Alter , Gedanken über die Begriffe Jugend und Alter

Ob der Mensch sich jung oder alt fühlt, hat nichts mit der Zahl seiner Lebensjahre zu tun. Es hängt von seiner inneren Einstellung, seiner seelischen, geistigen und physischen Verfassung bzw. Gesundheit ab.

Jugendlichkeit und Greisenhaftigkeit sind an keine Zeit gebunden, sie sind eine Sache des Herzens, der Aufgeschlossenheit und Bereitschaft oder Unbereitschaft zu ständigem seelisch-geistigem Wachstum.
Der Zauber der Jugend liegt im rechten Denken und in der Harmonie unseres Geistes.
Wer dazu findet kann im Alter glücklicher sein als in der Jugend.
Solange der Mensch geistig jung bleibt wirkt sich dies auch körperlich aus.

Es ist nie zu spät. Das Leben beginnt jeden Tag aufs neue. Wir können uns hohe Ziele setzen und im Hinsteuern aus diese Ideale immer aktiver und schöpferischer werden. Beweise gibt es immer wieder, wie sehr der Geist den Körper zu beherrschen, zu bestimmen und zu verjüngen vermag.

Die meisten Menschen sehen in der Jugendzeit den aufsteigenden, im Alter den absteigenden Lebensbogen und in der Lebensmitte den Höhepunkt des Daseins. In Wirklichkeit liegt der Höhepunkt aber nicht in einer bestimmten Phase des Lebens, sondern immer in der Gegenwart.

Wenn der Mensch glaubt, er hätte den Höhepunkt seiner Leistungskraft erreicht und überschritten und es gehe nun bergab, kann dies eintreten, da der Gedanke nach Verwirklichung strebt und das eintritt, was wir fürchten. Er sollte sich also von falscher Selbstunterschätzung seines Alters wegen frei machen.
Wer den Wunsch hat, daß seine geistige Leistungskraft und seine körperliche

Rüstigkeit mit den Jahren nicht abnimmt sondern möglichst zunimmt, der sollte die folgenden Bedingungen erfüllen :

    Erstens sollte er seine Kräfte ständig üben, immer aufgeschlossen und bereit sein, zuzulernen, sich neuen Gedanken und geistigen Interessen offenhalten.

    Zweitens sollte er in höherem Lebensalter den Nahrungsbedarf reduzieren, seinem Körper weniger verschlackende Nahrungsmitttel zuführen, leichte pflanzliche Kost vorziehen, um seinen Körper zu einem möglichst reinen und sensiblen Instrument des schöpferischen Geistes zu machen. Bewegung durch
Gymnastik und Wandern ist ebenfalls wichtig.

    Drittens sollte er folgendes beachten: Jugendliche Frische von Seele, Geist und Körper ist nicht zuletzt auch davon abhängig, ob man seine Lebenssäfte aus den Geschlechtsdrüsen vergeudet oder diese feinstofflichen Essenzen zum Wiederaufbau des Nervensystems und des Gehirns bereitstellt und sie bei Frau und Mann dem Körper zugute kommen und das Wohlbefinden, die Leistungsfähigkeit und die geistige Entwicklung fördern. Diese Hormone sind
nicht nur zur Fortpflanzung bestimmt. In diesem Zusammenhang sind die Aussagen von Dr. Franz Hartmann in seinem Buch "Die weiße und die schwarze Magie", von Gopi Krishna in dem Buch "Über Bewußtseinserweiterung und Meditation und Yoga", von Frau Börner-Kray in ihrem Vortrag "Über die reine Liebe" und der Ärztin Dr. Begoihn in ihrem "Brief an die höher strebende Jugend" interessant.

Sanftmut, Geduld, Redlichkeit, Wahrhaftigkeit, Uneigennützigkeit, Menschenfreundlichkeit usw. gehen nicht verloren. Gleiches gilt von allen Kräften des Charakters und der Seele, die nicht nur von den Wandlungen des Körpers unberührt bleiben, sondern diese Wandlungen ihrerseits aufhalten und auf lange Zeit zum Stillstand bringen können. Beweise gibt es immer wieder, wie sehr der Geist den Körper zu beherrschen, zu bestimmen und zu verjüngen vermag.

Wer in die Tiefe dringt, der gewinnt mit der Zeit zwei grundlegende Einsichten: erstens die, daß das Erdendasein eine Stätte ständigen Lernens, Wachsens und Vollkommenwerdens ist und zweitens die, daß alles, was geschieht, schicksalhaft notwendig und förderlich ist.
Unser Geist ist ein Teil des Allgeistes und je mehr wir uns um ethische Werte
bemühen, umso mehr wird unser Vertrauen zur Hilfe und Führung von oben gestärkt und unser Geist in die richtigen Bahnen gelenkt.
Wer dieser tieferen Einsicht folgt und nach ihr lebt, der erntet, wie die Erfahrung lehrt, die Segnungen des Alters in ihrer ganzen Fülle.

Der Mensch, der im hohen Alter eine geistige Reife und Heiterkeit der Seele erreicht hat, ist im Inneren jung geblieben. Diese Menschen haben eine wunderbare Verbindung mit der Jugend und verstehen sie. Es sind ihnen Irrtum, Sehnsucht, Drangsal und Ubereifer nicht fremd. Sie nehmen von der Jugend und der junge Mensch lernt von ihnen.

Im Alter erst können wir zeigen, wer wir in Wahrheit gewesen sind und dürfen dann der Jugend Wahrheit und Sinn des Erlebten weiterreichen.