"Wie viele Menschen gibt es, die vielerlei wissen, aber keine Ahnung davon haben, weshalb sie auf der Welt sind; dennoch hängt das Ziel, welches sie erreichen, von ihrer Erkenntnis ab. Wäre ihre Weltanschauung eine höhere, so wäre auch ihr Streben ein höheres; sie würden nicht dem Aberglauben anhängen, dass das irdische Leben der Endzweck des Lebens sei, sondern dasselbe als eine Schule zu einem höheren Dasein betrachten, welches in der Erkenntnis der Wahrheit besteht.
Die Wahrheit aber kann kein Mensch erschaffen, erkaufen, verfertigen oder aus eigenem Willen erlangen; sie ist ein Geist, ein Licht, das niemand erkennen kann als derjenige, in dem es sich offenbart.
Alles Lernen und alle Erfahrungen haben daher nur den einen Zweck, die Hindernisse und Irrtümer und verkehrten Anschauungen, welche sich der Erkenntnis der ewigen Wahrheit in den Weg stellen, hinwegzuräumen. Sind diese hinweggeräumt, so offenbart sich die Wahrheit von selbst".
"Der Misanthrop hasst die Welt;
der Pessimist verachtet sie;
der Narr erfreut sich seines Narrenparadieses;
der Weise ist darüber erhaben. Er weiss, dass sein zeitweiliger Aufenthalt auf Erden nur eine vorübergehende Schulung ist, und dass, wenn er die Prüfung bestanden hat, er unter besseren Verhältnissen wiedererscheinen wird. Er gibt sich deshalb mit seinem Los zufrieden und erträgt geduldig die Folgen der Ursachen, die er in einem früheren Dasein sich selber geschaffen hat; er trachtet nur danach, keine neuen Ursachen zu schaffen, die ihm künftiges Übel bringen.
Der Rationalist lebt in der Illusion, dass dieses eine Leben auf Erden sein ganzes, sein alles sei; er sucht es mit Aufbietung aller seiner Kräfte zu geniessen und wirft zu diesem Zwecke seine unsterblichen Reichtümer fort; während der Fromme sich das Leben recht sauer werden lässt, um sich dadurch einen Sperrsitz im Himmel zu erhandeln. Beide opfern ihr Leben einer Illusion. Wer aber frei wird von der Täuschung der Eigenheit, der erlangt den Besitz von Genüssen, von denen der Weltmensch nichts weiss; er braucht auch auf kein Leben im ''Jenseits'' zu lauern; er tritt sogleich in den Himmel ein."