Martin Luther gibt in seinem Kleinen Katechismus 1), Unterweisungen, wozu auch die Erläuterungen zu den 10 Geboten zählen. Luther führt zum Siebenten Gebot aus:
..Du sollst nicht stehlen. Was ist das? Wir wollen Gott fürchten und lieben, dass wir unseres Nächsten Geld und Gut nicht nehmen noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten "
". noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen" das Geld und Gut unseres Nächsten, das ist dem zuvor genannten Nehmen von Geld und Gut (durch Raub oder Diebstahl) nach Luther gleichgestellt.
Falsche Ware, falscher Handel, wer denkt da nicht nach der vorausgegegangenen Erwähnung der Wegnahme, dem klassischen Stehlen, an Betrug, etwa durch falsche Angaben zur Beschaffenheit der Ware oder die Verwendung falscher Gewichte?
Vielleicht muss man etwas von Silvio Gesell und seiner Freiwirtschaftslehre gehört haben, um die ganze Dimension dieses Gebotes gerade in seiner Erläuterung durch Luther zu erkennen. Das herkömmliche Geld ist eine falsche Ware, weil es der gewöhnlichen Ware überlegen ist im Austausch "Geld rostet nicht, Ware verdirbt" habe ich einmal in einem Leserbrief in der Wirtschaftswoche 2) geschrieben. Dieses Geld kann im Austausch. im Handel, einen Vorteil, einen Zins (Gesell nennt ihn den Urzins) erzwingen. Das ist dann auch wohl im Sinne und Verständnis Luthers an dieser Stelle ein falscher Handel. Wie entschieden Luther zum Zins Stellung genommen hat, ist jüngst im DDW3 verdeutlicht worden.
Nach meinem Verständnis verlangt die Beherzigung des Siebenten Gebotes, so wie Luther es auslegt, eine klare Absage an die herkömmliche Geldordnung. Das Siebente Gebot verlangt vielmehr einen Einsatz für die Freiwirtschaftslehre, die einen falschen Handel durch Geld und Bodenreform abgeschafft wissen will. Für die Geldreform habe ich dies bereits dargetan. aber auch die Einforderung der Bodenreform kann einsichtig und nachvollziehbar gemacht werden. beschränkt man die Forderung Luthers nicht nur auf den Handel, sondern erstreckt sie auch auf die Konsequenzen ungleicher Produktion und Produktionsbedingungen für den Handel.
Gute Böden geben den Produzenten Vorteile in den Anbauvoraussetzungen gegenüber schlechten Böden, sie ermöglichen Differentialrenten, die sich bis auf die Handelsebene auswirken, sofern nicht durch Abschöpfung der Bodenrente Ausgleich geschaffen wird. Und darum bemühen sich die freiwirtschaftlichen Bodenreformer.
Wenn sich Christen aller Konfessionen so ernst wie Luther für die Einhaltung des Siebenten Gebotes starkmachen würden. müssten sie die Verwirklichung der freiwirtschaftlichen Geld- und Bodenrefonn einfordern..
1) Der Kleine Katechismus Martin Luthers ist auch im Evangelischen
Gesangbuch im Anhang abgedruckt, in der Ausgabe für NRW steht die
nachfol gend zitierte Stelle auf S. 1584.
2) Wirtschaftswoche, Heft Nr 23 v. 1. 6. 1984, zitiert und erläutert auch in meinen Beiträgen "Hayek, Keyne und die Freiwirtschaft", in: Zeitschrift für Sozialökonomie, 66 Folge, 22 Jg. Okt 1985, S. 3ff, hier S. 6, "Enthält die Bi- bel die Idee der Freiwirtschaft? in: Zeitschrift für Sozialökonomie, 107 Folge, 32 Jg. Dez. 1995, S. 27f - ALTERNATIVE 2000, Nr. 23 (Sommer 1997, S.2=DDW, 28 Jg. (1977), Heft Nov. S.22, "Gibt es überhaupt Wettbewerb?, in DDW, 27. Jg. (1966), Heft Nov. , S. 17-20.
(Aus: Der 3.Weg November 2000)
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