(Aus: Der 3.Weg April 2000)
Elena Jakubovvsky
Warum Geldreform?
- Der freiwirtschaftliche Lösungsansatz in Kurzform -

In einer arbeitsteiligen Wirtschaft hat das Geld die Aufgabe. als Tauschmittelbeim Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage zu dienen. Als Tausch mittel wird das Geld seiner Aufgabe aber nur solange gerecht, wie es sich ständig im Kreislauf befindet also von Hand zu Hand gegeben wird. Wird es dem Wirtschaftskreislauf dagegen durch Hortung entzogen, kommt es zu Absatzschwierigkeiten mit der Folge von Arbeitslosigkeit und Deflation.

Ein störungsfreier Geldkreislauf setzt voraus, daß Geld nach dem Erhalt ent- weder wieder für Waren und Dienstleistungen ausgegeben oder anderen als Kredit zur Verfügung gestellt wird, die nun ihrerseits konsumieren oder investieren können. Bei allgemeiner Marktsättigung ist der Geldbedarf geringer als das Angebot, während bei hohem Konsumbedarf das Geldangebot kleiner als die Geldnachfrage ist. Entsprechend den Gesetzen von Angebot und Nachfrage sinkt im ersteren Fall der Zins, während er bei wachsender Geldknappheit steigt.

Der Zins kann aber in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung nie unter die "Liquiditätspräferenzgrenze" von rund 2.5% auf Null sinken: Ab dieser Grenze wird das Geld nicht mehr als Kredit angeboten, sondern gehortet, d. h bei Kasse oder als Sichteinlage gehalten. Dadurch sinkt das Geldangebot auf dem Kapitalmarkt, so daß bei gleichbleibender Geldnachfrage Geld wieder knapp zu werden beginnt, der Zins steigt erneut an, und erst jetzt wird das vorher zurückgehaltene Geld wieder für Kredite verliehen.

Der Zins ist mithin Motor und Bremse in der kapitalistischen Marktwirtschaft, die sich dadurch auszeichnet, daß sie infolge der Hortbarkeit des Geldes einen ewig positiven Zins erzwingt. Ganz allgemein gilt: Geld stellt sich im Kapitalismus nur unter der Bedingung als Kredit zur Verfügung, daß dafür ein Preis, der Zins, gezahlt wird.

Der Erwerber muß also nicht nur den geliehenen Betrag zurückzahlen, sondern muß auch noch die Zinsschuld erarbeiten. Der Verleiher kassiert den Zins, ohne dafür etwas geleistet zu haben. Das kapitalistische Geld garantiert also durch die "eingebaute" Liquiditätspräferenzgrenze eine ständige Vermögensverschiebung von den Bedürftigen zu den "Kassen ohne Bedarf".

Der Zins folgt den Gesetzen der Exponentialfunktion. d. h sie steigt anfangs langsam, dann immer schneller und endet schließlich im Unendlichen. Je mehr Geld nun jemand hat, desto mehr kann er verleihen, desto mehr Zinsen bekommt er zurück. einen umso größeren Betrag kann er dann wieder verleihen. Es gilt für Anleger der Grundsatz: Je hochprozentiger, desto besser. Bei 7% Wachstum verdoppelt sich beispielsweise ein Kapital ca alle 10 Jahre, bei 10% schon alle 7 Jahre. Von 1980 bis 1992 haben die Geldvermögen real um 58% zugenommen. Tag für Tag wachsen sie um über eine Milliarde an. Allein die Zinseinnahmen für diese Geldvermögen betragen fast 900 Mio DM täglich. Diese Zinseinnahmen bedeuten auf der anderen Seite einen ebenso großen Anstieg der Verschuldung. Rationalisierungsmaßnahmen, Arbeitslosigkeit, steigende Preise, Produktionsausweitung ergeben sich daraus unmittelbar.

So werden bei jedem Kauf von Waren und Dienstleistungen nicht nur die Arbeits- und Produktionskosten, sondern auch die Zinskosten bezahlt. Im Durchschnitt machen diese Zahlungen ein Drittel all unserer Ausgaben aus Es entstehen Kapitalakkumulation und Unternehmenskonzentration auf der einen Seite, die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten auf der anderen Seite sind die unmittelbare Folge.
 

Was kann man dagegen tun?

Zinsverbot? Die Folge wäre, daß sich das Geld in die Hortung zurückzöge, niemand wäre mehr bereit, sein Geld zu verleihen. Es käme zu einer Geldumlaufstockung mit steigender Deflation und Massenarbeitslosigkeit.

Banken verstaatlichen und zinslose Kreditvergabe durch den Staat? Es träte der gleiche Effekt ein. Niemand wäre mehr bereit, sein Geld den Banken zum Zwecke der Kreditvergabe zu leihen. 1)

Abschöpfen des Zinses durch Steuern und Umverteilung des Geldes? Bei 100% igem Abschöpfen käme das einem Zinsverbot gleich, mit gleichem Hortungseffekt. Außerdem wäre das Wirtschaftswachstum nicht beseitigt, da Wachstum seine Ursache in der Produktionsausweitung zur Erwirtschaftung der Zinsschuld hat.

Umlaufgesicherte Indexwährung! Will man die genannten negativen Folgen des Zinses beseitigen, muß man bei der Ursache des Zinses, nämlich der Hortbarkeit des Geldes ansetzen. Der freisoziale Vorschlag sieht die Einführung einer umlaufgesicherten lndexwährung vor.

Dabei könnte man mehrere Serien von Geldscheinen die sich farblich oder grafisch unterscheiden drucken, wo bei von Zeit zu Zeit eine Serie nach dem Zufallsprinzip zum Umtausch aufgerufen wird. Der Geldbesitzer muß dann für den Wert dieser Scheine z. B. einen Aufschlag von 10% zahlen. Geldhortung wird so zu einem Risiko und Kostenfaktor, den der Geldbesitzer nur vermeiden kann, indem er seine Kassenhaltung auf das Notwendige beschränkt und sein übriges Geld ausgibt oder verleiht.

Auf diese Weise ist ein "Geldstreik" bei sinkenden Zinsen nicht mehr möglich, der Zins durchbricht die Liquiditätspräferenzgrenze nach unten und pendelt sich endlich um den Nullpunkt ein. Damit hat das Geld seine Herrschaft über Wirtschaft und Gesellschaft verloren, es dient als neutrales und gerechtes Geld allen Menschen.
1) Der Zins darf zwischen 0 und 1 Prozent pendeln (Die Redaktion).
(Aus: Der 3.Weg April 2000)

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