Die Widersprüche,
Unzulänglichkeiten der
Hodgson´s Anklage
Madame Coulomb konnte nicht einsehen, wie man eine gute Gelegenheit,
die oft leere Kasse zu füllen, versäumen konnte, und es ist möglich, dass
die Anbringung von Löchern und Schiebebrettern nur für den Gebrauch der
Coulombs bestimmt war, und dass man in Aussicht genommen hatte, bares
Geld aus den Taschen widerspenstiger indischer Fürsten herauszulocken, was noch verständlicher wäre, als eine grossartige Verschwörung
gegen Madame Blavatsky. Eigentlich wiederholt Mr. Hodgson in dieser
ganzen Sache immer nur das, was M. Coulomb sagt: er ist kein Richter,
sondern das Mundstück eines Klägers - ein sogenannter Mitverschwörer, der einfach den Spiess umdrehte.
"M. Coulomb sagt", eine"Behauptung von. M. Coulomb","nach M. Coulombs Aussage" - solche Versicherungen widerholen, sich beständig-, und
keiner ist da, der in diesem Betrüge Zeugnis ablegt gegen die schmutzige
Quelle.
Es würde wohl der Mühe wert sein, den Beweis zu vervollständigen, der
diesen Teil im Falle des Mr. Hodgson oder der Coulombs, da sie zusammengehören - durch eine von Mr. Gribble gemachte Aussage in nichts zerfallen
lässt, nämlich "der Herr, der von den Missionaren als Sachverständiger
benutzt wurde", was sich auf die gefälschten Briefe bezieht. Nach ihrer
Veröffentlichung besuchte er Adyar, um den "Mechanismus der betrügerischen Einrichtungen" zu untersuchen, von dem im"Christian College Magazine "behauptet wird, dass"er unzweifelhaft vorhanden und bewunderungswürdig der Ausführung der Adyar-Phänomene angepasst ist.
" Zwei Theorien sind in Bezug auf denselben möglich. Entweder:
(1) Er wurde hergestellt für Madame Blavatsky und von dieser zur Ausführung jener Phänomene benutzt; oder
(2) er wurde nach Madame Blavatskys Abreise eingerichtet, um ihren guten
Ruf zu vernichten.
"Dann gibt es noch eine dritte Möglichkeit, die soeben angedeutet wurde,
nämlich die, dass sie für den Privatgebrauch der Coulombs während der
häufigen Abwesenheit der Madame Blavatsky bestimmt war.
Die erste Annahme hat sich als falsch herausgestellt, da sowohl nach als vor
ihrer Abreise von Adyar die Mauer und Rückwand des Schreins gänzlich
unversehrt waren. Deshalb muss man sich an die zweite Annahme halten.
Mr. Gribble sagt: „Man zeigte mir auch zwei von den Schiebetüren und
Täfelungen, die M. Coulomb nach Madame Blavatskys Abreise gemacht
haben soll. Eine von diesen befindet sich oben an der Aussenseite des
sogenannten Okkulten Zimmers. Beide sind so gemacht worden, dass man
nicht im geringsten versucht hat, sie zu verbergen. Die erste ist am oberen
Teile der Hintertreppe angebracht und besteht aus zwei Türen, die auf eine
Art Bücherbrett gehen."
An der Wand, die das Okkulte Zimmer von dem äusseren Vorraum schied,
stand ein Bücherregal, und dieses Schiebebrett war hinter einem Spiegel, der
zwischen den beiden Abteilungen des Bücherregals hing, so dass sich davor
ein Brett befand; wahrscheinlich ist dies der Spiegel, den M. Coulomb gegen
Mr. Hodgson erwähnt hat und den dieser zum Zwecke seiner Erzählung in
den Schrein befördert hat.
Um mit Mr. Gribble fortzufahren: "Dies gibt die Vorstellung, man habe es
so gebaut, damit man, ohne die Tür zu öffnen, auf die innere Seite der Bretter Nahrungsmittel niederlegen könne.28)
Die zweite Einrichtung ist ein verschiebbares Brett, das sich ohne irgend
eine Schwierigkeit heben 29), sowie auch öffnen und schliessen lässt. Augenscheinlich wurde sie erst vor kurzem hergestellt. Sicherlich würde es
schwierig sein, mittelst der Einrichtungen in ihrer gegenwärtigen Beschaffenheit irgend welche Phänomene auszuführen. Keine von den beiden Vorrichtungen steht in Verbindung mit dem Schrein, der sich an der Kreuzungsmauer befindet, die das Okkulte Zimmer von dem anstossenden Schlafzimmer trennt. Mr. Gribble scheint ein richtiger Bileam gewesen zu sein,
den die Missionare herbeigeholt hatten, um ihre Feinde zu verfluchen und
sie selbst zu segnen."
Bei diesen erdrückenden und aus so vielen verschiedenartigen Quellen
stammenden Beweisen, die sich der allein dastehenden Behauptung des M.
Coulomb entgegenstellen, die von Mr. Hodgson zu Papier gebracht wurden,
sollte wirklich nicht mehr die Rede sein von betrügerischen Phänomenen,
die mit dem Schrein im Okkulten Zimmer zu Adyar in Verbindung stehen.
Doch möchte ich zu diesem Teile des Falles noch einen Schlussparagraphen
hinzufügen. Der Schrein war nicht fest mit der Mauer verbunden, sondern
hing lose daran und konnte mit leichter Mühe entfernt werden. Kein Tollhäusler hätte einen umständlichen Apparat ersonnen, um betrügerische
Phänomene innerhalb dieses Schrankes auszuführen und diesen dabei lose
über der Öffnung hängen lassen, so dass jeder dahinter gucken und dieselbe
sehen oder den Schrank wegnehmen und so die ganze Sache preisgeben
konnte. - Abgesehen davon war Madame Blavatsky, wohin sie auch ihren
Fuss setzte, von Phänomenen umgeben, und der Schrein wurde erst im Jahre
1883 angefertigt, nachdem sie nach Adyar gegangen war; sie konnte ihn
höchstens während der wenigen Monate, die sie sich dort aufhielt, benutzt
haben, und das blosse Vorhandensein dieses Schrankes kann nicht die Phänomene erklären, deren Zeugen angesehene amerikanische, europäische und
indische Herren in den Jahren 1874-1882 gewesen sind. Und dann ereigneten sich die Phänomene, die mit dem Schrank verbunden waren auch, nachdem sie Adyar verlassen hatte, um nach Europa zu gehen. Es ist somit notwendig, wenn der Bericht der S. P. R. glaubhaft werden soll, nicht allein
Madame Blavatsky als eine Betrügerin zu verdammen, sondern auch die
Ehrenmänner, die während dieser ganzen Jahre als Mitverschworene und
Betrüger mit ihr verbunden waren. Und wenn sie von ihr genarrt wurden,
während sie dabei war, so müssen sie doch tätige Teilnehmer an dem Betrüge gewesen sein, während sie abwesend war.
Die zweite Klage des Mr. Hodgson bezieht sich auf die gefälschten Briefe,
ein Produkt der Madame Coulomb, doch von dieser der Madame Blavatsky
zugeschrieben. Das einzige Zeugnis für ihre Echtheit wird durch das Wort
der MadameCoulomb vertreten, sowie durch die Ansicht zweier Sachverständiger, der Herren Netherchlift & Sims. Die Meinung derselben wird sehr
beeinträchtigt durch die Tatsache, dass Mr. Netherclift und Mr. Sims - wo es
sich um die Feststellung von Madame Blavatsky's Handschrift handelt -
verschiedener Meinung sind und sich selbst widersprechen; Mr. Hodgson
übergab ihnen zur Prüfung eine Schrift, von der er glaubte, dass sie von ihr
stamme und war überrascht zu finden "dass die Herren sie nicht für die
ihrige hielten. Als indessen diese selbe Schrift ihm"nochmals unterbreitet
wurde" (Mr. Netherclift), da erklärteer sie "zweifellos" als die ihrige, und
mit gleichem Entgegenkommen änderte auch Mr. Sims seine Meinung. Der
Wert einer derartigen Sachverständigen-Ansicht wurde sehr gut dargelegt in
der Klagesache des Mr. Parnell gegen die Times; die Times war ebenso, wie
Mr.Hodgson durch einen geschickten Fälscher genarrt und hoch bezahlt
worden für das Vertrauen, das man in Sachverständige vom Schlage der
Netherclifts setzte. Ihr Zeugnis erwies sich als ganz wertlos, und der Fälscher, der des Betrugs überführt war, leistete öffentliche Abbitte durch
Selbstmord. Der hervorragende Rechtsanwalt Mr. Montague Williams, Q.
C., erzählt einen Fall, wo dieser selbe Mr. Netherclift und noch ein anderer
Sachverständiger mit Bestimmtheit darauf schworen, dass eine gewisse
Schrift von einem bestimmten Manne herrührte, während der Beweis geliefert wurde, dass es diejenige eines ändern war. Er betrachtet ihr Zeugnis über
Handschriften als wertlos und sagt: "Nach meiner Meinung sind sie gänzlich
unzuverlässig."30)
Und doch soll dieser äusserst unzuverlässige Mann mit seinem wertlosen
Zeugnis an Gewicht die grosse Masse der Zeugen übertreffen, die eintreten
für die sichtliche Identität der Schrift in den Briefen, die man durch Frau
Blavatsky erhielt, und derjenigen, die man empfing, als man weit von ihr
entfernt war.
Die dritte Beschuldigung des Mr. Hodgson besteht darin, dass gewisse dem
Mahatna Koot Hoomi zugeschriebene Briefe von Madame Blavatsky oder in
einigen Fällen von Damodar geschrieben sein sollten. Was diesen jungen
Hindu betrifft, so muss erwähnt werden, dass er seine Familie sowohl, als
Wohlstand und Freunde aufgab und ein Ausgestossener wurde und sich in
nie rastender Arbeit und Mühsal ganz dem Gesellschaft zu widmen. Er gab
alles dafür hin, nur um seinem - Meister zu dienen.
Sicherlich wog der Gewinn millionenfach den Verlust auf, wenn es überhaupt einen Gewinn gab. Aber bei der Annahme, dass Damodar sich zum
Teilnehmer an einem Betrugs machte und gar nicht das Vorhandensein eines
Meisters voraussetzte, fragt man sich: "Zu welchem Zwecke ?" Ein Brahmane von hohem Range wohnt und isst nicht gern mit Europäer und dieser
wird arm und ein Ausgestossener um Ihretwillen. I st es zu begreifen, dass er
solche Leiden auf sich nehmen würde, um sich an einem Betrüge zu beteiligen, der ihm gar nichts bietet? Auf jeden Fall glaubte er fest genug an
diesen Betrug, um Adyar zu verlassen, als er davon überzeugt war, dass
Madame Blavatsky nicht zurückkehren würde, und er reiste nordwärts, um
in der Gebirgsmasse des Himalaya unterzutauchen und die schneebedeckten
Pässe zu erklimmen, wo er die Einsiedelei desjenigen zu finden hoffte, an
den er glaubte. So schied er aus der Geschichte der Gesellschaft aus.
Die oben erwähnten Sachverständigen waren in Bezug auf die Urheberschaft
der ihnen vorgelegten Briefe verschiedener Meinung. Zuerst sagten sie,
diese wären nicht von Madame Blavatsky geschrieben, und da eine solche
Annahme nicht im Sinne von Mr. Hodgson war, so behaupteten sie später, es
wäre doch der Fall. Der ihrerseits veränderten Meinung kann man die des
Herrn Ernst Schütze gegenüberstellen, der gerichtlicher Sachverständiger in
handschriftlichen Angelegenheiten in Berlin war und eidlich bezeugte, dass
der Brief des Meisters K. H."nicht die entfernteste Ähnlichkeit hätte mit dem
Briefe der Madame Blavatsky", und der lautet: "Ich muss Sie auf das bestimmteste versichern, dass, wenn Sie geglaubt haben, dass beide Briefe von
einer und derselben Hand stammen, Sie sich für einen vollständigen Irrtum
abgemüht haben." Mr. Hodgson hat die Briefe nur eine Minute geprüft und
glaubt, dass sie von ihr geschrieben sind, Dutzende von andern Leuten sind
gerade zu dem entgegengesetzten Schlüsse gekommen. Sicherlich sind
äusserlich die zwei Handschriften so verschieden, wie sie nur sein können
und wenn wir an die ungeheure Menge derartiger Briefe, die wir durch sie
erhielten, denken, so ist es schwer zu verstehen, dass sie diese zahllosen
Schriftstücke des M. S. (Manuskript) ohne das geringste Zittern in einer so
klaren und schönen Handschrift geschrieben haben soll, so ganz unähnlich
ihrer eigenen keineswegs bewunderungswürdigen, obwohl charakteristischen Handschrift.
Aber eine geradezu unüberwindliche Schwierigkeit in Mr. Hodgsons Theorie liegt in dem Umstände, dass dieselben schönen und zarten Schriftstücke
auf jedem nur möglichen Wege zu den Personen gelangten, wobei es ausgeschlossen war, dass Madame Blavatsky mitgewirkt haben konnte. Man
erhielt solche Briefe nicht durch die Post, wenn sie viele tausend Meilen
entfernt war, und ich habe oben eine Anzahl von Fällen angeführt, bei denen
es physisch unmöglich war, dass sie mit dem Schreiben irgend etwas zu tun
gehabt haben konnte. Dies sind feste Tatsachen, die den Vermutungen des
Mr. Hodgson gegenüberstehen.
Der luftige und jeder Basis entbehrende Charakter seiner Annahme und die
gänzliche Abwesenheit von Tatsachen muss einen nüchternen Leser sonderbar berühren. "Es kann so gewesen sein," "es ist wahrscheinlich, dass";
"man kann annehmen"; der oder jener "kann so etwas getan haben." Das
sind so Variationen von angeführten Aussprüchen des M. Coulomb.
Der einzige originelle Gedanke in dem Berichte ist das Motiv, das Mr.
Hodgson für das angeführte Verfahren der Mme. Blavatsky voraussetzt. Wir
haben es hier zu tun mit einer russischen Dame von zugestandenermassen
hoher Geburt und gesellschaftlicher Stellung, die in Europa, Amerika und
Indien wie eine Blödsinnige handelt, indem sie sich finanziell und sozial
ruiniert, um nichts dafür zu gewinnen als Schmach und Schimpf, während
sie in ihrem Vaterlande in Ansehen, Würde und Reichtum leben könnte. Mr.
Hodgson verwirft die Vorstellung, dass sie mit religiösem Wahnsinn behaftet sei; er gibt zu, dass der Gewinn von Geld nicht ihr Zweck war, er steht
gleichfalls ab von der Theorie einer "krankhaften Sehnsucht nach Berühmtheit."
"Eine gelegentliche Unterhaltung öffnete ihm schliesslich die Augen," und
er entdeckte das Geheimnis ihrer eigenartigen Laufbahn: sie war eine russische Agentin, und "ihr Endzweck ist die Förderung russischer Interessen
gewesene Dieser weise Schluss ist vielleicht das beste Zeichen für Mr.
Hodgsons Fähigkeit, umso mehr, als er sich teilweise auf "das Bruchstück
einer Schrift gründet, das eines von den "Blavatsky-Coulomb-Dokumenten"
bildet." - auf gut englisch, ein abgerissenes Stück Papier, das Madame
Coulomb aus Madame Blavatsky's Papierkorb herausgefischt hatte.
Diese grosse Entdeckung, die veröffentlicht wurde, wird von Mr. Sinnett in
einem entrüsteten Protestschreiben gegen die S. P. R. grausam niedergeschlagen; bei aller Autorität, mit der ein gerichtliches Vorgehen umgeben ist,
beruht dies auf einer grundlosen und ungeheuerlichen Erfindung in Bezug
auf Mme. Blavatsky, und Mr. Hodgson hat nichts Eiligeres zu tun, als sie an
das Ende seines Berichtes zu setzen, um die augenscheinliche Schwachheit,
auf der seine ganze Hypothese beruht, zu unterstützen. Denn es ist klar, dass
eine grosse Vermessenheit in jeder Theorie liegt, die eine Person der bewussten Täuschung und niedriger Betrügerei beschuldigt, die ihr ganzes
Leben einer menschenfreundlichen Idee gewidmet und sich als offenbares
Opfer all den Beurteilungen aussetzte, denen gewöhnlich derjenige unterworfen ist, der für das Wohl der Menschheit handelt.
Mr. Hodgson glaubt sich in der Notwendigkeit zu befinden, Mme. Blavatsky
einen Beweggrund unterschieben zu müssen, der ebenso niedrig ist, wie das
Verfahren, das M. und Mme. Coulomb. ihm gezeigt, um ihre Schuld glaubhaft zu machen, und er besiegt die Schwierigkeit durch die Vermutung, dass
man es mit einer russischen politischen Agentin zu tun habe, die in Indien
wirkte, um die treulose Gesinnung gegen die britische Regierung zu nähren.
Es macht Mr. Hodgson nichts aus, dass sie tatsächlich das Gegenteil getan
hat; dass sie häufig mündlich, schriftlich und bei öffentlichen Versammlungen, sowie in Briefen, die zur Verfügung stehen, den Eingeborenen
versichert hat, dass trotz aller Mängel die britische Regierung am besten für
Indien geeignet sei; und wiederholt erklärte sie vom Standpunkte einer
Person aus, die die Sache genau kannte, dass das russische Regiment unvergleichlich schlimmer sein würde.
Es spricht nicht mit bei Mr. Hodgson, dass ihr Leben in fast lächerlichem
Umfange von dem Augenblicke an, wo sie nach Indien kam, der Öffentlichkeit preisgegeben wurde: dass sie ihre ganze Tatkraft und Arbeit für die
theosophische Sache verwandt hat, noch dass die Regierung in Indien,
nachdem sie mit Hilfe der Polizei sich die Sache näher angesehen, als sie
zuerst in das Land kam, bald das Rätsel richtig beurteilte und jeden Verdacht
in Bezug auf ihre Beweggründe fallen liess. Mr. Hodgson macht sich nichts
daraus, dass jeder, der sie seit kürzerer oder längerer Zeit kannte, über die
Abgeschmacktheit seiner Hypothese lachte. Er hat von seiner .Führerin und
Ratgeberin - Mine. Coulomb - ein Fragment mit Mme. "Blavatskys Handschrift erhalten, das scheinbar, einige Jahre früher, gefunden und mit Liebe
aufbewahrt wurde, um schliesslich zu irgend einem nützlichen Zwecke
verwandt zu werden - das sich auf russische Politik bezieht, und aus dem
man etwas herausliest, was als Beweis gelten kann für den russischen Fortschritt in Central-Asien. Das genügt dem Forscher der S. P. R., und er lässt
den Wortlaut dieses Dokuments in seinem Berichte als Stütze für seinen
schmählichen Verdacht gegen Mme. Blavatskys Unbescholtenheit erscheinen.
Die einfache Erklärung für dieses Papier besteht darin, dass es augenscheinlich ein fortgeworfenes Bruchstück von einer längeren Übersetzung aus den
Reisen des Oberst Grodekoft in Central-Asien ist (oder wie der Titel lauten
mag, den Mme. Blavatsky auf meine Bitte für den „Pionier" (ein Organ der
indischen Regierung), dessen Herausgeberin ich damals war, lieferte). Ich
möchte die Veröffentlichung dieser Schrift nicht länger hinausschieben,
indem ich nach Indien schreibe, um die Daten festzustellen, wann diese
Reihe von Artikeln über Grodekoft im „Pionier" erschienen ist. Sie setzen
sich durch mehrere Wochen fort und müssen in den letzten Jahren des verflossenen Jahrzehntes oder möglicherweise im Jahre 1880 veröffentlicht
sein. Wenn Mr. Hodgson sich an die Drucker des "Pionier" wendete, könnte
er vielleicht, falls das Manuskript dieser Übersetzung aufgehoben wurde,
einige hundert Seiten von Mme. Blavatskys Hand erhalten, die überfliessen
von Gefühlen wärmster Anerkennung für England. Höchst wahrscheinlich
war das gemauste Blatt, auf das er stolz ist, eine fortgeworfene Seite der
Übersetzung, wenn es nicht, was noch belustigender sein würde, zufällig
herausgefallen ist aus einer ändern russischen Übersetzung, die Mme. Blavatsky, wie ich ganz sicher weiss, einmal für das indische auswärtige Amt
machte, während eines ihrer Besuche in Simla, als sie die Bekanntschaft
einiger Beamten aus jener Abteilung machte und in ihrem Dienst beschäftigt
wurde.
»Ich wage anzunehmen, dass, wenn Madame Blavatsky nicht dafür bekannt
gewesen wäre, dass sie zu wenig Mittel besass, um ihr Recht vor der kostspieligen Schranke britischer Justiz zu verlangen - wenn sie nicht ganz und
gar in den für britische Gerichtshöfe unerkenntlichen Schleier seelischer
Mysterie eingehüllt gewesen wäre, das Komitee der S. P. R. es kaum für
richtig gehalten hätte, sie in einem veröffentlichten Dokumente eines entehrenden Betragens anzuklagen, das, wenn sie sich in Wahrheit eines solchen schuldig gemacht hätte, sie zu einer öffentlichen Feindin desjenigen
Landes gestempelt haben würde, das sie aus eigenem Antriebe zu ihrem
Vaterlande erwählte und sie zu einem Gegenstande der Verachtung für alle
ehrenwerten Menschen gemacht hätte - auf die seichte Vermutung ihres (der
Gesellschaft) Privatagenten hin, der in verzweifelter Notlage war, wie er die
Rätsel erklären sollte, die eine noch so grosse Menge pedantisch geordneter
Umstände nicht glaubwürdig machen konnte, wenn man nicht dabei den
geheimnisvollen Duft berücksichtigte, der ihre Person umgab.31).
Es war tatsächlich ein Teil jener Übersetzung aus Grode-kofts "Travels",
den Mr. Hodgson von Madame Coulomb erhielt. Dies ist der einzige Beweggrund, den Mr. Hodgson für den Betrug, dessen er sie anklagt, ausfindig
machen kann, und wie man sich erinnern wird, müsste dieser im Jahre 1874
in Amerika begonnen haben. Wenn der Bericht infolge seines Zusammenhangs mit der edelsten der Frauen, die er verleumdet, noch weiter fortleben
sollte, dann wird in den kommenden Jahrhunderten diese Beschuldigung des
Mr. Hodgson nur auf ein unversiegbares Lachen stossen, und die Menschen
werden sich wundern, dass es Menschen gab, die töricht genug waren,
diesem jungen Manne den geringsten Glauben zu schenken.
Mr. Hodgsons Bericht wurde dem Komitee vorgelegt, das aus den Herren
E. Gurney, F. V. H. Myers, F. Podmore, H. Sidgwick und J. H. Stack
bestand, und diese Herren verkündigten am 24. Juni 1885 ihr Einverständnis mit seinen Beschlüssen. Der Bericht selbst wurde in der Dezember-^Nummer der "Proceedings", dem Organe der Gesellschaft, veröffentlicht. Mr. Sinnett spricht ein sehr starkes, aber doch nicht zu starkes Urteil
aus über die bis zum äussersten getriebene Ungerechtigkeit in der Handlungsweise des Komitee's, und in der Tat ist es schwer zu verstehen - wenn
nicht die Weltgeschichte voll wäre von ähnlichen Ungerechtigkeiten, die
man an den Beuten verübte, die ihrer Zeit voraus waren - wie die oben
erwähnten Männer sich dazu hergeben und ihre Gesellschaft zu der ungerechten und grausamen Tat verleiten konnten, diesen schändlichen Bericht
zu veröffentlichen. Mr. Sinnett sagt: Nach meiner Ansicht verdient vielmehr
das Komitee der S. P. R. - die Herren E. Gurney, F. W. H. Myers, F. Podmore, H. Sidgwick und J. H. Stack - dafür Tadel, dass es sich anmasst, ein
Urteil zu fällen auf Grund der Erkenntnis seiner eigenen jeder Stütze entbehrenden Erwägungen betreffs des oberflächlichen und irreführenden Berichtes, den ihm Mr. Hodgson geliefert, als er selbst zu tadeln ist, weil er in
so kläglicher Weise die Probleme missdeutete und sie in ein solches Licht
rückte, da er die für die Untersuchung derselben notwendigen Eigenschaften
nicht besass. Es würde ein Leichtes gewesen sein, in London mehrere Personen zur Beratung heranzuziehen, die durch ihre lange Erfahrung in der
theosophischen Bewegung geeignet waren, die über den prima facie 32) -
Fall zu berichten, der hier so zurechtgelegt war, dass er der Glaubwürdigkeit
der theosophischen Phänomene widerstrebte, bevor man dazu schritt, ein
Urteil in der Anklage zu fällen, indem man der Stimme des grossen Publikums Gehör schenkte. Wir haben alle schon von Fällen gehört, in denen die
Richter es nicht für notwendig hielten, eine Verteidigung heranzuziehen;
aber dies sind in allen Fällen gerichtliche Sachen gewesen, in denen die
Richter teil ohne Beachtung der Theorie des gerichtlichen Verfahrens die
Sache entschieden haben. Das Komitee der S. P. R. liefert uns ein wahrscheinlich noch nie da gewesenes Beispiel gerichtlicher Ablehnung, einer
Verteidigung Gehör zu geben, mit der Begründung, dass.schon die vom
Partei (ex partie) Standpunkte erfolgte Beweisführung des öffentlichen
Anklägers an und für sich überführend gewesen sei. Indessen beutete das
Komitee insgeheim über dem Bericht des Agenten und verschmähte den Rat
derjenigen, die in der Lage gewesen ihm die Augen für die irrtümliche
Methode zu öffnen, nach der M. Hodgson zu Werk gegangen war und,
schloss seine nur zu selbständige Untersuchung damit, dass es eine Dame für
eine der grössten Betrügerinnen erklärte, die die Geschichte anfzuweisen
hat; eine Dame, die von einer beträchtliche Anzahl von Personen in höchsten
Ehren gehalten wurde einschliesslich alter Freunde und Verwandten von
tadellosem Charakter, und die unleugbar Stellung und Behaglichkeit aufgegeben hatte, um viele Jahre im Dienste theosophischen Sache in mitten von
Verleumdung und Entbehrung zu kämpfen."
Bezüglich des Angriffes auf ihn selbst in demselben Berichte spricht er (Mr,
Sinnett) mit Verachtung von "dem ganzen Verzeichnis kleinlicher Mutmassungen, die Mr. Hodgson in seinem Bericht zusammengetragen hat, während
er die Gastfreundschaft, die ihm im Hauptquartier der Theosophischen
Gesellschaft zu Adyar in weitestem Masse erwiesen wurde, missbrauchte,
und die arglosen Vertreter der Bewegung in Madras zu der Annahme verleitete, ihn durch rücksichtsloses Vertrauen und die Erlaubnis zur Durchsicht
ihrer Protokolle, sowie zum beliebigen Zutritt ihrer Gemächer und freien
Einsicht in ihre Tagebücher am besten zu überzeugen von der einfachen
Wahrhaftigkeit ihres Lebens und der Unwahrscheinlichkeit, dass sie sich in
Dürftigkeit und Selbstlosigkeit für die Verbreitung eines hohlen Blendwerkes und für die grausame Täuschung ihrer besten Freunde abplagen würden."33).
Es ist überflüssig, zu erwähnen, dass die Herausgabe der "Proceedings"
einen Sturm entfachte, und eine Zeit lang schien es so, als ob die Gesellschaft durch den Schlag vernichtet wäre. Nicht nur die äussere Welt, die ja
immer nur zu sehr bereit ist, Böses zu glauben, hiess die Vorstellung, dass
die übernatürlichen Wunder auf einem Betrüge beruhen sollten, mit Jubel
willkommen, sondern es fielen auch viele Mitglieder der Gesellschaft ab.
Madame Blavatsky schreibt:
Unsere Mitbrüder, die sich durch Hodgson und Hume haben beeinflussen
lassen, fangen an, das Vertrauen in die Begründer zu verlieren oder haben es
bereits verloren. "Es wären Irrtümer begangen, die zeigten, dass wir nicht
unter dem Schütze der Mahatmas ständen. Wirklich ? Und als der grösste
Irrtum ist der erwiesen, dass wir die Coulombs aufgenommen und fünf Jahre
bei uns behalten haben. "Wie konnten die Mahatmas dies zugeben, da sie
wussten, was für Schurken sie waren und die Dinge voraussahen, wenn Sie
hierzu fähig sind ?" wird gefragt. Ebenso gut kann man die ersten Christen
verklagen, die an Christus und Seine Wunder glaubten, der doch Judas
dreiJahre lang als Seinen Schüler behielt, um durch ihn verraten und gekreuzigt zu werden. "Füttere selbst die hungrige Schlange, ohne ihren Biss zu
fürchten, " sagt Buddha."Hilf den hungrigen Gemütern (pisâchas)"; niemals
verweigere ein gastliches Dach dem Heimatlosen oderNahrung dem Hungrigen ans Furcht, dass man dir danken könne, indem man dich bestiehlt oder
ermordet." Das ist die Weisheit der Mahatmas. Die Coulombs haben ihr
eigenes Karma, ebenso wie wir. Ich würde zum zweitenmal genau so handeln: Zeiten der Prüfungen gibt es ebenso wohl für die Gesellschaften, als
für die einzelnen Mitglieder. Wenn die letzteren die Mahatmas und Ihre
Weisheit missverstanden haben, so ist das ihre eigene Schuld und nicht die
unsrige. Die Meister pflegen sich nicht in das Karma zu mischen".
Von allen Anschuldigungen ,deren man sie bezichtete, verwundete es am
meisten ihren Stolz und ihre Würde, dass Mr. Hodgson sie in feiger Darstellung zu einer russischen Spionin stempelte.
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widerspruch.txt