktische Verstand mangelt, so kommt er in die Gefahr, ein Schwärmer und Phantast zu werden und auf die Hilfe Anderer angewiesen zu sein. Selbständigkeit und Unabhängigkeit gehören aber zu den notwendigen Eigenschaften, die ein nach Vollkommenheit Strebender besitzen muss.

Das Streben nach unnützem Wissen sollte man vermeiden Wenn der Verstand nicht mit Herzensbildung gekoppelt ist, hindert er uns am geistigen Wachstum. Das Einströmen göttlicher Weisheit, Intuition ist es, was uns im Geistigen weiterbringt. Wir sollten uns vom nur materiellen Erfolgsdenken freimachen. Es gibt nur einen zu bejahenden Ehrgeiz, und zwar im Streben auf ein geistiges, nicht materielles Ziel. Es gibt eine intellektuelle Unmässigkeit und Überfütterung. Die Folge davon ist Flüchtigkeit, Oberflächlichkeit, Zersplitterung und Zerstreutheit. Nicht wenig trägt hierzu unnötige und flüchtige Lektüre und unnützes Geschwätz bei. Die Überwindung bzw. Abweisung von negativen Gedanken erfolgt durch Gedankenbeherrschung bzw. -Kontrolle. Der Mensch muss mit dem Herzen denken lernen, um den Gedanken zu beseelen. Der Intellekt allein ist hierzu nicht imstande.

Da nichts zu dieser Beseelung so beiträgt wie die eigene Erfahrung, so ist, um den Gedanken Leben einzuhauchen, nichts mehr geeignet als die Tat.