Mr. Hodgson


Mr. Hodgson, der Herr, den die S. P. R. abgesandt hatte, war zugegen bei der denkwürdigen Konvent-Versammlung im Dezember 1884, und der Oberst bereitete ihm in seiner Herzenseinfalt ein warmes Willkommen. Mr. Hodgson's anscheinende Freundschaft war indessen nur ein Deckmantel für seinen wahren Zweck; er heuchelte eine ehrliche Prüfung nur, um mit desto grösserer Sicherheit vernichten zu können. Ein Mann, dem man eine solche Aufgabe anvertraut hatte, wie es bei Mr. Hodgson der Fall war, hätte vor allen Dingen Fähigkeit, Ehrlichkeit und Sorgfalt besitzen müssen. Zum Unglück für ihn selbst und alle, die damit zu tun hatten, waren dies keine vorherrschenden Eigenschaften bei Mr. Hodgson. Er war ein sehr selbstbewusster junger Mann, dem indische Sitten und okkulte Tatsachen vollkommen unbekannt waren. In seinem späteren Leben wurde er von dem wirklichen Vorhandensein vieler Kräfte, die er damals leichtherzig ins Lächerliche zog, überzeugt, ebenso wie von Geschehnissen, die er zu jener Zeit für unmöglich hielt und deshalb in seiner Unwissenheit einfach als Betrug hinstellte. Sein böses Karma hatte ihn zu einem Agenten gemacht, um einer - in diesem Leben - unschuldigen Frau, einen schweren Kummer aufzubürden, und durch sie einer grossen geistigen Bewegung den notwendigen Schlag zu versetzen.
„Des Menschen Sohn geht dahin, wie von ihm geschrieben steht, aber wehe dem Menschen, durch den des Menschen Sohn verraten wird".
Mr. Hodgson hatte, ehe er England verliess, keine besonders glänzenden Gaben gezeigt, und er kam, um übernatürliche Ereignisse zu erforschen zu einem Volke, das die Engländer als unwürdig ansah, die ihm eigenen Kenntnisse zu teilen, und viele von ihnen, wie Mr. T. Subba Row, beklagten bitterlich die Art und Weise, in der Madame Blavatsky den Schleier fortgezogen, der ihre Geheimnisse seit Generationen verhüllt hatte. Es ist zweifellos, dass er als Engländer bei seiner Unkenntnis arischer Denkungsweise und seiner Verachtung für die Wahrheitsliebe eines Hindu sich dem Verständnis der scharfsinnigsten Weltrasse feindlich gegenüberstellte, noch dazu einer Rasse, die, um die ihr heiligen Dinge vor dem unverschämten Fremden zu hüten, geradezu einen Glauben leugnet, zu dem sie sich unter Gleichgesinnten freimütig bekennt. Ich tadle den armen Mr. Hodgson keineswegs dafür, dass er bis aufs äusserste genarrt wurde - es kann dies mehr sein Missgeschick, als seine Schuld gewesen sein - aber tadeln muss ich ihn wegen des Vorurteils, das ihn jeden unbewiesenen Argwöhn oder jede Anklage, die von anerkannten Feinden der Theosophischen Gesellschaft ausging, willkommen heissen liess, während er alle von Freunden gebotenen Beweise ignorierte.
Seine ganze Haltung war nicht die eines unbefangen Prüfenden, sondern nur das Suchen eines Skeptikers, nach Beweisen für Betrug.
Nachdem Mr. Hodgsons Bericht herausgegeben war, zeigte Mr. Sinnett die Sachlage in klarer Beleuchtung.
Er schreibt:
:"Nichts in diesem .Bericht, nicht einmal in seiner jetzigen Verfassung - d. h. verbessert durch die umfassende Hilfe von Personen mit reicherer Erfahrung, die der theosophischen Bewegung unfreundlich gegenüberstehen - lässt vermuten, dass er überhaupt bis jetzt nur die leiseste Ahnung hat von der ursprünglichsten Natur der Mysterien, die er enthüllen wollte. In ganz naiver Weise hatte er vorausgesetzt, man könnte von jedem, der in Indien sichtbar dem Werke der Theosophischen Gesellschaft ergeben war, aus diesem Grunde annehmen, dass er wünschte, sich seine gute Meinung zu sichern, und ihn zu überzeugen, dass die angeführten Phänomene echt seien. Er selbst beweist, dass er ihr Betragen, sowie gelegentlich geäusserte Phrasen belauert und ausgekundschaftet hat, um Zugeständnisse zu erhäschen, die gegen die theosophische Sache gerichtet werden könnten. Er scheint niemals geahnt zu haben, was jeder etwas mehr erfahrene Forscher von Anfang an bemerkt haben würde, dass die theosophische Bewegung, soweit es die auf weite Kreise der Welt ausgedehnte Bekanntmachung derselben mit den in Indien existierenden Personen, Mahatmas genannt, betrifft - die in der Kenntnis der okkulten Weisheit sehr weit vorgeschritten sind - und der philosophischen Ansichten, die durch sie vertreten werden, eine solche ist, die viele der seit ihrer Geburt diesen Mahatmas Ergebenen, sowie Schüler ihrer okkulten Lehren mit tiefster Entrüstung ansahen. Die seit Generationen überlieferte geistige Auffassung, mit der die indischen Okkultisten ihre Wissensschätze ansehen, ist derart, dass die Ergebenheit stark mit Eifersucht vermischt ist auf alle diejenigen, die sich bemühen, das Geheimnis zu durchdringen, in das diese Schätze bis dahin eingehüllt waren. Diese durften nur rechtmässig erworben werden von Personen, die durch die gebräuchlichen Prüfungen und Proben zu ihnen gelangten. Die theosophische Bewegung in Indien aber brach das Siegel dieses Geheimnisses. Die alten Gesetze wurden übertreten von einer so hoch stehenden Autorität, dass den Okkultisten, die sich in das Werk hineingezogen fühlten, nichts weiter übrig blieb, als sich zu unterwerfen. Jedoch war in vielen Fällen diese Unterwerfung nur äusserlich gewesen. Jeder, der mit der Geschichte und dem Wachstum der Theosophischen Gesellschaft etwas mehr vertraut war, als der Agent der S. P. R., hätte unter den Mitgliedern der gläubigsten Eingeborenen eine Menge von Personen bezeichnen können, deren Treue sich einzig auf die Meister beschränkte, denen sie dienten, und nicht auf das geistige Bild, für das sie beschäftigt wurden - auf alle Fälle gingen sie nicht so weit, dass sie die Kundgebung der Tatsache billigten, dass aussergewöhnliche physische Phänomene hervorgebracht werden könnten, durch solche Inder, die tief in die okkulte Wissenschaft eingedrungen waren. Für diese Personen nun war es eine sehr willkommene Bemerkung, dass nicht mit der Sache bekannte Europäer, die man nach ihren Begriffen ganz Unverdientermassen zu dem inneren Geheimnis der östlichen Geheimwissenschaft zuliess, in den groben Irrtum hineinversetzt wurden, dass man sie in ihrer Gläubigkeit getäuscht hatte - dass es so etwas wie indische Geheimwissenschaft gar nicht gäbe, dass die theosophische Bewegung Schwindel und Täuschung sei, mit dem sie sich nicht mehr beschäftigen würden; und die Tatsache, dass ein junger Mann von ausserordentlichem Selbstvertrauen aus England zu ihnen gekommen war und versuchte, okkulte Geheimnisse zu erforschen, indem er nach den Methoden eines schottischen Geheimpolizisten und mit vollkommenem Mangel an näherer Kenntnis des Charakters und der Natur des modernen Okkultismus, diesen jeder Art von Missverständnis aussetzte, was natürlich für sie eine Quelle tiefster Befriedigung war. Bildet sich das Komitee der P. S. R. ein, dass die eingeborenen Okkultisten der Theosophischen Gesellschaft in Indien in diesem Augenblicke, wo das Urteil ausgesprochen ist, vor Schmerz vergehen ? Ich bin ganz sicher, dass im Gegenteil die meisten von ihnen darüber frohlocken. Sie mögen die Lage hinsichtlich der Beziehungen zu ihren Meistern verwickelter finden, da sie bis zu einem gewissen Grade bewusst dazu beigetragen haben, die Anschauung des Mr. Hodgson ohne grosse Mühe irre zu führen, aber das lächerliche Schauspiel, das Mr. Hodgson von sich selbst in seinem Bericht gibt - wo er uns unbeendete Sätze vorführt, die er erlauscht und auf schwache Punkte in der Beweisführung einiger indischer Chelâs hinweist, vor denen er, wenn er seine Aufgabe besser begriffen hätte, gerade am meisten hätte auf der Hut sein müssen, ist auf alle Fälle derart, dass man wohl verstehen kann, dass sie es belustigend finden müssen.25).

Nachdem seine Tauglichkeit als Berichterstatter erörtert ist, kommt als das nächst Wichtige seine Ehrlichkeit in Frage. War Mr. Hodgson ehrlich? -Nun, ich bedaure, sagen zu müssen, dass es da einen überzeugenden negativen Beweis gibt, eine Tatsache, die ich im März 1891 in einer damals sehr bekannten Zeitschrift, die"Time", veröffentlichte, und die man, so viel ich weiss, niemals widerlegt hat; denn es ist eine Tatsache, die jeden Widerspruch ausschliesst. Mr. Hodgson veröffentlicht in seinem Bericht einen "Plan des Okkulten Zimmers, sowie des Schreins und der Umgebungen (nach von R. Hodgson genommenen Massen) und bewahrheitet durch Bestätigungen theosophischer Zeugen": Auf S. 220 sagt Mr. Hodgson:
"Die beifolgende flüchtige Skizze, die nach meinen eigenen Massen angefertigt ist, soll die Lage vergegenwärtigen." Jetzt wird der Leser sehen, warum ich soviel Nachdruck legte auf die Tatsache, dass Mr. Judge im Sommer 1884 das Loch zugemauert, die Wand vergipst und dann neu tapeziert hatte; da dies im Sommer 1884 geschehen war, wie konnte Mr. Hodgson im Frühling 1885 eine flüchtige Skizze der verschiedenen Verhältnisse nach eigenen Mass-nahmen gemacht haben ? Man muss fragen:"Wie erhielt denn Mr. Hodgson seinen Plan ?" Die Antwort darauf ist einfach und wird von Mr. Judge gegeben, welcher sagt:
"Ich hatte einen Plan davon gemacht, in welcher Weise es von den Coulombs verlassen worden war, und dieser Plan wurde von Hodgson in seinem Bericht ohne Befugnis nachgedruckt, so dass die Leute ihn für den seinen hielten, den er an Ort und Stelle aufgenommen hatte, und von dem er behauptet, dass er ihn gezeichnet habe."
Was Mr. Hodgson hatte sehen können, war nur eine kahle Wand.

Ich möchte hier die Erklärung, die ich in der"Time" über dieses merkwürdige Verfahren abgegeben habe, noch einmal wiederholen:

"Ich wage zu behaupten, dass die unbefugte Entwendung eines Planes, der Eigentum einer ändern Person ist, mit"Massen" von Dingen, die nicht mehr vorhanden waren, als Mr. Hodgson Adyar besuchte, sich nicht mit Rechtschaffenheit verträgt."

Und doch beruht die ganze schreckliche Anklage gegen Mme. Blavatsky auf dem Zeugnis dieses Mannes.
Die"Society of Psychical Research", die die Verantwortlichkeit für den Bericht übernommen, hat keine Kenntnis von den Tatsachen, die anders sind, als Mr. Hodgson imstande war, sie darzustellen. Alles hängt von seiner Glaubwürdigkeit ab; und er veröffentlicht den Plan eines anderen Mannes als seinen eigenen und gibt imaginäre Masse von verschwundenen Gegenständen an."

Drittens, ging Mr. Hodgson mit peinlicher Genauigkeit vor, oder hastig und nachlässig ? Ein einziges Beispiel wird genügen, um die ausserordentliche Leichtfertigkeit zu zeigen, mit der er Beschuldigungen ausschleuderte.
Auf S. 357/58 des"Berichtes" macht Mr. Mohini M. Chatterji folgende Bemerkungen:
"Kurz gesagt, das Phänomen bestand darin, dass ich gleichzeitig zwei Stimmen hörte - die der Frau Blavatsky und noch eine andere - während ich mich mit ihr allein in ihrem Zimmer im Hause des verstorbenen Mr. Nobiu K. Bannerji"in Darjiling befand."
"Mit Bezug auf diesen Fall" sagt Mr. Hodgson,"brauche ich nur den Leser daran zu erinnern, dass in der Mauer von Frau Blavatskys Zimmer dicht an der Ecke eine hohle Stelle vorhanden war. Wahrscheinlich wird Babula mit ihr im Einverständnis gewesen sein und, um seine Stimme zu verstellen, mit einem Mangoblatt im Munde die ihm vorher eingeschärfte Antwort gegeben haben." Was diese Hypothese betrifft, so brauche ich meinerseits dem Leser nur ins Gedächtnis zurückzurufen, dass dieser Fall sich nicht in Madras ereignete, wo Mr. Hodgson Madame Blavatskys Zimmer prüfte, sondern in Darjiling am Himâlaya und zwar Monate lang, bevor das Haus in Madras gekauft und bezogen wurde. Was für ein Licht diese Unrichtigkeit auf die Schlüsse des Mr. Hodgson wirft, nachdem er so lange gesucht und geforscht hatte, während grosse Aufmerksamkeit bei einer Forschung sich eigentlich immer durch Tatsachen belohnen sollte - überlasse ich dem Urteil anderer."26)
Das erste, von dem man in diesem Bericht spricht, ist das Vorhandensein von Falltüren und andern für den Betrug bestimmten Einrichtungen in den Zimmern, die Madame Blavatsky in Adyar bewohnte. Auf den folgenden Seiten wird dann dies Vorhandensein ganz deutlich auseinandergesetzt und völlig klar gelegt, dass, wenn - allen Beweisen entgegen - Madame Blavatsky die Benutzung dieser betrügerischen Mittel. zur Vorführung von Phänomenen in Betracht gezogen, hatte, jener Gebrauch in der Zukunft lag, da diese Einrichtungen noch nicht vorhanden waren, als sie Indien im Februar 1884 verliess, und dass sie noch nicht einmal vollendet und für den Gebrauch fertig waren, als man sie im Mai 1884 entdeckte. Aber wenn dies wahr wäre - und die Wahrheit davon ist im Übermasse bewiesen - was wird dann aus Mr. Hodgson's ausführlichem Berichte von den weitläufigen Einrichtungen, durch die eine Verbindung hergestellt wurde zwischen Madame Blavatsky's Schlafzimmer und der Innenseite des Schrankes - des Schreines - in dem okkulten Zimmer ? Er sagt, dass die obere Hälfte der Täfelung auf der Rückseite des Schrankes verschiebbar gemacht war. -
Mr. Hodgson sah den Schrank nie, aber Dr. Hartmann sah und prüfte ihn und sagt, dass er"eine feste unbewegliche Rückwand hatte", 27) und dies wird auch von ändern bestätigt. Um die Trennungslinie zu verbergen, sollte man einen Spiegel in den Schrank gehängt haben, - niemand hat je diesen Spiegel erwähnt, aber es war einer da, und zwar hing er an einer rechtwinkligen Wand und verbarg eine zweite verschiebbare Täfelung, die indessen draussen im Vorraum sichtbar war; es war ein Loch durch die Mauer gemacht; - dies geschah niemals, wie wir gesehen haben; dann wurde in der abgesperrten Tür ein Schiebebrett angebracht; - mutmasslich ist dies das Loch, das in der Scheidewand entstand, nachdem man die Tür herausgenommen hatte; und schliesslich brachte man eine Schiebe-Vorrichtung an der Rückwand des Kleiderschrankes an. Wenn jemand in den Kleiderschrank stieg, die Rückwand desselben öffnete, sowie auch die Täfelung der Tür - mit Hainmerschlagen vielleicht, um seine Ankunft anzukündigen - dann konnte er in den Raum zwischen der Tür und dem Backsteinmauerwerk hineinschlüpfen - wenn es ein sehr kleiner Knabe war, der nichts dagegen hatte, zu ersticken - und dann durch das Loch in dem Mauerwerk den oberen Teil des Brettes am Schranke in die Höhe schieben - und auf diese Weise dem wartenden Briefempfänger im Okkulten Zimmer erscheinen und die Hammerschläge erklären und an die Rückseite des an die andere Mauer des Zimmers gelangen und ihn beiseite schieben.
Dies alles erfuhr Mr. Hodgson von den wahrheitsliebenden Mr. Coulomb und von niemand anders. Wen M. Coulomb noch hinzugefügt hätte, dass dies sein Plan war, obgleich er unglücklicherweise bei der Ausführung unterbrochen worden war, dann wäre alles wahr genug erschienen.
Madame Coulomb war in Cairo ein Medium von nicht sehr gutem Rufe gewesen, und Mr. Coulomb wird sich wohl seine Geschicklichkeit im Zimmern und seine erfinderischen Ideen in ihrem Dienste erworben haben; vielleicht haben die Coulombs auch daran gedacht, aus dem Schrein Nutzen zu ziehen - da er bereits in hohem Ansehen stand - um durch selbst ausgeführte Phänomene ihre schmalen Hilfsquellen zu vermehren; denn Madame Blavatsky erzählt, wie ärgerlich Madame Coulomb oft auf sie war, weil sie niemals ein Phänomen gegen Bezahlung zeigen wollte, noch dasselbe in einer Weise hervorbringen, dass Gaben damit verbunden waren.
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